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Südwesten 09: From the Ocean to the Mountains 18.09. – 06.10.
Nach 2002 und 2006 widmen wir unsere Reiseplanung im Jahr 2009 mal wieder dem Südwesten der Vereinigten Staaten. In der Schublade hätten wir für die Ecke Pläne für mindestens drei weitere ausgedehnte Reisen,aber alles auf einmal geht ja nicht. Also nehmen wir uns vor, Los Angeles einen Besuch abzustatten und dann vor allem Escalante und Moab als Ausgangsorte für allerlei Ausflüge und Wanderungen im südlichen Utah anzufahren. Und weil wir die Rocky Mountains noch nicht kennen, wollen wir von Denver zurückfliegen.



Den passenden Flug gibt es im April bei British Airways für schlappe 476 EUR. Die Flugpreise sind in diesem Jahr so was von im Keller. Wenn man bedenkt, dass wir letztes Jahr für nur 40 EUR weniger an die Ostküste geflogen sind... Wir hätten uns auch mit dieser Buchung gar nicht beeilen müssen, aber irgendwann muss man ja anfangen. Mit British Airways fliegen wir zum ersten Mal über den Atlantik. Für 538 EUR buchen wir für 20 Tage einen Midsize-SUV bzw. Equinox via usa-mietwagen.de bei Alamo, dazu bei Expedia das erste Hotel in Los Angeles. Ansonsten wollen wir uns die Route flexibel halten für den Fall, dass das Wetter nicht so ganz mitspielt. Da Escalante und Moab absehbar voll sein werden, reservieren wir auch hier schon die Zimmer, allerdings stornierbar. Das war’s an Vorbereitung. TomTom sollte uns wieder gute Dienste tun, dazu nehmen wir natürlich unser Läppi mit. Der Rest ist Vorfreude.
Tag 1 18.09. FRA–LHR–LAX – Santa Monica
Nun geht sie endlich los: unsere dritte Rundreise durch den Südwesten der USA. Beim Online Check-In von British Airways schnappte ich uns schon am Vortag für den langen Flug von Heathrow nach LAX Gang- und Fensterplatz in einer 3er-Reihe in der Hoffnung der Mittelplatz möge frei bleiben. Und obwohl der Flug ziemlich voll ist, geht der Plan auf. Das macht die 11 Stunden in der 747 aber nur ein wenig erträglicher. Bisher hatten wir auf unseren beiden langen Nonstop-Flügen an die Westküste das Glück, in der Business Class fliegen zu können. Diesmal nicht. Okay, für das Geld darf man halt auch keine Wunder erwarten.

Der Abflug in Frankfurt verläuft reibungslos. Um 7 Uhr ist im Terminal 2 noch so gar nichts los. Pünktlich um kurz vor halb acht heben wir ab, wir zwei schön bequem am Notausgang sitzend, der Platz neben uns frei, so dass ich mich mit meiner Zeitung ausbreiten kann. In Heathrow beginnt der unangenehme Teil des Fluges. Erstmal ist um die Uhrzeit in LHR Rush-Hour und die Flugzeuge stehen im Stau. Natürlich haben wir dann eine Parkposition weit draußen und es geht per Bus ins Terminal 5. Hier gleich Schlangestehen: Bordkartencheck, Security. Hallo? Wir kommen gerade aus einem Flugzeug! Aber so ist das hier: im Terminal 5 wird sämtlichen Passagiere noch mal das volle Programm gegeben, egal wo sie hinfliegen. Großbritannien hat ja ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis im Flugverkehr.

Nach etwa 45 Minuten sind wir durch, unter einer Stunde Umsteigezeit kann man eine Verbindung über Heathrow morgens vergessen. Wir haben zum Glück 90 Minuten. Das reicht für einen Stopp bei Starbucks (wo Conny statt eines Chai Tea Latte dünnen Beuteltee bekommt – diese Engländer...), dann geht es, richtig, in den nächsten Bus. Der fährt uns gefühlt nach London City, hält aber dann doch vor einer 747. Als alle an Bord sind, dauert es wieder eine Stunde, ehe der Flieger Richtung Startbahn rollen darf. Nun gut, ist alles in die Flugzeit eingerechnet.

Dank In-Seat-Entertainment gibt es auf dem Flug immerhin jede Menge Filme anzuschauen. Für mich: der sehr lässige Woody Allen-Film „Vicky Christina Barcelona“, die durchaus amüsante Komödie „The Proposal“ mit Sandra Bullock und „Searching Eric“, ein englischer Fußballfilm. Über Kanada reißt die Wolkendecke auf, so dass auch der Blick nach draußen lohnt. Das Essen finde ich ziemlich schlecht, habe ich bei einer britischen Airline aber nicht anders erwartet. Zwei Mal Rotwein sorgt für etwas Bettschwere, so dass immerhin ein kurzes Mittagsschläfchen drin ist. Übel: diese 747 hat keine Düsen zur Frischluftzufuhr über den Sitzen. Vor allem am Fenster ist die Luft daher richtig schlecht. Aber jeder Flug endet ja irgendwann und schließlich geht es über dem Valley Of Fire und Las Vegas so langsam in den Sinkflug.

Los Angeles ist aus der Luft betrachtet ein einziger smoküberzogener Häuserbrei. Hier bekommt man gleich eine Ahnung von den Dimensionen, die diese „Stadt“ einnimmt. Zusammen mit uns kommen am International Terminal Flieger aus Frankfurt,Taipei, Dubai (wie lange fliegt man DA eigentlich nonstop???) und Seoul an, so dass bei der Immigration einiges los ist. Nach 20 Minuten Warten und der Abnahme aller Fingerabdrücke bei einem sehr freundlichen Officer sind wir aber auch hier (wie immer ohne Probleme) durch. Unsere Taschen sind auch schon da – wobei ich nie verstehen werde, warum an einigen Flughäfen Mitarbeiter das Gepäck NEBEN dem Band stapeln, wo doch darauf keinesfalls Platzmangel herrscht. Das habe ich mir aber schon gedacht und so finde ich die Hälfte unserer Sachen in einem großen Haufen Koffer und Taschen. Der Zoll ist wie üblich kein Hindernis - ab zum Shuttle-Bus von Alamo. Der hält direkt vor dem Terminal, kann man nicht verpassen.

In der Mietwagenstation dann die nächste Warteschlange. Die wird allerdings recht zügig abgefertigt und so stehen wir bald vor einer recht überschaubaren Choice-Line der Midsize-SUV Kategorie. Zwei Rav4, ein Nissan, ein Equinox – das war’s, wenn man etwas Bodenfreiheit und Vierrad-Antrieb will. Warum der Chevrolet HHR in diese Kategorie fällt, ist mir zum Beispiel ein Rätsel. Wir entscheiden uns für einen Rav4, schon der dritte Urlaub hintereinander mit einem Toyota unter dem Hintern. Sollte für unsere Fahrt ausreichend sein. Da es mittlerweile schon 15:30 Uhr ist, kommen wir nun mitten in den Freitagnachmittag-Verkehr. Ein LA-Klischee wird also schon mal erfüllt: der ewige Stau. Wir brauchen eine geschlagene Stunde bis zum Hotel (einen kurzen Stopp beim Vitamine Shoppe eingerechnet), das Angeleno im Norden von LA. Das gefällt uns dafür sehr gut: das ehemalige Holiday Inn wurde zu einem schicken Boutique Hotel umgemodelt, die Zimmer sind geräumig und modern. Wir machen uns kurz frisch und dann auf den Weg nach Santa Monica. Bei dem herrlichen Sonnenscheinwollen wir den Strand genießen...



Aber: klarer Fall von „denkste“. Nach ein paar Minuten verschwindet die Sonne hinter einer Nebelbank, die sich an die Küste gelegt hat. Kennt man ja eher aus der Gegend um San Francisco und so sind wir über das trübe Wetter nun doch etwas enttäuscht. Conny hält mal kurz die Füße in den Pazifik – das Wasser hat in etwa Lufttemperatur, also etwas über 20 Grad. Obwohl sich das nicht all zu warm anhört, klebt einem die dreckige, feuchte Luft hier doch ganz schön am Leib.


Vom Pier bummeln wir über den Palisades Park Richtung Third Street, der sehr trubeligen Fußgängerzone von Santa Monica. Hier ist an diesem Freitagabend einiges los, wobei man die Straßenmusikanten nicht immer von den Bettlern unterscheiden kann, die es wirklich in Massen gibt. Sehr auffällig. Obwohl u.a. ein Abercrombie & Fitch lockt, ist uns am ersten Abend noch nicht nach Shopping. Stattdessen lässt Conny sich breitschlagen zu Bubba Gump auf den Pier zurückzugehen. Hier gibt es frittierte Meerestiere satt und somit einen guten Ausklang dieses langen ersten Tages. Nach 25 Stunden fallen wir total erledigt in die sehr bequemen Betten.
Gefahrene Meilen: 26 Übernachtung: Hotel Angeleno, 71 EUR via Expedia (+ 20$ Parken)
Tag 2 19.09. Los Angeles
„Ersttätern“ wird in jedem Amerika-Forum geraten, sich nicht zu viel für einen Tag vorzunehmen. Man unterschätzt in den USA ja gerne mal die zu bewältigenden Entfernungen und hat das nachvollziehbare Gefühl, dieses oder jenes nun auch noch mitnehmen zu müssen, wo man „schon mal da ist“. Auf den heutigen Tag zurückblickend muss ich da selbst über uns lachen. Aber: erstens sind wir ja vielfache Wiederholungstäter und zweitens ist so ein Tag halt auch verdammt lang, wenn man ihn um 3:30 Uhr beginnt. Aber der Reihe nach. Jetlag-bedingt sind wir also früh wach. Ansonsten hätte uns aber eh um Punkt 4 Uhr der Wecker im Nachbarzimmer aus den Träumen gerissen. Nach 20 Minuten beeep-beeep-beeep rufe ich mal an der Rezeption an und lasse jemanden raufkommen das Ding abschalten. Wird auch prompt erledigt. Conny hat sich über Nacht nicht von der Idee abbringen lassen Six Flags Magic Mountain einen Besuch abzustatten. Da waren wir schon mal und ich müsste nicht unbedingt wieder hin, aber gut. Sie bestellt im Internet die Tickets („buy 1 get 1 free“). Bis der Park um 10:30 Uhr öffnet ist noch jede Menge Zeit für Sightseeing und so brechen wir um 6 Uhr auf Richtung Hollywood.



Um die Uhrzeit hat man an einem Samstagmorgen immerhin keine Staus auf den Autobahnen von LA. Sogar fast wie ausgestorben präsentiert sich dann der Hollywood Boulevard. Wir sind die einzigen vor dem Chinese Theater, wo die Hand- und Fußabdrücke der Filmstars im Zement verewigt sind. Die Sterne auf dem „Walk of Fame“ werden von einem fleißigen Moppschwinger auf Hochglanz gebracht. Ansonsten drücken sich hier vor allem eher zwielichtige Gestalten herum. Einer von ihnen, Typ mexikanischer Kleinstadt-Gangster, verfolgt mich sogar bis in einen Kaffeeladen, weil er meint, ich hätte ihn unerlaubterweise fotografiert. Ich kann ihn beruhigen und nach einem letzten bösen Blick trollt er sich wieder. Wenn man partout nicht fotografiert werden will, ist der Hollywood Boulevard aber auch ein seltsamer Ort zum Abhängen...



Ansonsten ist das hier wirklich überhaupt nichts Aufregendes. Das elegante Hotel Roosevelt und das Art-Deco-Kino „El Capital“ versprühen noch etwas vom alten Glanze Hollywoods und mit dem Hollywood & Highland-Komplex hat man ein modernes, wenn auch kitschiges Vergnügungszentrum mit allerlei Geschäften, Kinos und Restaurants gebaut. Wir sind jetzt auch mal hier gewesen. Been there, done that.


Nach einer mächtigen Cinnamon Roll zum Frühstück fahren wir zum Beachwood Drive. An dessen Ende kommt man nach „Hollywoodland“,genau das Viertel für das einst das berühmte Schild in die Hügel gesetzt wurde. Das hat man von hier denn auch gut im Blick (heutezutage natürlich ohne „land“) und wir bewundern die traumhaften Häuser, die sich in den Hügeln verstecken. Hat was. An ungefähr jedem zweiten hängt ein Schild: „For Lease“ oder „For Sale“. Die Krise, die Krise...


Weil wir dann immer noch jede Menge Zeit übrig haben, steuern wir als nächstes den Mulholland Drive an, eine tolle Panorama-Straße, die sich von Hollywood bis Malibu über die Berge schlängelt. Diese Straße sollte man sich wirklich nicht entgehen lassen. Sie führt durch traumhafte Wohngegenden, an Naturschutzgebieten vorbei und bietet immer wieder spektakuläre Ausblicke. Auch wenn es mit der Fernsicht bei dem Nebel heute nicht weit her ist.

Conny macht dann irgendwann die Ansage, dass es nun doch langsam Zeit wird, Richtung Magic Mountain zu fahren. Das geht recht fix und so rollen wir pünktlich um 10.30 Uhr auf den gigantischen Parkplatz. Und nicht nur wir! Menschenmassen strömen bereits Richtung Eingang. Ach Du Schande! Da habe ich ja schon gleich keinen Bock mehr. Schon gar nicht bei 30 Grad.

Conny ist allerdings motiviert die Geschichte durchzuziehen, also heißt es auf die Zähne beißen. Vielleicht muss ich ja dafür nie wieder in so einen Park. Diese ganzen „I was kinda like you know“-Teenies nerven einfach kolossal, dazu wird man fast taub, weil man in jeder Warteschlange von vorne bis hinten beschallt wird. Als ob die ganzen Rides nicht schon Reizüberflutung genug wären.

Meine Laune bessert sich etwas nach dem ersten, durch einen irren Drop auf der nigelnagelneuen Holzachterbahn „Terminator“ ausgelösten Adrenalinschub. Diese Bahn wären wir am liebsten gleich noch mal gefahren – leider werden die Schlangen immer länger. Immerhin: ein paar Achterbahnen klappern wir ab, ehe ich nach zwei Touren hintereinander auf der gigantischen Holzachterbahn „Colossus“ gegen 15 Uhr die Segel streiche.

Auch Conny hat genug von der Hitze und den Menschenmassen. Nach einer letzten Fahrt mit der legendären „Revolution“, dem ältesten Ride von Magic Mountain und schon im Katastrophenfilm „Achterbahn“ aus den 70er Jahren zu sehen, schleppen wir uns zurück zum Auto, das geschätzte 80 Grad Innenraumtemperatur hat. Zurück zum Hotel geht es natürlich nicht ohne Stau – jetzt ist erstmal Erfrischung im Hotelpool angesagt. Top!


Zum Sonnenuntergang wollen wir zum Griffith Observatory hochfahren. Leider entscheiden wir uns für das falsche Ziel namens „Griffith Park“ in unserem TomTom. Der kleine Kasten schickt uns zwar prinzipiell in die richtige Gegend, dann aber doch durch ein Wohngebiet. Das ist zwar auch nett anzuschauen, aber bis wir dann endlich den richtigen Weg und auch noch einen Parkplatz gefunden haben, ist die Sonne schon im Dunst über dem Meer verschwunden.



Wir genießen trotzdem die schöne Abendstimmung rund um das Planetarium (hier spielte u.a. James Dean in „Denn sie wissen nicht, was sie tun“).
Das Griffith Observatory ist ein sehr beliebtes Ausflugsziel, unzählige Familien kommen auch spätabends noch hierher und vor allen Vorführungen gibt es lange Schlangen. Da Astronomie nun kein Hobby von uns ist, ziehen wir unseren Aufenthalt nicht unnötig in die Länge. Immerhin erfahren wir, dass der erste und hellste Stern am Abendhimmel zur Zeit gar kein Stern ist, sondern der Planet Jupiter.


Uns knurrt nun mächtig der Magen – höchste Zeit fürs Abendessen. Conny meint erst, sie hätte Lust auf Pizza, schlägt dann aber einen Besuch von Tony Roma’s vor. Nun ja, denke ich mir, nichts dagegen. Für Tony Roma’s bin ich immer zu haben. Also lassen wir uns zum nächstgelegenen Restaurant lotsen. Als wir auf einmal an einer Parkhauseinfahrt stehen und 10$ zahlen müssen, wird uns klar, dass dieser Tony Roma’s am Citywalk der Universal Studios liegt. Die hatten wir nicht auf unserer Liste der zu besuchenden Touristen-Attraktionen, und man kann sich vorstellen, was Samstagabend an dieser Vergnügungsmeile los ist. Conny hat da schon einen Riesenhals, der noch mehr anschwillt, als Ihr aufgeht, dass Tony Roma’s ja gar keine Pizzakette ist. Hat sie doch glatt mit Bartucci’s verwechselt. Tja, Pech. Ich freue mich (nach kurzer Wartezeit auf einen Tisch) auf meine St. Louis Ribs und Conny bekommt dann immerhin einen gar deliziösen Burger serviert. Es ist schon nach elf, als wir endlich wieder auf dem Hotelzimmer sind und damit ist der heutige Tag für uns nur wenige Stunden kürzer als der gestrige gewesen.
Gefahrene Meilen: 129
Tag 3 20.09. Los Angeles – Las Vegas – Valley Of Fire - Mesquite
Ein gewaltiger Fahrtag liegt vor uns – da ist es hilfreich, dass wir auch heute Morgen wieder früh wach sind. Fix gepackt und um 6 Uhr lasse ich unseren Wagen vorfahren. Es geht von West nach Ost einmal quer durch den Ballungsraum Los Angeles bis hinter San Bernardino schließlich die Wüste erreicht ist. Da sind wir dann immerhin schon 67 Meilen gefahren und endlich aus der Nebelbank heraus, die sich heute Morgen wie ein Wattebausch über das ganze Becken von LA gelegt hat. Good-bye, Wolken. Für die nächsten zwei Wochen sollte uns der typisch stahlblaue Himmel des Südwestens täglicher Anblick sein.

Ich hätte eigentlich drauf wetten sollen: mitten auf der Autobahn meldet sich eine Warnlampe am Armaturenbrett - „maintenance required“, also „Wartung notwendig“. Ist schon fast ein Running-Gag: jedes Mal, wenn wir an Las Vegas vorbeikommen, müssen wir unseren Mietwagen tauschen. Passiert auf der dritten Reise zum dritten Mal. Bisher: eine nach Steinschlag gerissene Windschutzscheibe sowie defekte Bremsen. Ein Anruf bei Alamo bringt eine Auswahl möglicher Defekte als Ursache für die Warnlampe. Könnte zum Beispiel nur sein,dass ich den Ölstand checken sollte. Aber bevor wir mit der Karre irgendwo in einer Wüste Utahs oder in den Rocky Mountains liegen bleiben, holen wir uns lieber einen neuen Untersatz. Gegen Mittag sollten wir ja in Las Vegas sein.

Erstmal aber frühstücken wir im Wüstenkaff Barstow bei Denny’s – üppig und lecker. Nur den Kaffee sollte man lieber weglassen. Barstow besteht vor allem aus Outlet-Shops. Die haben so früh aber noch nicht auf. Die in Primm direkt hinter der Staatsgrenze zu Nevada dann schon. Also investieren wir hier ein paar Dollars. Conny blickt ein bisschen wehmütig zur Achterbahn, die in Primm um ein Hotel fährt...

Jetzt sind es nur noch ein paar Meilen bis Las Vegas. Dort haben sich sämtliche Mietwagenfirmen in einem gigantischen Parkhaus in der Nähe des Flughafens niedergelassen. Der Tausch ist schnell erledigt. Wir hatten ja ein bisschen gehofft, dass sie für uns kein passendes Auto vorrätig hätten und wir so an ein Upgrade kommen würden. Aber, richtig, wir tauschen den Rav4 gegen einen Rav4. Rot statt hellblau. Immerhin hat der neue einen V6-Motor, was gleich mal einen Gang mehr macht, und nagelneue Reifen. Die sahen bei unserem alten Wagen schon arg abgefahren aus und gute Reifen sollten wir noch zu schätzen wissen. Also was soll’s. Ab dafür.

Am berühmten Las Vegas-Sign haben wir noch nie gehalten, also fahren wir da jetzt für die entsprechenden Fotos hin. Früher war dort wildes Parken angesagt, mittlerweile hat es einen ordentlichen Parkplatz und die Touristen stehen brav in der Schlange, bis sie für ihr Foto an der Reihe sind. Ich bin mir sicher, dass sich in Deutschland einfach nur ein großes Menschenknäuel um dieses Schild bilden würde...

Unser nächstes Ziel ist die Filiale des Outdoor-Ausstatters REI ganz im Westen von Las Vegas. Hier haben sich die Wohnviertel schon bis an die Berge herangefressen. Straßen, Brücken, Häuser – alles nagelneu. Und oft leer. Womit wir wieder beim Thema Wirtschaftskrise sind. Der begegnen wir durch einige Einkäufe bei REI. Hier gibt es wirklich ALLES, was man beim Wandern, Zelten oder für sonstige Aktivitäten an der frischen Luft gebrauchen könnte. Wir sind dann sogar gewillt, noch mehr Geld in den Premium Outlets zwischen Downtown und Strip zu lassen. Hier ist es aber so voll, dass wir uns einig sind, dass die Wirtschaftskrise soeben für beendet erklärt worden sein muss. Wir genehmigen uns nur ein schnelles Essen im Food Court und sehen dann zu, die Stadt möglichst fix hinter uns zu lassen.


Hinter Las Vegas gibt es außer ein paar Stromleitungen neben der Interstate 15 nichts. Nach ca. 40 Meilen erreichen wir aber eine Tankstelle, die gleichzeitig ein von Indianern geführter Supermarkt ist. In dem Laden gibt es alle möglichen Spirituosen in gigantischen Flaschen - steuerfrei. Außer einer 12er-Kiste Budweiser und Wasser nehmen wir aber nichts Flüssiges mit, viel wichtiger ist uns hier der Abzweig zum Valley Of Fire. Die Straße windet sich bald durch hübsch anzuschauende Berge, macht total Spaß hier zu fahren.



Schließlich erreichen wir den Eingang zum State Park, wo 6$ Eintritt fällig sind - der ist aber auch jeden Cent wert. Dass wir hier noch nie waren... völlig unverständlich. Im Licht der Nachmittagssonne leuchten die Felsen knallrot und wir halten an allerlei bizarren Formationen wie dem Arch Rock und dem Atlatl Rock. Ist auch gar nicht mehr so heiß und so lassen wir einfach die Fenster unten und uns die angenehme Luft um die Nase wehen.




Besonders gut gefällt uns die Straße, die am Rainbow Vista vorbei in den Norden des Parks führt. Grandiose Farben.


Schließlich fahren wir noch zum Elephant Rock, der freilich so spät keine Sonne mehr hat,aber trotzdem ein Must-See ist. Hier begegnen wir dann auch noch einigen anderen Besuchern, ansonsten ist es schon recht einsam. Die Ausflügler und Hochzeitsgesellschaften von Las Vegas sind wohl schon auf dem Weg zum Buffet.

Die Aussicht vom Elephant Rock ist großartig und reicht bis zum Lake Mead. Raus aus dem Park geht es dann an dessen Ost-Eingang und durch das erstaunlich grüne Moapa Valley fahren wir zurück Richtung I-15.
 Unser Hotel befindet sich in Mesquite, an dem man immer vorbeifährt und denkt: "Warum zum Geier stehen hier so riesige Kasinos mitten im nichts?" Ist aber gar kein nichts, denn der Virgin River liefert hier das Wasser und der Ort steht direkt an der Staatsgrenze zu Arizona bzw. kurz dahinter Utah und die haben ja keine Kasinos. Jedenfalls ist Mesquite enorm gewachsen in den letzten Jahren. Lauter Neubaugebiete und Shopping Center. Wir haben uns entschieden hier zu übernachten und nicht in Las Vegas, weil für eine Nacht ein Strip-Hotel arg umständlich wäre und wir nach der langen Fahrt eh nichts großes mehr unternommen hätten. Also warum nicht gleich die paar Meilen weiter fahren und damit näher an die geliebten Nationalparks im Süden Utahs heran? Eben. Dazu kommt, dass man im Falcon Ridge Hotel für schlappe 38 EUR eine Suite samt Balkon mieten kann. Nichts zu meckern. Das Hotel ist schnell gefunden, unsere Reservierung von gestern nicht, aber schließlich klärt sich alles auf. Wir tragen unsere Sachen aufs Zimmer und statten dann noch dem Außenpool einen Besuch ab. Der ist herrlich erfrischend nach Staub und Hitze dieses langen Tages. Morgen noch ein Fahrtag, dann lassen wir uns mehr Zeit beim Urlaub machen...
Gefahrene Meilen: 423 Übernachtung: Falcon Ridge Hotel Mesquite, 38 EUR via Expedia
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Tag 4 21.09. Mesquite - Zion - Bryce - Escalante Frühstück ist inkludiert im Falcon Ridge, auch wenn in der Reservierung ausdrücklich das Gegenteil steht. Kriegt hier aber jeder. Der übliche Plastikkram, aber immerhin.

 Nach einem Tankstellen- und Drogeriebesuch fahren wir wieder auf die I-15, die sich durch den spektakulären Canyon des Virgin River schlängelt und schließlich in St. George rauskommt, so ziemlich die größte Stadt im Süden Utahs. Auch die ist in den letzten Jahren geradezu explosionsartig auf mittlerweile 80.000 Einwohner gewachsen. Wenn man bedenkt, dass hier früher der radioaktive Niederschlag der Atombombentests runterkam...
 Irgendwann müssen wir hier mal länger bleiben und uns die Dinosaurier-Fundstellen anschauen. Hotels hat es jede Menge. Heute geht es aber in St. George nur von der Autobahn ab und Richtung Zion National Park. Schon als wir nach Springdale reinfahren, tut es uns leid, dass wir dieses Mal nicht länger da bleiben - die Kulisse des Zion Canyon ist einfach wunderschön.
 Da Conny gestern in Las Vegas vergessen hat,Wanderschuhe zu kaufen, wird diese Übung nun in Springdale nachgeholt. Ist ja zum Glück gerade alles "on sale" und nachdem sie in einem Laden alle, wirklich alle Schuhe ausprobiert hat, wird sie tatsächlich fündig.


 Am Parkeingang kaufen wir erstmal für 80$ einen neuen Jahrespass, dann fahren wir unterbrochen von dem einen oder anderen Foto- und die-schöne-Aussicht-genieß-Stopp Richtung Tunnel. Der Stau davor hält sich in Grenzen und so sind wir bald durch und finden direkt dahinter sogar im ersten Anlauf einen Parkplatz. Wir wollen den Trail zum Canyon Overlook laufen.





Die Wanderung (ca. 45 Minuten one-way) ist äußerst abwechslungsreich und macht uns richtig Spaß. Vor allem: endlich mal kein Autofahren. Der Blick vom Aussichtspunkt ins Tal ist grandios, wirklich eine Pflichtwanderung im Zion und dazu angenehm kurz.




Weiter geht es auf der 9 Richtung Osten und natürlich halten wir bei jeder Gelegenheit - zum Beispiel wenn eine Herde Dickhorn-Schafe am Straßenrand auftaucht. So Tierchen muss man ja immer fotografieren.



In Mt Carmel Junction biegen wir dann auf die 89 ab - Traumstraße! - und von der auf die 12 - erst recht Traumstraße! Als wir durch den unglaublich leuchtenden Red Canyon kommen, beschließen wir statt der Cottonwood Canyon Road und dem Kodachrome State Park lieber dem Bryce Canyon einen Besuch abzustatten. Licht und Wetter sind einfach so toll, da können wir unmöglich dran vorbeifahren.



Zuerst stillen wir aber beim Imbiss des Ruby’s Inn unseren Hunger. Es gibt Hot Dog und Pommes. Jawoll! Conny ist derart begeistert von diesem Hot Dog, dass sie ihn prompt zum besten Essen des Urlaubs kürt – und bis zum Schluss der Reise dabei bleibt. Ich glaube ja, dass sie einfach so hungrig war, dass ihr Urteilsvermögen... Aber lassen wir das. In dem Imbiss muss ich daran denken,wie hier vor Jahren mal eine Frau vor mir im schönsten sächsisch ihrem Mann mitteilte, dass es hier ja „gor keene Bömmes“ hätte. Zu Ruby’s Imperium gehört auch das neue Best Western Hotel gegenüber. Sieht gut aus.




Wir biegen erstmal kurz vor dem Eingang in den Nationalpark Richtung Fairyland Point ab. Und sind beim ersten Anblick der von der Sonne angestrahlten Steinsoldaten einmal mehr begeistert. Wobei: ich bin begeistert, Conny friert sich den A.... ab. Es ist aber auch kalt hier oben. Glatte 20° Celsius weniger als in Vegas gestern. In Fahrenheit: von 105 auf 62°.








Trotzdem, und obwohl hier wirklich unglaublich viele (vor allem französische) Bustouristen unterwegs sind, steuern wir noch sämtliche bekannten View Points entlang des Canyonrands an. Bryce ist zwar eher eine Sunrise Location, aber auch zum Sonnenuntergang wunderschön.


Auf dem Weg zum Ausgang begegnen uns noch einige Rehe und Gabelböcke. Hat reichlich Wildlife heute. Zurück auf der 12 wird das von freilaufenden Rindern abgelöst. Aber die gehören hier ja auch irgendwie immer dazu.




Über Tropic und Henrieville erreichen wir schließlich Escalante, wo wir die nächsten vier Nächte im Circle D reserviert haben. Das ist auch gut so, denn der kleine Ort ist so was von ausgebucht. Wir werden sehr nett empfangen, über die aktuelle Anzahl der deutschen Gäste informiert und dann mit einem Schlüssel für das allerletzte Zimmer ausgestattet. „Allerletzte“ im Sinne von „ganz hinten“ Was aber nichts Schlimmes ist, denn hinten gibt es im Circle D die neuen Zimmer und ganz hinten verspricht einigermaßen Ruhe. Der Room ist denn auch sehr schön, sauber und mit Kühlschrank, Mikrowelle und Flatscreen TV ausgestattet. Zum Abendessen genehmigen wir uns eine (geniale) Pizza im Outfitters, einer Mischung aus Outdoorladen, Souvenirshop, Motel und Restaurant und so was wie DER Treffpunkt in Escalante. Satt und hundemüde sinken wir schließlich in die sehr komfortablen Betten.
Gefahrene Meilen: 225 Unterkunft: Circle D, 65$ (+ Tax)
Tag 5 21.09. Escalante: Calf Creeks Falls - Moqui Hill
Heute schlafen wir aus. Bis 7:30 Uhr. Hilfreich ist dabei, dass wir ja jetzt eine Zeitzone Richtung Osten gekommen sind. Und da wir heute keinen Ort 200 Meilen entfernt erreichen müssen, lassen wir den Tag ganz gemütlich angehen.

Nach monatelanger Ankündigung hat heute das Restaurant des Circle D aufgemacht. Da schauen wir doch gleich mal zum Frühstück vorbei. Mein frisch geröstetes Müsli und Connys Crepe mit Frischkäse und Erdbeeren sind sehr lecker, eine nette Abwechslung zum üblichen Egg-Bacon-Bagel-Breakfast. Warum in der Karte die meisten Speisen „organic“ sind, das Essen aber auf Plastiktellern serviert wird, erschließt sich uns nicht so ganz. Immerhin: den Kaffee gibt es in schicken Porzellantassen. Vielleicht sind die Teller noch nicht geliefert worden. Typisch Amerika: als ich meinen O-Saft quer über den Tresen schütte, bekomme ich sofort kostenlos einen neuen Becher gebracht. Ups...



Los geht unser Wanderprogramm, für die nächsten Tage haben wir einiges auf dem Zettel. Das erste Ziel: die Lower Calf Creek Falls. Den Parkplatz mit dem Trailhead erreicht man über die 12 Richtung Boulder. Die Wanderung ist wunderschön. Zwar nicht gerade einsam, aber so viel schöne Natur wollen eben nicht nur wir genießen. Der Trail ist recht sandig und geht immer am Bach entlang. Der schlängelt sich zwischen hoch aufragenden Felswänden durch ein grünes Tal.




Etwas ratlos stehen wir immer wieder vor nummerierten Pfosten am Wegesrand. Am Ende sehen wir, dass wir uns am Parkplatz eine kleine Broschüre mit Beschreibungen hätten mitnehmen können. Von ganz allein entdecken wir aber einen indianischen Lagerplatz in einer Höhle oben am Canyonrand. Stammt wohl von den Fremont Indianern, die hier vor über 800 Jahren lebten. Interessant zu beobachten sind auch die Kolibris, die so rasend schnell von Blüte zu Blüte zischen, dass es unmöglich ist, ein Foto zu machen. Dafür begegnen wir Schlangen, den allgegenwärtigen Streifenhörnchen und Forellen im Bach.


 
Nicht verpassen kann man schließlich den herrlichen Wasserfall am Ende des Canyons. Könnte gar nicht schöner sein! Durch das Wasser ist es hier auch bedeutend kühler als auf dem Weg und so rasten wir eine ganze Weile an dem kleinen Sandstrand. Conny rutscht beim Versuch die Fälle von der anderen Seite zu fotografieren im Schlamm aus und setzt sich ordentlich auf den Hosenboden. Geht ja gut los.



Nach gut drei Stunden sind wir zurück am Auto und schicken anschließend den Rav4 auf dem Weg Richtung Escalante erstmals zur Asphalt-Entwöhnung. Es geht über die Old Sheffield Road dahin, wo die Moquis (oder Mokis) liegen. Der so genannte "Moqui Hill" ist nicht schwer zu erreichen und die Murmeln aus Eisen-Sandstein-Verbindungen sind wirklich sehr sehenswert. Man findet sie überall am Grand Staircase, an der Sheffield Road liegen sie immer wieder direkt am Weg. Mitnehmen darf man die Moquis nicht - so geben wir uns mit ein paar Hundert Fotos zufrieden.





Übrigens nannten die weißen Siedler früher die vorgeschichtlichen Indianervölker, deren Ruinen sie fanden, Moquis. Heute werden die meistens mit dem Navajo-Wort Anasazi bezeichnet, aber der eine oder andere Moqui-Geist soll noch durch die Canyons spuken. Aber das ist eine andere Geschichte...

Wir überlegen noch kurz, den Escalante Vulcano zu erwandern, aber das wäre von der Sheffield Road aus doch etwas heftig. So genießen wir auf dem Rückweg noch einige spektakuläre View Points entlang der Scenic Route 12.



Nach einer Dusche gehen wir wieder quer über die Hauptstraße zum Outfitters. Heute Abend ist eine große 16-Inch-Pizza fällig, die wir zusammen mitein paar Bierchen restlos wegputzen. Lecker! Alkohol gibt es im Outfitters übrigens nur in Verbindung mit einer Mahlzeit. Der Laden hat keine Bar- sondern eine Restaurant-Lizenz. Ist hier in Utah ja alles streng geregelt. Wer auf ein Bierchen vorbeikommen mag, muss wenigstens auch einen Muffin dazu bestellen.

Gefahrene Meilen: 50
Tag 6 23.09. Escalante - Hole-in-the-Rock-Road - Spooky Gulch - Devil's Garden Heute stehen wir wieder mit der Sonne auf. So um 7:30 Uhr schickt sie ihre Strahlen durch unser Fenster. Frühstück gibt es im Golden Loop Café. Ein, hmm, sagen wir mal, uriges Restaurant mitten in Escalante. Frühstück ist aber prima. Hab leider kein Foto davon. Die Herren vom Cowboy-Stammtisch nebendran hätten das bestimmt seltsam gefunden...

 Nach dem Frühstück und einem kurzen Besuch des Visitor Centers geht es auf die Hole-in-the-Rock-Road Richtung Dry Fork Trailhead. Bis dort sind es 26 Meilen Schotterpiste und die ziehen sich ganz schön. Vor allem im zweiten Teil werden wir gut durchgerüttelt, insgesamt ist die Straße aber ganz gut befahrbar nach der Trockenheit der letzten Tage. Ausnahme vielleicht ein Abschnitt, wo Gips den Untergrund bildet. Es gibt hier auch eine seitliche Umfahrung, auf dem Hinweg brettern wir aber mittendurch,so dass das Auto hinterher ausschaut, als hätten wir es in eine Puderdose geschmissen. Absolut Pflicht auf dieser Straße: Fenster zu und Klimaanlage auf Umluft stellen!

 Die letzten 1,7 Meilen nach dem Abzweig von der HRR Richtung Parkplatz haben es dann aber doch in sich und wir staunen nicht schlecht, als neben uns ein Coupé hält. Die Insassen kommen aber auch aus Alaska und sind wahrscheinlich noch ganz andere "Straßen" gewohnt.

Was machen wir hier draußen? Vom Dry Fork Trailhead aus erreicht man nach einem kurzen und für uns nicht schwierig zu gehenden Abstieg ein (zu dieser Jahreszeit) trockenes Flussbett namens Coyote Gulch. Dessen Erkundung wäre an sich schon eine längere Wanderung wert, ist aber nicht unser eigentliches Ziel.

Wir wollen in noch engere Canyons krabbeln, zum Beispiel in den Peek-A-Boo. Der gehört zu den bekanntesten Slot Canyons überhaupt, dummerweise steht aber bei unserer Ankunft genau davor eine große, ungefähr knietiefe Pfütze. Angenommen,wir würden diese überwinden, müssten wir uns noch eine über zwei Meter hohe glatte Felswand hinauf hangeln, um dann vor einer weiteren tiefen Pfütze zu stehen. So berichtet es uns ein Amerikaner, den wir vor dem Einstieg treffen und der gerade versucht Socken und Schuhe zu trocknen. Erstaunlich daran ist, dass es vor einer Woche das letzte Mal geregnet hat und man in dieser Wüstengegend ja davon ausgehen müsste, dass das Wasser rasch verdunstet. Dem ist aber nicht so. Schade.
 

Statt uns im Peek-A-Boo einzusauen, entscheiden wir uns dafür, mit dem Spooky Gulch den zweiten Slot Canyon in direkter Nachbarschaft anzusteuern. Der Weg dort hin ist leicht zu finden und so stehen wir bald in dieser wahnsinnig engen Felsspalte. Toll!

 Für den Spooky Gulch sollte man unbedingt so wenig Gepäck wie möglich dabei haben. Selbst unseren kleinen Rucksack muss ich beim Durchsteigen des Canyons öfter abnehmen und an Conny durchreichen. Ein all zu dicker Bauch wäre ebenfalls extrem hinderlich und so ist diese Tour nur einigermaßen sportlichen Menschen zu empfehlen. Ein italienisches Pärchen direkt vor uns bekommt es wohl mit der Angst zu tun und macht kehrt. Hinter uns ist aber noch eine kleine Gruppe mit einem Guide, der an auf den ersten Blick schwer zu überwindenden Stellen gute Tipps hat. Wir haben jedenfalls einen Riesenspaß und sind uns jetzt schon einig, dass Spooky Gulch eines der Highlights der Reise ist.


Der Spalte an ihrem Ende entstiegen suchen wir uns den Weg über ein Plateau zum Hintereingang des Peek-A-Boo. Aber auch von der Seite kommen wir nicht all zu weit, wir müssten uns derbe dreckig machen, um den Canyon zu durchlaufen, und darauf haben wir keine Lust. Also wieder raus, am oberen Rand entlang und schließlich wieder die Klippe runter in die Coyote Gulch.


 Der Parkplatz oben heißt ja "Dry Fork Trailhead", also gibt es hier auch eine Dry Fork, nämlich einen weiteren Canyon, in den wir jetzt hineingehen. Auch ganz hübsch, wenn auch natürlich nicht so eng und verwinkelt. Nach gut einem Kilometer steigen wir wieder aus der Dry Fork und gehen querfeldein Richtung Parkplatz. Die Orientierung in der Gegend ist ziemlich einfach, weil man oben am Rand der Höhe die Autos parken sieht.



Zurück am Parkplatz genießen wir noch einmal die herrliche Aussicht und machen uns dann wieder auf Richtung Escalante. Conny hatte in einem Guide was von Dinosaurier-Spuren an irgendeinem Felsen in der Nähe des 20-Mile-Wash gelesen. Einen entsprechend markierten Abzweig von der HRR finden wir auch, aber der Weg wird im weiteren Verlauf dann doch in seinem Zustand ein wenig unabsehbar, so dass ich gegen Connys Protest entscheide umzudrehen. Immerhin gibt es ja mit Devil's Garden noch ein Ziel anzusteuern.



 An einem der schönen Picknickplätze am Devil's Garden rasten wir eine Weile und klettern dann kreuz und quer zwischen den knubbeligen Felsen herum. Auch wieder eine ganz tolle Ecke hier, absolutes Must-See! Das Wetter ist natürlich auch perfekt und so lasse ich die Speicherkarte ordentlich glühen.



Außer Fotografen begegnet man hier auch Malern. Die haben sich mit ihrer Staffelei jeweils ein schattiges Plätzchen gesucht. Was besser auch das italienische Paar von heute Morgen getan hätte, denn die beiden haben mittlerweile die Farbe von gekochtem Hummer angenommen. Tut schon beim Anschauen weh. Ich bin jedenfalls froh, mir noch eine Sonnencreme mit LF 30 gekauft zu haben. Farbe bekommen wir trotzdem - immerhin sind wir in Escalante der Sonne über 1.700 Höhenmeter näher als daheim am Rhein. Nachdem wir uns den Staub vom Körper geduscht haben, geht es zum Abendessen ins Cowboy Blues Café. Wir hätten auch mal das Circle D Restaurant gecheckt, dort hat aber eine Adventure Tour von REI die Terrasse komplett in Beschlag genommen. Da wir uns nicht ganz sicher sind, wie weit die Straße hinauf sich das Cowboy Blues befindet, fahren wir mit dem Auto los. Zwei Häuser weiter parken wir dann auf der anderen Straßenseite. Das ging fix.
 Auf den ersten Blick macht der Laden zwar nicht viel her, die Ausstattung ist einfach und nur mit ein paar Cowboy-Accessoires gepimpt. Burger und Steak sind aber in Ordnung (wenn auch etwas zu durch) und die Getränkekarte lässt keine Wünsche offen. Kann man hingehen.
 Zurück am Circle D warten dann schon Petra vom USA-Stammtisch und Birgit darauf zum Abendessen ins, richtig, Cowboy Blues zu gehen. Da schließen wir uns doch noch mal an. Für ein Bud und einen Daiquiri haben wir allemal Platz gelassen und so plaudern wir sehr nett über allerlei USA-Erlebnisse. Als Vorletzte verlassen wir den Laden - was in Escalante aber noch nicht um die Nachtruhe fürchten lässt: um 21 Uhr werden die Bürgersteige hochgeklappt.
Gefahrene Meilen: 68
Tag 7 24.09. Escalante: Neon Canyon An Zimmer 7 im Circle D ist heute Morgen um 8 Uhr noch kein Lebenszeichen zu vernehmen - Petra und Birgit schlafen also aus. Würde ich auch, wenn ich nach mehreren Nächten bei zwei Grad im Auto mal wieder ein Hotelbett unter dem Hintern hätte. Also machen wir uns zu zweit auf zum Neon Canyon. Die Golden Cathedral ist das Ziel, die längste geplante Wanderung für diesen Urlaub. Wir holen uns ein Frühstück im Outfitters und machen uns wieder ab auf die Hole-in-the-Rock Road. Bis zum Abzweig zum Egypt-Trailhead ist die ja super befahrbar. Die ersten drei, vier Meilen auf der Egypt Road sind dann noch besser. Ich lasse uns schön durch den Sand driften - bis irgendeine Traktions-Kontrolle meckert. Tschuldigung.

Das letzte Stück der Road spottet dann eigentlich jeder Beschreibung, es geht über blanken Fels, durch ein Bachbett und über knietiefe Schlaglöcher. Aber die Straße kann noch so schlecht sein, am Parkplatz steht dann doch irgendein Wahnsinniger mit PKW. Aber dazu später mehr.

Gegen 9:30 Uhr machen wir uns auf die Socken. Pflicht für diese Wanderung: GPS. Was haben wir nicht? GPS. So lassen wir uns von allerlei Steinmännchen schön vom kürzesten Weg abbringen. st aber auch ein bisschen tricky, weil die Wegbeschreibung, die man am Visitor Center bekommt und die daher wohl die meisten Ami-Hiker nehmen, einen anderen Weg beschreibt, als den direkt zur Düne, die zum Escalante River hinunterführt. Ich habe die Beschreibung von Fritz Zehrers Website dabei und die gibt zusammen mit einem Gelände, das nicht viele Wegmarken hat, relativ wenig her - womit ich keinesfalls die hervorragende Arbeit kritisieren will, die sich Fritz mit seiner Seite macht. Speziell hier wäre eben ein GPS-Gerät hilfreich gewesen.
 Schließlich beherzigen wir den Hinweis, man solle sich rechts vom vermeintlich leichter zu gehenden felsigen Gelände halten, und finden den Abstieg zum Fluss. Puh, erstmal Pause machen.


 Unten am Ufer wechseln wir die Schuhe (bzw. Conny, die ihr zweites Paar vergessen hat, stellt auf barfuß um), tapsen durch den Schlamm eines halbtrockenen Seitenarms und steigen schließlich vorsichtig in das erfrischend kalte, aber nur 20 Zentimeter tiefe Wasser des Escalante.
 
Nach der Flussquerung sind wir im Neon Canyon und der Rest des Weges ist ein Kinderspiel. Wir müssen nur dem Verlauf der Schlucht folgen. Die präsentiert sich nicht ganz so idyllisch wie in mancher Beschreibung, sondern eher so als wäre neulich erst eine größerer Flash Food durchgerauscht: überall Felsbrocken, umgeknickte Bäume und sonstiges Treibgut. Beeindruckend sind die roten Felswände des Canyons trotzdem.
  Schließlich stehen wir in der Golden Cathedral, einer riesigen Sandsteinkuppel mit zwei Löchern in der Decke, davor ein brackiger Tümpel. Hmm, irgendwie fehlt uns an dieser Stelle das Wow-Gefühl. So schön wie auf den einschlägigen Fotos ist es hier nicht. Selbst unsere Knipsi-Bilder sehen toller aus als die Realität.

Wenn wir eine Viertelstunde früher hier gewesen wären, hätten wir zwei Canyoneers beim Abseilen durch das Loch in der Decke der Cathedral erleben können. Sehr cool das. Den beiden gehört auch das Honda Coupé auf dem Parkplatz. Ist ihnen selbst ein bisschen peinlich und ich verstehe bis jetzt nicht, wie die das mit der Karre zum Trailhead schaffen konnten.



 Nach einer guten halben Stunde machen wir uns auf den Rückweg. Die letzte Erfrischung ist die Flussquerung,der Rest die Hölle! Beim Weg durch den Sand die Düne rauf wird mir klar, warum die Sahara sich bisher nicht als Top-Hiking-Location hat durchsetzen können.
 Danach geht es zwar durch eine faszinierende Felsenlandschaft, aaaber: die Sonne bratzelt uns genau ins Gesicht, der Weg ist bestenfalls zu erahnen und als Krönung steht der Anstieg eine Felswand hinauf zum Parkplatz an. Vor uns schleppt sich das Paar aus der Golden Cathedral mit dem ganzen Kletter-Equipment auf dem Rücken die Serpentinen hinauf: Respekt!

Nach sieben Stunden sind wir wieder am Auto und freuen uns über eiskalte Getränke aus der Kühlbox. Würde ich diese Wanderung noch einmal unternehmen? Nein. Würde ich sie meinen Freunden empfehlen? Auf keinen Fall. Im Ernst: Bei der Golden Cathedral ist nicht der Weg das Ziel und das Ziel meiner Meinung nach den Weg nicht wert. Aber gut, die Geschmäcker sind verschieden. Einigkeit in Sachen Geschmack herrscht dann abends bei der Pizza im Outfitters. Zusammen mit Volker a.k.a. Lala und Uli leeren wir ein paar Pitcher und hören von zwei Schweizern, dass Petra und Birgit am Volcano aus tiefem Sand gerettet werden mussten. Aber Ende gut, alles gut. Das gilt auch für diesen Tag.
Gefahrene Meilen: 62
Tag 8 25.09. Escalante - Capitol Reef - Moab Heute geht es nach Moab, es heißt also Abschied nehmen von Escalante. Hat uns gut gefallen. Der Durchreisende sieht von dem kleinen Ort ja nur ein paar Motels, Tankstellen, Restaurants und Läden, zur Erkundung des Grand Staircase eignet sich Escalante aber hervorragend. Da wir auf unserer Liste für diese abgelegene Ecke der USA in den letzten Tagen nur die wichtigsten Ziele abhaken konnten, werden wir ganz sicher in nicht all zu ferner Zukunft hier mal wieder Station machen. Falls das Grand Staircase Escalante National Monument irgendwann mal zum Nationalpark erklärt werden sollte, ist meine Prognose eh, dass Escalante das zweite Moab wird. Wenn sie genug Wasser haben.




Der Abschied von Escalante fällt etwas leichter, wenn man weiß, dass die Fahrt heute Morgen über den Highway 12 geht. Der hat als "Scenic Byway" sozusagen nationale Relevanz und wird mittlerweile sogar als "All American Road" vermarktet. Schöner geht's also gar nicht. Wenn man jemanden so richtig mit dem USA-Virus anfixen will, muss man ihn nur über diese Traumstraße schicken. Und Bonus zu dieser Jahreszeit: die Herbstfarben in den höheren Lagen. Einfach nur wunderschön!





Nach 100 Kilometern erreichen wir Torrey und hier wird es höchste Zeit fürs Frühstück. Das haben wir in Escalante ausfallen lassen, als ich mich erinnerte, dass man ja im Capitol Reef Inn superlecker frühstücken kann. Wir werden denn auch nicht enttäuscht, es hat sich gelohnt mit leerem Magen bis Torrey zu fahren.




Derart gestärkt machen wir uns auf in den Capitol Reef National Park. Wanderprogramm haben wir heute keins nach dem anstrengenden Tag gestern. Also besuchen wir einfach nur das Besucherzentrum und fahren den 10 Meilen langen Scenic Drive. An dessen Ende führt eine Dirt Road in die Capitol Gorge.



Vom Picknickplatz aus laufen wir ein bisschen in die tiefe Schlucht hinein. Seit der vorletzten Jahrhundertwende und bis zur Fertigstellung des Highway 24 entlang des Fremont Rivers weiter nördlich im Jahr 1964 war die Gorge die wichtigste Passage durch das gigantische Capitol Reef. Allerlei Reisende haben sich in den Wänden verewigt - und damit einige Petroglyphen der Fremont Indianer ruiniert. Neue Graffiti in den Stein zu ritzen ist denn auch mittlerweile verboten.





Auf dem Trail ist ziemlich viel los und da wir heute keine Lust zu laufen haben, drehen wir bald um und machen uns an die Rückfahrt über den Scenic Drive.

Wieder auf dem Highway 24 halten wir noch am alten Schulhaus der Siedlung Fruita und den bekannten Petroglyphen in direkter Nachbarschaft.


Wurden die wirklich als Zielscheiben benutzt? Sieht so aus. Idiotisch.

Von der weiteren Fahrt Richtung Moab gibt es nichts zu berichten. Geht halt lange gerade aus durch mal mehr, mal weniger pittoreske Wüste.

Das von uns gebuchte Holiday Inn Express in Moab liegt gleich rechts, nachdem man den Colorado überfahren hat.
Damit übernachten wir nur ein paar hundert Meter neben der riesigen ehemaligen Müllhalde für radioaktiven Abfall aus dem Uran-Bergbau, dessen Welthauptstadt Moab vor 50 Jahren war Jetzt wird das Ganze mit Milliarden-Aufwand saniert. Nicht umsonst versprach man sich von der Atomindustrie eine strahlende Zukunft. Bitte schön. In Moab wird die gerade abtransportiert. Das Hotel macht einen prima Eindruck, ist allerdings auch nicht ganz billig. Da wir ja aber übers Wochenende in Moab bleiben und früh absehbar war, dass die Stadt ausgebucht sein würde, haben wir das HIE schon vor Monaten reserviert und nicht auf irgendwelche Last-Minute-Schnäppchen spekuliert. Das einzige, was mir an unserem Zimmer auf Anhieb nicht gefällt, ist der geringe Stauraum. In den beiden Queen Size Betten könnten ja bis zu vier Personen übernachten, da würde man etwas mehr als eine Kommode mit drei Schubladen und eine Hutablage erwarten. Kühlschrank wäre auch super, aber so lange es eine Eismaschine zum Auffüllen der Kühlbox gibt... Jetzt stecken wir erstmal einen Riesenberg Wäsche in gleich zwei Maschinen und gehen anschließend zu Pasta Jay's. So einen guten Italiener findet man selbst daheim nicht überall. Großartig und unbedingt zu empfehlen.
Gefahrene Meilen: 240 Unterkunft: Holiday Inn Express, 133$ + Tax
Tag 9 26.09. Moab: Negro Bill Canyon - Manti La Sal Mountains Die Nacht im Holiday Inn Express ist erstaunlich ruhig. Bei so ausgebuchten Hotels, wo auch der eine oder andere Reisebus abgefertigt wird,ist ja gerne mal Action auf den Fluren aber nicht hier. Die Betten sind auch äußerst bequem - fällt uns schon die ganze Reise auf, dass Hotel-Amerika anscheinend komplett mit neuen Matratzen ausgestattet wurde...
Die Ruhe endet mit dem Frühstück. Das ist beim HIE included und es gibt sogar Cheese-Omelette mit Zubehör. Wobei wir uns fragen, ob es Analog-Eier gibt. Jedenfalls ist dieses ganze Junkfood Plunder und Frühstücksräume in amerikanischen Hotels grundsätzlich zu klein. Wollen wir uns nicht unbedingt jeden Morgen antun.

Wir tanken unseren Rav4 mal wieder voll und biegen nördlich von Moab auf die 128 ein, die immer schön am Colorado River entlangführt. Ziel ist der Trailhead zum Negro Bill Canyon. In dem hat einst ein früher Pionier seine Rinder gehalten und da er der einzige Schwarze weit und breit war, ging dieser Pionier unter dem Namen "Negro Bill" in die Geschichte Moabs ein. Na ja, nicht ganz: bis in die Zeit der Bürgerrechtsbewegung erinnerte man sich an Bill unter einem politisch noch unkorrekteren Namen... Jedenfalls wartet am Ende des Trails die Morning Glory Bridge, eine Felsbrücke von gewaltigen Ausmaßen.


Die Wanderung ist so recht nach unserem Geschmack: teils im Schatten, teils in der Sonne durch einen schönen Canyon, es geht immer mal über einen Bach und der Weg ist leicht zu finden. Die Idylle wird nur durch die Arbeiter des Bureau of Land Management (BLM) gestört, die mit Motorsägen das Ufer von Tamarisken befreien. Das tun sie praktisch den gesamten Lauf des Colorado und seiner Zuflüsse in Südutah entlang - eine Sisyphos-Arbeit, denn die einst zum Schutz der Uferböschungen ausgesetzten Pflanzen haben einfach alles zugewuchert. Immer wieder die gleiche Geschichte: kleiner Eingriff ins Ökosystem, große Wirkung...

Nach etwa drei Meilen sieht man die Bridge am Ende des Canyons - noch beeindruckender ist sie, wenn man drunter steht. Und gar nicht so leicht aufs Foto zu bekommen. Toll!

Plötzlich kommt neben uns ein Seil runter und kurz darauf krabbelt tatsächlich jemand über die Kante der Bridge und seilt sich ab. Wahnsinn! Mich würden da keine zehn Pferde zu bringen.


Weil eine Person am Seil noch nicht spektakulär genug ist, gibt es das Ganze auch noch im Parallelflug. Als die kleine Gruppe dann unten angekommen ist, machen sich oben schon wieder die nächsten Mutigen bereit. Scheint eine sehr populäre Tour zu sein.

Der Rückweg durch den Negro Bill Canyon läuft sich dann genauso angenehm wie der Hinweg, auch wenn es langsam richtig warm wird. Die Temperaturen sollten heute über die 90-Grad-Marke klettern. Jede Menge Leute kommen uns jetzt entgegen. Ist ja immer lustig, die Wanderer zu vergleichen: die einen sehen ganz standesgemäß aus in ihren Columbia- und North Face-Klamotten, bei anderen denkt man, sie wollten eigentlich ihr Glitzertop in die Mall ausführen. Den Vogel schießt aber ein Trio von Joggern ab, das uns auf dem Weg entgegenkommt. Geht's noch? Man muss doch nicht auf einem 30 Zentimeter breiten Trail, der durch einen Canyon führt, joggen. Immer wenn man denkt, man hätte schon alles gesehen...

Weiter geht es die 128 am Colorado entlang, an den Weinbergen der Castle Creek Winery vorbei bis zum Abzweig ins Castle Valley. Hier beginnt die Loop Road durch die Manti La Sal Mountains und die nehmen wir uns jetzt vor.




Was sich von unten schon andeutet: der Indian Summer ist in den Bergen angekommen. Die Espen mit den strahlend weißen Stämmen haben herrlich gelbe Blätter, die Eichen gibt es in den Ausgaben orange, rot und braun. Traumhaft.
 So cruisen wir ein paar Stunden durch diese Berge und nehmen auch die eine oder andere Gravel Road unter die Reifen, z.B. die zum sehr idyllischen Oowah Lake.


 Die höchsten Gipfel sind über 3.800 Meter hoch, mit dem Auto kommt man auf knapp 3.000. Das erstaunlichste ist, wenn sich der Blick Richtung Canyonlands öffnet und man sich wieder bewusst wird, dass da unten ja Wüste ist, während man gerade an einer lauschigen Waldlichtung vorbeikommt. Die La Sal Mountains sehe ich ab sofort als Moab-Pflichtprogramm, vor allem im Herbst.


Zum Abendessen geht es in die allseits gelobte Moab Brewery. Erstaunlicherweise haben wir schon nach fünf Minuten einen Tisch und nach einem Ale zum Warm-Up lasse ich mir den Sampler mit zehn verschiedenen Biersorten bringen, die hier gebraut werden. Neun Sorten gibt es immer in der Brewery, dazu kommt das aktuelle Special: Kölsch. Schmeckt wie aufgelöster Honig. Wie die Biere überhaupt sehr eigenwillige Geschmäcker haben. Aber interessant. Lustig auch, dass Pilsener hier ein "German-style Lager" ist. Aha. Ich bleibe in Moab beim Ale. Das Lizard, das Dead Horse und das Derailleur Ale sind alle gut trinkbar.
 Nach den 10 Bier ist man gut voll, das finale Stout bekomme ich einfach nicht mehr runter. Nebenbei habe ich ja auch schon ein Full Rack Ribs im Magen verstaut. Uff! Als Verdauungsspaziergang drehen wir eine Runde durch die Souvenir-Läden und hüpfen zurück im Hotel noch in den Pool. Wo wir den um die Uhrzeit schon mal für uns allein haben... Der Hot Tub hier ist übrigens so was von hot - hat bestimmt 40 Grad. Aber entspannt ungemein.
Gefahrene Meilen: 90
Tag 10 27.09. Moab: Potash Road - Island in the Sky Die Biere von gestern Abend haben keine Spätfolgen, bin um halb acht fit wie ein Turnschuh. Nach dem Frühstück (statt Cheese Omelette gibt es heute Rührei und Bacon, gar nicht schlecht) folgen wir dem Colorado flussabwärts Richtung Potash-Factory.




Am Straßenrand gibt es mal wieder Petroglyphen und Dinospuren zu entdecken. Ich frage mich an dieser Stelle, was die Indianer dachten, wenn sie solche Monsterspuren im Stein fanden. Fanden sie die überhaupt oder sind die eine Entdeckung der Neuzeit?

 Den ersten längeren Stopp legen wir ein für die Wanderung zum Corona und zum Bowtie Arch. Angenehm kurz (ca. 40 Min. one-way), wunderschön und mit einem grandiosen Ziel. Gefällt uns sehr gut.

 Lustig das Gesicht, das hinter dem Arch im Fels wacht. Das kann aber auch nicht das Erscheinen einer unheimlich lärmenden Familie verhindern. Wir könnten noch den Pinto Arch erklettern, begnügen uns aber damit, den auf dem Rückweg nur von Ferne anzuschauen. Auch ganz schön.



Weiter den Colorado runter. Am Ende der Asphaltstraße geht es auf die Potash Road. Ich hatte ja die naive Vorstellung, dass die in etwa mit der Hole-in-the-Rock vergleichbar sein könnte, was Beschaffenheit und Zustand angeht. Aber weit gefehlt! Ist teilweise echt grenzwertig. Mit PKW definitiv nicht machbar - auch wenn es sicher Verrückte gibt, die das probieren. Wir sehen heute aber keine.

Immerhin werden wir mit herrlichen Aussichten auf den Colorado tief unter uns belohnt.


Irgendwann führt die Potash Road dann in den Canyonlands National Park. Am katastrophalen Zustand der "Straße" ändert das nichts. Der Witz des Tages ist für mich dieses Schild:

Schließlich kraxeln wir mit unserem Auto den steilen Shafer Trail hinauf. Kaum zu glauben,dass diese Road mal für Lastwagen angelegt wurde. Wenn man sie wie wir von unten fährt, hat man es danach immerhin geschafft. Von oben kommend wird es auf der weiteren Fahrt Richtung Moab ja nicht besser. Muss ich nicht noch mal haben.


Wir statten wie üblich dem Visitor Center des Nationalparks einen Besuch ab und klappern danach die diversen View Points im Island in the Sky Disctrict des Parks ab. Leider ist die Sicht nach Südwesten sehr diesig, beeindruckend ist der Blick in diese Canyon-Landschaft trotzdem.
 Super gefällt uns der Mesa Arch - nicht umsonst ein unglaublich beliebtes Fotomotiv. Aber eben auch sehr weit draußen von Moab. Um das perfekte Foto zum Sonnenaufgang zu machen, muss man schon verdammt früh aufstehen. Haben wir nicht vor, schließlich sind wir im Urlaub.

An einem Aussichtspunkt höre ich, wie eine ältere Amerikanerin zu ihrem Mann sagt: "Oh look, see that lake? I wonder if you could go swimming in there?" Yeah, right... Das weckt den Klugscheißer in mir und ich erkläre ihnen, dass die blau schimmernden Becken da unten der Pottasche-Gewinnung dienen. Nix swimming!
 Vom Grand View Point aus fahren wir schließlich zurück nach Moab. Wir sind ziemlich geschlaucht von dem Ritt über die Buckelpiste und der schwülen Hitze.Zum Dinner wollen wir dann nicht schon wieder nach "Downtown" fahren und checken Buck's Grill House gleich neben unserem Hotel - das sich als tolles Restaurant herausstellt!
 Was auf dem Foto zu sehen ist, summiert sich auf die stolze Rechnung von 89$ (inkl. Service), aber die Steaks sind es absolut wert.
Dazu ein sehr guter Service, schöner Garten - nice one! Gefahrene Meilen: 86
Tag 11 28.09. Moab: Arches
Wir haben entschieden, ein paar Tage länger als ursprünglich geplant in Moab zu bleiben. Eigentlich wollten wir nach vier Nächten nach Cortez fahren und dann über Durango und Silverton die Rocky Mountains erobern. Da aber eine Kaltfront angekündigt ist, die in Moab vielleicht Regen, in den Bergen aber einen heftigen Temperatursturz mit Schnee und Eis bringen soll, dürfte es nicht die schlechteste Idee sein, diesen Wetterwechsel in Moab abzuwarten. Genug auf dem Zettel haben wir hier allemal und so auch Zeit, die nächsten Tage ganz entspannt anzugehen.

Das Wochenende ist vorbei. Damit leert sich Moab etwas und wir können es wagen, den Arches National Park zu besuchen. Da waren wir natürlich schon mal, aber da war das Wetter nicht so dolle. Heute mit sieben Sonnen am Himmel ist es perfekt.



Auch beim wiederholten Besuch sind die Formationen im Nationalpark toll anzuschauen. Rote Felsen in allen Variationen.




In die Windows Section haben wir es beim letzten Besuch nicht geschafft. Ein kurzer Spazierweg führt zum Turret Arch, zum North und zum South Window. Und weil hier doch einiges an Volk unterwegs ist, kriegt man die Windows gar nicht so leicht ohne Menschen vor die Linse...


Der größte Trubel herrscht am Double Arch. Und: man spricht deutsch...



Ich muss beim Double Arch immer an den jungen Indiana Jones denken, der hier auf der Flucht vor Schatzräubern auf ein Pferd springt, durch die Prärie reitet und dann auf einen Zug springt. Hollywood...

Mein Lieblings-Rat des Tages: Fight back. Was sonst?

Delicate Arch vom gleichnamigen View Point aus gesehen. Den wollen wir uns zum Sonnenuntergang noch mal von der anderen Seite anschauen. Und weil es langsam echt heiß wird, machen wir erstmal Pause mit Arches. Im bestens sortierten City Market in Moab – hier könnte ich ja Stunden verbringen - decken wir uns mit Picknick-Fressalien fürs Abendessen ein und chillen dann erstmal ein bisschen im Hotel. Am späten Nachmittag geht es zurück in den Park zu besagtem Delicate Arch.

Das Panorama da oben ist großartig.

Natürlich hat sich schon jede Menge Volk zum anstehenden Schauspiel versammelt. Womit man sich ja auf jeden Fall unbeliebt machen kann: zum besten Licht in den Arch latschen, sich da vom Freund fotografieren lassen, noch ein bisschen rumhocken... Das Murren in der Herde wird lauter bis sich irgendwann jemand traut "Move" zu rufen. Dann stimmen alle ein. Lustig.



Leider haben sich am westlichen Horizont ein paar Wolken an den Himmel geschoben. Hinter denen geht die Sonne einen Tick zu früh unter. Ist aber trotzdem ein wunderschönes Erlebnis und wir bleiben noch eine ganze Weile sitzen.

Auch nach Sonnenuntergang kann man den Arch im nachglühenden Abendlicht fotografieren.

Den Weg zurück leuchtet uns dann der Mond und meine kleine Taschenlampe, während die Wüste ringsum zum Leben erwacht. Unzählige Grillen zirpen, die Sterne funkeln - sehr schön. Der Balanced Rock schläft aber schon...
Gefahrene Meilen: 76
Tag 12 29.09. Moab: Little Wild Horse Canyon
Heute fahren wir zum Little Wild Horse Canyon. LWHC? Der liegt doch 100 Meilen zurück Richtung Hanksville! Stimmt. Aber obwohl wir schon mal dort gewesen sind, steht der Canyon immernoch ganz oben auf Connys Wunschliste und wo es um Moab ja keine Slot Canyons gibt, fahren wir eben noch mal da raus. Zieht sich ja auch so gar nicht die Fahrt...

Kurios: an der Zufahrt vom Highway 24 Richtung Goblin Valley State Park ist eine Baustelle. Eigentlich einfach nur ein Stück Gravel Road, aber vorne und hinten steht jeweils ein Flagman. Der hält ab und zu den Verkehr an, wenn von der Gegenseite ein schwerer Truck kommt und klärt darüber auf, dass man auf die Baufahrzeuge achten soll (es gibt hier genau drei davon!), auf den Gegenverkehr aufpassen muss (den er ja eh meist aufhält) und unbedingt rechts fahren soll (hmm, klar...). Wir fühlen uns gleich viel sicherer. Das letzte Stück zum Goblin Valley ist frisch asphaltiert, zum LWHC raus ganz gute Dirt Road.




Eigentlich wollen wir den Rundweg laufen über den Bell Canyon zurück. Daraus wird aber nichts, weil wir den Abzweig nicht finden. Bzw. wahrscheinlich laufen wir schon richtig, ist uns dann aber zu unwegsam. Der Canyon sieht da hinten aus, als wären mehrere Felsstürze runtergekommen. Also gehen wir einfach nur in den LWHC rein und auf gleichem Weg wieder raus. Gefällt uns aber trotzdem wieder super, dieser Canyon ist einfach so abwechslungsreich - toll!

 
 
Nicht so toll ist der immer stärker aufkommende Wind. Ist teilweise wie Duschen mit dem Sandstrahler. Deshalb lassen wir dann auch das Goblin Valley liegen. Würde einen glatt von der Prärie fegen.


Nach 3 Stunden im LWHC fahren wir die 100 Meilen zurück nach Moab. Hier checken wir im Ramada ein, das für die nächsten drei Nächte gebucht ist. Die Vorteile gegenüber dem Holiday Inn Express: nagelneue Zimmer, mitten in der Stadt, State Liquor Store gegenüber, Kühlschrank auf dem Room und ein Outdoor-Pool. In den springe ich denn auch gleich mal rein.

Zum Abendessen kehren wir wieder bei Pasta Jay's ein und sitzen am gleichen Tisch auf der Terrasse wie die Tage schon. Essen und Wein sind wieder super und zum Hotel sind es nur zwei Blocks zu Fuß.
Gefahrene Meilen: 201
Tag 13 30.09. Moab
Für heute ist der große Wetterumschwung angesagt - so liest sich die offizielle Vorhersage:
... WINDY TODAY AND MUCH COLDER TONIGHT... .A STRONG COLD FRONT PUSHES ACROSS THE REGION THIS AFTERNOON AND TONIGHT... PRODUCING STRONG AND GUSTY SOUTHWEST WINDS. ONCE THE FRONT DOES MOVE THROUGH... MUCH COLDER AIR WILL FILTER THROUGH THE REGION... BRINGING A SEASON ENDING KILLING FROST TO MANY LOW LYING SHELTERED AREAS ACROSS THE LOWER VALLEYS OF WESTERN COLORADO AND EASTERN UTAH.
Schon in der Nacht bläst ein heftiger Wind ums Hotel. Auch ein paar Regentropfen sind dabei. Unser Auto ist heute Morgen so sauber wie seit zwei Wochen nicht mehr. Von einer größeren Regenfront, wie noch vor ein paar Tagen angekündigt, sollten wir aber verschont bleiben.

Wegen des potentiell unbeständigen Wetters nehmen wir uns nichts Großes vor und gehen den Tag ganz entspannt an. Frühstück gibt es im benachbarten "Pancake Haus". Ganz okay, aber nichts Besonderes und noch dazu ziemlich teuer. Dann geht es ins Arches Visitor Center, um noch ein paar Bücher und Souvenirs zu erstehen. Dort erinnert mich ein Bild daran, dass man den Turret Arch durch das North Window fotografieren kann. Habe ich nicht dran gedacht, als wir vor zwei Tagen dort waren. Und weil wir nichts Besseres zu tun haben und die Sonne gerade so schön scheint, fahren wir noch einmal in die Windows Section.


Der Wind hat sich mittlerweile zum Sandsturm ausgewachsen. Wir hatten erst überlegt, nördlich von Moab auf Suche nach Dinosaurier-Knochen zu gehen, aber bei dem Sturm kann man das vergessen. Also zurück in die Stadt und ein bisschen bummeln und shoppen. Den Rest des Mittags verbringen wir relaxt im Hotel: ein kurzer Sprung in den Pool, lesen, dösen, fernsehen. Seit Tagen unser Lieblings-TV-Sender: Home & Garden Television. Den ganzen Tag geht es dort um Hauskäufer, Makler, Mieter und Renovierer. Das Strickmuster der verschiedenen Formate ist natürlich immer das gleiche, aber wie erfährt man mehr über ein Land als über die Menschen in ihren vier Wänden? Super. Und wir kennen jetzt alle Arten von „granite countertops“ und „hardwood flooring“.


Nachmittags unternehmen wir dann immerhin noch einen kleinen Ausflug, nämlich den Colorado entlang Richtung Fisher Towers. Richtig tolle Location zum Sonnenuntergang.


Praktisch mit dem letzten Tropfen Benzin rollen wir dann zurück nach Moab, stopfen uns in der Brewery voll und besuchen noch den Supermarkt. Morgen geht es in die Needles. Zum Wandern dürfte es großartig werden - endlich keine Hitze mehr und der Wind soll sich dann auch gelegt haben.
Gefahrene Meilen: 90
Tag 14 01.10. Moab: Needles
Schon den zweiten Morgen hintereinander weckt mich der Lärm draußen auf dem Parkplatz. Der Motel-Stil des Ramada bedingt, dass man jeden Reisebus-Check-Out direkt vor der Tür hat - und die schleusen hier jede Nacht einen anderen Bus durch. Der schmeißt morgens um 7 Uhr den Diesel an, damit die Klimaanlage auch schön warmlaufen kann. Dann werden die Koffer in den Laderaum geknallt. Nach einer Stunde kehrt wieder Ruhe ein, denn dann ist das Ding vom Hof. Normalerweise hätte ich mir da die Oropax in den Gehörgang geschoben und nochmal an der Matratze gelauscht. Heute Morgen wollen wir aber eh früh los, denn es geht in die Needles und dahin ist es eine längere Fahrt.


Allein die Fahrt aber ist den Besuch dieses Teils der Canyonlands schon wert: die 211 entlang des Indian Creek ist eine der schönsten Scenic Routes im Südwesten.

Dabei kommen wir auch am Newspaper Rock vorbei - gibt aber nix neues.


Unser Ziel ist der Elephant Hill, Ausgangspunkt für den Chesler Park Trail. Moab verlassen, ohne eine unserer absoluten Lieblingswanderungen zu absolvieren, ginge so gar nicht. Die Wanderung haben wir vor drei Jahren schon einmal unternommen. Damals war es erheblich wärmer als heute. 15°C, eine herrliche klare Luft und strahlender Sonnenschein. Besser geht’s nicht.






Die Gegend mit den rot und weiß gestreiften Felstürmen gefällt uns genauso gut wie beim letzten Besuch. Nur zwei französische Frauen nerven: erst holen sie uns in irrem Lauftempo ein, um dann genau dort anzuhalten, wo wir gerade eine Pause einlegen, und anschließend in unserem Tempo weiter zu gehen. Da wir keine Lust auf Gesellschaft haben, lassen wir sie am Beginn des Rundwegs auf dem Hochplateau vorlaufen und biegen dann in die andere Richtung ab. Schon können wir die traumhafte Landschaft wieder alleine genießen.



Plötzlich ein Aufschrei hinter mir Conny ist einer Klapperschlange begegnet und die hat direkt ihre Rassel angeworfen. Hat funktioniert, Conny hat sich fast zu Tode erschreckt. Komisch: mich hat die Schlange einfach vorbeilaufen lassen...
 
Aufregend ist wieder die Passage durch die enge Felsspalte des Joint Trails.



Nachmittags auf dem Rückweg kommen uns irre viele Leute entgegen. Die wenigsten sehen so aus, als wollten sie hier draußen übernachten. Oder als würden sie eine Nacht in der Wildnis auch nur überleben. Na ja, nicht unser Problem. Wir sind nach 5,5 Stunden wieder am Auto. War wirklich klasse. Zurück in Moab gönnen wir unserem Rav4 eine Wäsche. Sollten jetzt eigentlich keine Dirt Roads mehr kommen. Schon vor ein paar Tagen haben wir einen kleinen Besen gekauft, um wenigstens ab und zu mal den Sand von der Ladekante zu fegen, damit wir uns nicht jedes Mal einsauen, wenn wir den Kofferraum be- und entladen. Jetzt rücken wir dem roten Sand mit dem Hochdruckreiniger zu Leibe.

Nach dem Auto ist es auch für uns Zeit für eine Dusche. Im Ramada gibt es doppelte Duschköpfe. Damit kann man sich also beide Schultern gleichzeitig massieren lassen. Kommt nach so einer Wanderung sehr gelegen.

Das Abendessen gestaltet sich dann kompliziert. Wir wollen auf eine Pizza zu Zax, aber da ist wohl Family Night. Geht zu wie im Ikea-Kinderparadies,nur die Bälle fehlen. Und für draußen auf der Terrasse, wo es etwas ruhiger ist, ist es uns definitiv zu kalt. Also landen wir wieder bei unserem Lieblings-Italiener und ergattern zwei Plätze vor der Bar. Großes Kino! Für die Tische sollten sie Eintritt nehmen. Die ganze Küchen-Action in Fullscreen und dazu noch freier Blick auf die 25köpfige Reisegruppe, die gerade verköstigt wird. Auch furchtbar: da hockt man den ganzen Tag in so einem Bus aufeinander und wenn man dann abends eigentlich Freigang hat, futtert man doch wieder mit allen Mitreisenden das vorbestellte Standard-Menü. Diese Art des Reisens ist für uns einfach unvorstellbar. Amüsant auch die beiden Japaner am Nebentisch: die versuchen der Bedienung klar zu machen, dass sie mit dem üblichen Eiswasser so gar nichts anfangen können und lieber heißes Wasser hätten um noch mehr Tee aufzugießen. Bekommen sie aber nicht. Schade eigentlich. Zurück im Hotel gibt es noch Grey's Anatomy und eine Flasche Chardonnay aus Moab, danach wird gepackt. Morgen verlassen wir Utah endgültig Richtung Colorado...
Gefahrene Meilen: 161
Tag 15 02.10. Moab - Sego Canyon - Colorado NM - Glenwood Springs
Zum Abschluss unseres Moab-Aufenthalts steht noch ein Pflichtbesuch auf dem Programm - der am Dead Horse Point


Das ist wirklich mal ein grandioser Aussichtspunkt! Interessant auch, dass man praktisch die komplette Potash Road von oben einsehen kann. So können wir nochmal verfolgen, wo wir vor ein paar Tagen drübergehoppelt sind. Um 10 Uhr früh ist es noch ziemlich ruhig am Dead Horse Point. Weit und breit keine Reisebusse. So genießen wir in der Sonne und in aller Ruhe unser mitgebrachtes Frühstück.



 Dieses Foto muss sein, wiederholt Conny doch Mantra-artig jeden Tag die Frage "Where is the wildlife?" Dabei haben wir schon allerlei Viehzeug gesehen - vom Dickhorn-Schaf bis zum Kojoten. Und die Rattlesnake gestern war Conny eigentlich schon fast ein bisschen viel Wildlife...

Weiter geht es dann nach Thompson Springs. Thompson Springs? Nie gehört? Macht nichts. Der Ort ist auf dem besten Wege eine Ghost Town zu werden. Liegt nur eine Abfahrt von der Junction der 191 mit der I-70 entfernt - und die Interstate ist denn auch genau der Grund, warum der Ort tot ist. Na gut, vor ein paar Jahrzehnten hat schon die Kohlemine zugemacht, später Amtrak den Bahnhof geschlossen. Die Autobahn führt nun ein paar hundert Meter an der Stadt vorbei - und deshalb verirrt sich hier niemand mehr hin. Nur eine Tankstelle gibt es noch - sonst nichts.

Besonders faszinierend an diesen Ghost Towns ist, dass die Gebäude oft wirken, als hätten die Bewohner fluchtartig alles stehen und liegen lassen. Das ehemalige Café an der Main Street von Thompson Springs sieht aus, als wären die Gäste gerade erst von der Bar aufgestanden und im Thompson Motel stehen teilweise noch die Möbel in den Zimmern.



Fährt man von Thompson Springs nach Norden, erreicht man den Sego Canyon - und eine der besten Stellen, um Petroglyphen und Piktogramme verschiedener Epochen zu studieren. Sehr faszinierend.



Die ältesten Felszeichnungen stammen von einem Nomadenvolk, das vor ca. 8.000 bis 2.000 vor Christus in der Gegend lebte. Deren Figuren sehen ein bisschen aus wie Aliens. Vielleicht sind ja damals welche hier gelandet. Mehr davon findet man im Horseshoe Canyon zwischen Green River und Hanksville und weil der früher Barrier Canyon hieß, werden diese uralten Malereien als "Barrier Style" bezeichnet.

Spätere Indianervölker übermalten dann schonmal die Galerien der Ur-Ur-Urahnen - eine Tradition, die leider bis in die Neuzeit anhält. Insgesamt sind die Petroglyphen aber erstaunlich gut erhalten und neben dem Barrier Style findet man auch Zeichnungen der Fremont und der Ute Indianer.



Ein Stück weiter den Canyon hinauf erreichen wir die Ghost Town Sego. Auch hier wurde früher Kohle abgebaut, allerdings nie besonders profitabel. Mit dem Ende der Dampfloks in den 50er Jahren kam auch für Sego das endgültige Aus, der Ort wurde aufgegeben. Wasser gab es hier eh nie genug. Leider wurde die Geisterstadt in den 70ern geplündert und in Brand gesteckt, so dass heute nur noch zwei Gebäude und ein paar Grundmauern stehen. Ein ebenso trauriger wie interessanter Ort.




Erstaunlich viele Vögel leben im Sego Canyon - auch eine Spechtfamilie, die sich über unseren Besuch nicht besonders freut.

"Nach diesem lohnenswerten Abstecher geht es für uns weiter auf die I-70.



Die verlassen wir kurz nach der Staatsgrenze in Fruita für einen Besuch des Colorado National Monument. Mit dem Nationalpark-Ausweis kommt man für lau rein und es gibt allerlei View Points anzusteuern. Nach zwei Wochen in den Red Rocks haut uns das Monument jetzt nicht gerade aus den Schuhen, ganz nett zum Durchfahren ist es allemal.

Im überraschend großen Grand Junction am Zusammenfluss von Colorado und Gunnison River geht es dann wieder auf die Interstate, die dem Colorado flussaufwärts folgend eine tolle Canyon- und Gebirgslandschaft durchzieht. Unser Ziel heute ist Glenwood Springs,ein ganz hübsches Städtchen, das als Tor zu den Skigebieten um Aspen dient und außerdem das größte Freiluft-Thermalbecken der Welt beheimatet. Sagen sie hier jedenfalls. Ein bisschen kurios ist die Mischung aus Westernstädtchen und Alpenromantik ja schon, aber durchaus einen Besuch wert.

Kurz im Motel eingecheckt und dann der Empfehlung des Chefs ins Restaurant Riviera gefolgt. Ganz stylisher Laden. Der Wein schmeckt, das frische Brot ebenfalls. Dass Prime Rib aber nichts mit einem gegrillten Steak zu tun hat, geht uns erst wieder auf, als wir zwei riesige Lappen Braten vor uns liegen haben. Nicht unsere Lieblingszubereitung von Rindfleisch, aber der Hunger...
Unterkunft: America's Best Value Inn, Glenwood Springs, 93$ via Expedia
Gefahrene Meilen: 276
Tag 16 03.10. Glenwood Springs – Loveland
Den Thermal-Pool in Glenwood Springs besuchen wir nicht. Scheint aber very beliebt zu sein. Heute Morgen sind da schon wieder jede Menge Leute drin. Um die 32°C Wassertemperatur kommen halt auch gut, wenn die Luft nur 7°C hat. Ja, es ist kalt in den Bergen, aber dazu später mehr.

Wir checken recht zeitig aus unserem Motel mit den "squeaky clean rooms" aus - war wirklich alles tiptop, wenn auch etwas old-school. Bei den gesalzenen Hotelpreisen in Glenwood Springs zum Wochenende war das Best Value Inn noch recht preiswert. Mit Priceline war da jedenfalls kein Schnäppchen zu ergattern.

In einem sehr netten, szenigen Café im Ort genehmigen wir uns ein kleines Frühstück, statten dem örtlichen Target Supermarkt einen Besuch ab und fahren dann auf der I-70 ein paar Meilen bis zum Exit "Hanging Lake".

Die Autobahn geht hier entlang des Colorado durch eine tolle Schlucht, dazu leuchten die Bäume in den schönsten Herbstfarben.

Der Hanging Lake ist eines der beliebtesten Ausflugsziele in der Gegend – mir war er unbekannt bis ihn Aljogi vom USA-Stammtisch vor ein paar Wochen in seinem Reisebericht erwähnte. Wir sind früh genug dran, um ohne Probleme einen Parkplatz am Trailhead zu ergattern.



Eine knappe Stunde klettern wir den steilen und felsigen Wanderweg an einem klaren Gebirgsbach entlang hinauf - dann stehen wir an einem kleinen See, in den sich zwei Wasserfälle ergießen - ein Traum!

Conny findet sogar, das sei der schönste Ort, den sie je gesehen hätte. Ich will da anderen tollen Zielen kein Unrecht tun, aber Top 5-verdächtig ist der Hanging Lake auf jeden Fall. Gut dass wir ihn auf dem Zettel hatten.


Über einen kurzen steilen Pfad gehen wir noch zum Spouting Rock. Hier kommt das Wasser aus dem Felsen, das ein Stück weiter unten die Fälle in den Hanging Lake speist, und man kann sogar dahinter in eine kleine Höhle steigen.
 
Der Weg bergab ist recht angenehm. Allerdings kommen uns ohne Übertreibung hunderte von Menschen entgegen. Und je später der Tag, desto absurder das Schuhwerk. Ohne Worte.Gucci-Stiefel sind nicht das Unpassendste...

Vom nun völlig überfüllten Parkplatz wollen wir wieder auf die I-70 Richtung Osten. Das kann man hier aber nicht so einfach, denn wegen der Enge des Tals, gibt es nur eine Auffahrt und die geht zurück Richtung Westen. Zwei Exits weiter kann man dann wenden. Ist aber alles eindeutig beschildert.


Aus den Bergbau-Städtchen entlang der sehr schönen Strecke werden zunehmend Skiorte, darunter Vail mit seinen riesigen Hotels. Der Vail Pass schickt unsdann auf über 3.200 Meter - und damit sehen wir erstmals Schnee nicht nur auf fernen Berggipfeln,sondern direkt am Straßenrand.

Noch mehr von der weißen Pracht gibt es dann auf dem Highway 40 Richtung Granby. An zwei großen, vom hier gerade erst entsprungenen Colorado gespeisten Seen vorbei erreichen wir den westlichen Eingang des Rocky Mountain National Park - und jetzt ist es endgültig vorbei mit Sonnenschein. Genau über dem Park hängen diese grauen Dinger, aus denen es daheim immer regnet...ach ja, Wolken. Kennen wir gar nicht mehr. Seit zwei Wochen nicht gesehen.

Auf über 3.700 Meter schraubt sich die Trail Ridge Road durch den Nationalpark - und hier oben ist es denn auch richtig, richtig kalt. 31°F um genau zu sein, also knapp unter dem Gefrierpunkt. Conny bleibt ab jetzt im Auto sitzen.


Bei der Abfahrt nach Estes Park zeigen sich dann die ersten Hirsche am Straßenrand und kurz vor dem Parkausgang ist Megastau, weil jeder die großen Herden sehen will. Denen macht es anscheinend auch wenig aus, dass in ihren alten Weidegründen eine Stadt gebaut wurde in Estes Park grasen die fast auf jeder Verkehrsinsel.

Estes Park ist wahnsinnig überlaufen, schließlich steigt hier an diesem Wochenende das „Elk Fest“. Und da die Hotelpreise uns unangemessen hoch erschienen, haben wir in Loveland gebucht. Das ist noch mal eine knappe Stunde von Estes Park entfernt. Aber immerhin führt die Fahrt durch die Schlucht des Big Thompson River - und das ist denn mal wieder eine absolute Traumstraße. Zumindest, wenn die Sonne scheint. Darauf hoffen wir morgen. Im Fairfield Inn, zusammen mit anderen sehr neu aussehenden Hotels an einer riesigen Shopping Mall gelegen, gibt es für die Gäste heute Hot Dogs bis zum Abwinken für “umme”. Kommt uns nach der langen Fahrt jetzt gerade recht. So sparen wir uns den Restaurant-Besuch. Noch ein paar Runden im Pool und einige Feierabend-Bierchen – das war’s für heute. War ein toller Tag!
Unterkunft: Fairfield Inn & Suites by Marriott, Loveland, 81$ via Priceline Gefahrene Meilen: 265
Tag 17 04.10. Rocky Mountain National Park
Den heutigen Tag haben wir eigentlich komplett dem Rocky Mountain National Park gewidmet - immerhin schon der sechste Nationalpark auf dieser Reise. Aber: erstens ist es ziemlich kalt, zweitens ist Wochenende und der Park entsprechend voll und drittens haben wir irgendwie so gar keine Lust mehr auf längere Wanderungen. Gut, dass Punkt 1 hinreichend Grund liefert, das Programm auf das Mindeste einzudampfen. Bei Temperaturen von 6, 7°C und Schnee an allen Wegen, kann man sich ja auch mal zurückhalten...



Nach dem inkludierten Frühstück im Fairfield (echt okay) und einem Refill des Tanks rollen wir also wieder durch den Big Thompson River Canyon Richtung Estes Park. Top erzogen das Wildlife hier: steht direkt an der Straße und das Meilen vor dem Nationalpark. Also widmen wir eine ganze Weile unseres Morgens einer Herde Bighorn Sheep.


Kurzer Stopp am Visitor Center für die üblichen Souvenir-Käufe und dann nichts wie in den Park. Übrigens haben wir gestern ziemliches Glück gehabt: die Trail Ridge Road ist heute gesperrt. Hat anscheinend in der Nacht ein bisschen Niederschlag gegeben da oben und jetzt müssen die Schneepflüge erstmal den Weg freimachen. DAS wäre gestern ein Umweg gewesen...


Wir entscheiden uns wenigstens so etwas wie die Pflicht-Wanderung im RMNP anzugehen, die vom Bear Lake zum Emerald Lake. Am Trailhead ist schon der Teufel los. Lustig wieder, wie unterschiedlich die Leute ausgestattet sind: die einen sehen aus, als wollten sie direkt auf den Longs Peak, die anderen sind angezogen wie für den sonntäglichen Einkaufsbummel. Wir bewegen uns irgendwo dazwischen. Zwei Stunden an der frischen Luft sollten nicht gleich den Tod bedeuten.



Insgesamt vier Bergseen gibt es zu erwandern und je weiter wir kommen, desto geringer die Dichte der Besucher. Zwei der Seen sind schon zugefroren. Anscheinend den Herbst ausgelassen und gleich auf Wintermodus gegangen. Immerhin: die Tierchen sind hier sehr agil.


Nach zwei Stunden sind wir dann doch einigermaßen durchgekühlt. War aber durchaus eine nette Wanderung. Unter der Woche auf jeden Fall zu empfehlen. Und bei Sonnenschein sowieso.


Unten im Tal haben schon einige Waipiti-Hirsche (hier American Elk genannt) Position bezogen, die besuchen wir nun. Sehr interessant die zu beobachten. Vor allem wie viele Damen da auf einen Herren kommen...


Dieser Hirsch hat amourösen Notstand -und seine Weibchen so gar keinen Bock auf Sex am hellichten Tag. Den Unmut darüber tut er lautstark dem ganzen Tal kund...





Einige Rivalen sind auch schon in der Nähe - so richtig legen die aber wohl erst am späten Nachmittag los. Dann sind wahrscheinlich auch die Mädels williger. Besucher werden jedenfalls gebeten, ab 17 Uhr nicht mehr auf den Wiesen zu wandern. Nicht dass man da zwischen die Hirsch-Fronten gerät...

Wir haben schon gegen 14 Uhr genug und machen uns auf den Rückweg Richtung Hot Tub. Unterwegs halten wir an einem Laden mit allerlei Spezialitäten von den Farmen Colorados. Mittlerweile hat ein fieser Nieselregen eingesetzt und vor dem Store spricht uns ein Radfahrer an, ob wir ihn eventuell talwärts nach Loveland mitnehmen könnten. Kein Problem, im Kofferraum haben wir heute ja genug Platz, um auch ein Fahrrad einzuladen. So haben wir nette Gesellschaft auf dem Rückweg und der Radler bedankt sich tausend Mal. Wir besorgen noch ein paar Kleinigkeiten auf dem Weg ins Hotel, dann wärmen wir uns im Whirlpool auf. Super Sache!


Abendessen gibt es im Lonestar Steakhouse gleich gegenüber vom Hotel. Das Essen dort ist wirklich super kommt auf die Liste unserer Lieblings-Restaurantketten.
Gefahrene Meilen: 94
Tag 18 05.10. Loveland - Castle Rock
Heute auf der Agenda: Shopping! Immerhin haben wir noch einigen Platz in den Reisetaschen und ich fahre sogar noch alte Klamotten mit mir herum, die ich gerne gegen etwas Neues austauschen würde. Das Wetter ist ideal, nämlich sehr wechselhaft. Das im Sinne von: wechselnde Sorten Regen. Geht von Nieseln bis Weltuntergang. Letzteres bevorzugt, wenn wir gerade aus dem Auto steigen. Aber wenn es etwas gibt, worüber wir uns so gar nicht beschweren können, ist es das Wetter in diesem Urlaub. Eineinhalb Regentage sind leicht zu verschmerzen, vor allem, wenn man sich eh nur von Geschäft zu Geschäft bewegt.

Zur ersten Station unseres Beutezugs müssen wir nicht weit fahren, die Outlets of Loveland sind gleich um die Ecke vom Hotel. An Denver vorbei (Sightseeing haben wir auf morgen verschoben)fahren wir dann nach Lone Tree in die Park Meadows Mall. Sehr schönes Einkaufszentrum - nur Abercrombie hat partout nichts Passendes für mich.

Nur ein paar Meilen sind es dann noch bis Castle Rock. Dort checken wir im Holiday Inn Express ein und weiter geht der Einkaufs-Marathon. Die größte Outlet-Mall Colorados ist nur eine Autobahn-Abfahrt entfernt. Obwohl hier recht viele Ladenlokale leerstehen, gibt es einige Shops, die es in Loveland nicht hat (Timberland, Adidas, Guess...) und so werden wir auch hier fündig. Bin sehr zufrieden: meine Einkaufsliste ist praktisch komplett abgehakt.

Auch super: Castle Rock beherbergt ein Outback Steakhouse, also gibt es mein Lieblingsessen Rib-Eye Steak mit Garlic Mashed Potatoes und ein paar Sam Adams am letzten Abend. Was will man mehr?! Unterkunft: Holiday Inn Express, Castle Rock, 52€ via Expedia
Gefahrene Meilen: 88
Tag 19 06.10. Denver - DEN-LHR-FRA
Der letzte Urlaubstag hält noch einmal einen strahlendblauen Himmel für uns parat. Schock aber, als ich ans Auto komme: richtig krass vereist. Zum Kratzen haben wir nichts da, also kurz zum Abtauen in die Sonne gestellt.


Die Berge in der Ferne tragen eine frische Haube Schnee.

Wir klappern dann noch ein paar Läden in den Outlets von Castle Rock ab. Ich kaufe nichts mehr - Conny schon. Gegen Mittag lassen wir uns dann von TomTom nach Downtown Denver lotsen. Das Auto stellen wir hinter dem sehr schmucken Capitol ab und bummeln dann einfach kreuz und quer durch die Stadt.





Ganz nett ist die 16th Street Mall, richtig lebendig die Innenstadt entlang dieser Straße. An sich aber auch nicht sooo besonders, halt die üblichen Läden,Hotels und Restaurants. Aber man sieht Denver den Status als Boomtown an, viele renovierte Straßenzüge und moderne Gebäude. Scheint eine lebenswerte Stadt zu sein. Auffällig aber auch hier: unglaublich viele Bettler. Früher fiel mir das ja nur in San Francisco auf, mittlerweile muss man sich da wohl in jeder Stadt dran gewöhnen.


Wir schließen uns einer Tour durchs Capitol an. Solche Führungen nehme ich immer gerne mit, die Guides haben meistens ein paar schöne Anekdoten parat. Die Dame im Capitol zu Denver ist da keine Ausnahme. Man kann aber auch allein durch das Gebäude schlendern, muss nur am Eingang durch eine Security. Auf Politiker trifft man nicht unbedingt, die Parlamentskammern kommen in Colorado nur an 120 Tagen im Jahr zusammen - von Januar bis Mai. Das sind Arbeitszeiten...


Ein bisschen knurrt irgendwann der Magen, für das letzte Essen dieses Urlaubs entscheiden wir uns für das Hard Rock Café. Da waren wir schon lange nicht mehr. Solide Wahl.

Dann ab Richtung Flughafen und bei Alamo den Mietwagen zurückgeben. Geht ratzfatz und die Jungs an der Rückgabe freuen sich über eine Kühlbox. Die nehmen wir dieses Mal nicht wieder mit zurück, ist beim nächsten Urlaub halt eine neue fällig. Per Shuttle geht es zum Terminal und der Check-In bei British Airways funktioniert ebenso problemlos. So sind wir überpünktlich für den Abflug und gammeln noch ein bisschen herum, während die Sonne hinter Denver und den Rocky Mountains untergeht.




Mit unseren Sitzplätzen haben wir wieder Glück, der Mittelplatz zwischen uns bleibt frei. Das macht den Flug etwas erträglicher, ich bin aber nach wie vor kein Fan davon, Nächte im Flugzeug zu verbringen. Länger als 2 Stunden schlafe ich nicht. In Heathrow dürfen wir dann wieder viel Bus fahren, unterbrochen von einem Security Check und einem Starbucks-Kaffee. Ich werde auch kein Fan des Terminal 5 in London, für mich ein Grund, nicht mit BA in die USA zu fliegen, obwohl es im Gegensatz zum Hinflug nur sehr kurze Schlangen an der Security hat. All unsere Flüge sind aber immerhin superpünktlich und so endet die Reise um 16:25 Uhr am Terminal 2 des Rhein-Main-Flughafens. Hier bekommen wir fast einen Hitzschlag beim Verlassen des Flugzeugs – mit schwülen 25°C haben wir nicht gerechnet. Fühlt sich fast wieder an wie LA. Eine halbe Stunde nach der Landung steigen wir samt Gepäck in die S-Bahn - das war unser USA-Urlaub 2009. Toll war’s!
Unterkunft: BA 218, Sitzplatz 33H Gefahrene Meilen: 50
 
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