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Di 12.09. Mono Lake – Death Valley
 Okay, heute wird definitiv nicht gewandert. Gar nicht! Zum Frühstück müssen wir auch wieder nur über die Straße gehen. Neben Bodie Mike’s gibt es Nicely’s, einen typischen Diner. Damit kann man mich immer aus dem Bett locken. Der Kaffee in dem Laden ist allerdings ein Tiefpunkt der Reise. Pfui!

Auf zum Mono Lake Visitor Center! Der See hat eine sehr interessante Geschichte: Über eine Million Jahre alt, mit vulkanischen Inseln aber ohne Abfluss und daher zweieinhalb Mal so salzhaltig wie Meerwasser. Und acht Mal so alkalisch. Bis in die 1940er Jahre war der See ein beliebtes Ferienziel. Dann zapfte die durstige Stadt Los Angeles den See an – und ließ den Wasserspiegel um 12 Meter sinken! Über die freigelegte Fläche blies der Wind ekligen Staub durch das Tal – weg waren die Touristen. Dafür marschierten die Kojoten trockener Pfoten in die Brutgebiete der zu Millionen hier nistenden Vögel, die einst sicher auf den Inseln hockten. Nach 16 Jahren harten Kampfes vor den Gerichten erreichten Umweltschützer schließlich 1994 einen Stopp der Wasserentnahme. Die Zuflüsse aus der Sierra Nevada und aus unterirdischen Quellen sollen nun dafür sorgen, dass der See wieder um über 5 Meter steigt.
 Dann wird auch ein Teil der Kalziumkarbonat-Türme, der Tufas, wieder versinken, die man jetzt an den Ufern bewundern kann. Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg.
 Nach dem Visitor Center, das etwa drei Meilen nördlich von Lee Vining am HW 395 liegt, fahren wir ans Nordufer des Sees, wo man auf einem Holzsteg durch den trocken gefallenen Uferbereich und einige Tufas gehen kann. Unzählige Vögel machen hier ein Riesentrara und der bakterienhaltige Uferschlamm stinkt nach faulen Eiern.
 Vom Mono Lake fahren wir schließlich auf der 395 Richtung Süden, Richtung Death Valley, unserem heutigen Ziel. Aber schon kurz hinter Lee Vining können wir einem verlockenden Hinweis-Schild zum June Lake Loop nicht widerstehen. Die Route 158 führt durch malerische Ferienorte an vier Seen vorbei, ein beliebtes Skigebiet. Unglaublich wie schnell man hier wieder in einer alpinen Landschaft ist, wo sich ein paar Kilometer weiter öde Wüste ausbreitet. Der Loop führt schließlich wieder auf die 395, die kurz vor Bishop auf einer steilen Rampe in das breite Owens Valley abfällt.

In Bishop halten wir an einem Supermarkt: es ist höchste Zeit, mal die Bilder von der Digicam auf CD brennen zu lassen, sonst ist der Speicher bald voll. Zum Glück gibt es ja jetzt überall die tollen Kodak-Automaten, an denen man das erledigen kann. Pech aber, wenn dem Supermarkt die Rohlinge ausgehen. Andere CDs als die von Kodak nimmt der Automat nämlich nicht. Immerhin, ich ergattere die allerletzte Scheibe, 120 Bilder lassen sich runterladen. Und: wir finden hier sogar brauchbare Karten zum Versenden unserer Einladungen und Hochzeitsbilder. Sind designtechnisch nicht ganz vorne, aber besser als nix. Heute Abend ist Kartenschreiben angesagt.


Nach einem Snack bei KFC fahren wir weiter Richtung Süden. Ich kann meiner Liste mit öden Orten, in denen ich nicht tot über dem Zaun hängen will, Flecken wie Big Pine und Independence hinzufügen. Lone Pine ist dann wieder ganz vorzeigbar: hübsches Westernstädtchen mit einigen Motels. Hier zweigt die 136 Richtung Death Valley ab. Die Landschaft wird bald wieder aufregender. Wir durchqueren in enger Kurvenfahrt in bunten Farben leuchtende Bergketten im Gebiet des Nationalparks, ehe wir das eigentliche Death Valley erreichen. Leider treten an unserem Auto wieder die Probleme mit den Bremsen auf. Mistkarre! Das Thermometer meldet schließlich 113 Grad Fahrenheit. Uff!

Wenn man bei der Hitze aus dem klimatisierten Wagen steigt, ist das, als würde man eine Backofentür öffnen. So halten wir auch im Death Valley nur einmal, nämlich an den sehr malerischen Sanddünen, lassen dabei aber den Motor laufen, damit die Klimaanlage nicht ausgeht, und sehen zu, dass wir zum Hotel kommen, der Furnace Creek Ranch.
Die Hotelanlage ist riesig, verfügt über ein eigenes Postamt, einen Golfplatz und auch sonst alles, nach dem der Tourist verlangen könnte. Uns ist nur nach Abkühlung – und die ist draußen nicht zu finden, Pool hin oder her. Eine kalte Dusche wäre nicht schlecht, aber kalt Duschen ist nicht: das Wasser, das aus dem entsprechenden Hahn kommt, ist mit lauwarm noch zurückhaltend beschrieben. Absurd auch, dass es im Bad einen Heater gibt. Wozu??? Deshalb reduzieren wir unsere Aktivitäten für den heutigen Tag auf ein Minimum: Karten schreiben, Briefmarken kaufen und ein paar Sandwiches zum Abendessen. Und bei Alamo rufe ich an, um schon mal den Tausch des Mietwagens für den nächsten Tag anzusagen...
Unterkunft: Furnace Creek Ranch (88 EUR über Dertour) Gefahrene Meilen: 250
Mi 13.09. Death Valley – Page

Wo wir uns am Vorabend für nichts begeistern konnten, stehen wir mitten in der Nacht auf, um den Sonnenaufgang in der Wüste zu erleben. Um 6 Uhr fahren wir die paar Meilen zum Zabriskie Point. Und das folgende Schauspiel rechtfertigt denn auch das frühe Aufstehen: die gegenüberliegenden Bergspitzen fangen langsam an zu glühen, erst rosa, dann orange. Bis die Morgensonne die gestreiften Felsen auf unserer Seite erreicht hat, vergeht fast eine Stunde. Schööön...

Zum Frühstück schnappen wir uns nur ein paar Muffins im General Store, denn heute ist Meilenfressen angesagt: wir wollen nach Page und das ist drei Staaten weiter. Zunächst fahren wir Richtung Badwater, dem Tiefpunkt unserer Reise im geographischen Sinne. Weiter runter als 86 Meter unter den Meeresspiegel geht es in Amerika nicht. Krass, wenn man bedenkt, dass wir keine 48 Stunden zuvor noch auf 3.000 Metern rumgezogen sind. Sehr anpassungsfähig wir Menschen.
Am Rande das Salzsees halten wir nur für das obligatorische Foto, denn mit uns kommt ein Reisebus voll aufgeregter Rentner aus Holland an. Uah, schnell weg hier! Wenn ich mir eine Reiseart als Alptraum vorstelle, dann ist es eine Busfahrt durch den Westen der USA. Aber Menschen, die so etwas machen, haben wahrscheinlich mehr Spaß an Geselligkeit als wir, die eher die Einsamkeit in diesem weiten Land fasziniert. Peinlich ist der Auftritt dieser Reisegruppen in jedem Fall, denn egal welchen Alters veranstalten sie einen Lärm wie eine Schulklasse beim Ausflug.
Die Holländer haben übrigens Glück, genau wie wir, denn die Straße nach Badwater ist heute nach fast einer Woche erstmals wieder geöffnet. Letzten Donnerstag hatte es schwere Überflutungen in einigen Teilen des Tals gegeben und zahlreiche Straßen mussten gesperrt werden. So können wir weiter auf der 178 das Death Valley der Länge nach durchfahren, wobei der Highway auf einem längeren Abschnitt nur eine Schotterpiste ist. Schließlich biegt er Richtung Osten ab und kommt da raus, wo die Shoshonen wohnen, in Shoshone nämlich, einer überschaubaren Ansammlung von Hütten und Trailern.

Eine etwas größere Menge davon gibt es ein paar Meilen weiter in Pahrump, das schon in Nevada liegt. Ansonsten kommt der Ort auf meine Liste. Immerhin: Las Vegas kündigt sich auf großen Werbetafeln am Straßenrand an und hier kommen wir auf den bestens ausgebauten Highway 160, der uns schnurstracks Richtung Glitzermetropole führt.
Unmittelbar nach dem in tollen Farbtönen leuchtenden Red Rock Canyon erreichen wir die ersten Neubaugebiete von Las Vegas. Und die ziehen sich meilenweit bis an die Interstate 15. Unfassbar, was hier gebaut wird! Las Vegas wächst nach wie vor in wahnsinnigem Tempo. Jeden Monat ziehen über 4.500 Leute zu, 2007 ist die Marke von 2 Millionen Einwohnern erreicht. Und das mitten in der Wüste und bei immer knapper werdendem Wasser. Faszinierend und erschreckend zugleich.
In der Nähe des Flughafens steuern wir die Mietwagenstation von National/Alamo an. Ach was, Mietwagenstation, das ist eine Fabrik, ein eigener Stadtteil, nach meiner Einschätzung auf jeden Fall die größte der Welt. Die Rückgabe des Wagens wird ohne Wimpernzucken akzeptiert und wir werden durchgewunken, in der Choice Line ein neues Auto auszusuchen. Nur: es ist kein einziges da! Ein Mitarbeiter stellt daher statt der Autos die Kunden in die Parkbuchten und immer, wenn wieder ein Wagen aus der gigantischen Waschanlage kommt, wird der direkt den am weitesten vorne stehenden zugeteilt. Es dauert aber keine 10 Minuten, da wird uns ein schicker kleiner Pontiac vorgefahren, an dessen Seitentür noch der Schaumgummipuffer vom Transport klebt. Nagelneu also. Wir nehmen den mit und fahren zurück zum Chevy, in dem noch unser Gepäck ist. Aber: keine Chance, die Sachen in den Kofferraum zu quetschen. Also zurück mit dem Flitzer und gegen einen echten Full Size getauscht. Zum Glück steht gerade ein Pontiac Grand Prix herrenlos herum, den schnappe ich mir und fahre wieder zum Gepäck. Passt! Aber etwas fehlt: meine Umhängetasche mit allen Reiseunterlagen, Pässen, Geld und Kreditkarten. Die hatte ich auf den Rücksitz des kleineren Wagens geschmissen. Jetzt aber fix, bevor der vom Hof rollt! Gerade noch rechtzeitig: der nächste Kunde stellt sich gerade die Spiegel ein. Da geht der Adrenalinspiegel denn doch nach oben...
Nach den Tagen auf einsamen Wüstenhighways ist der Verkehr rund um Las Vegas der Horror. Die halbe Stadt ist eine Baustelle, der Interstate in einem erbärmlichen Zustand, dazu muss man aufpassen, selbst nicht zu sehr von den glitzernden Hotels abgelenkt zu werden. Aber so wie die Stadt irgendwann wie eine Fata Morgana im Rückspiegel verschwindet, so reduziert sich auch die Menge der Autos pro Meile und es geht mit Höchstgeschwindigkeit von immerhin erlaubten 75 ein kurzes Stück durch Arizona und dann über eine weitere Staatsgrenze nach Utah. Hier schlängelt sich die Autobahn durch die steilen Canyons des Virgin River, der bekanntlich auch das traumhafte Tal des Zion Nationalparks geschaffen hat.
 Zion ist uns als liebster Park von der letzten Reise durch den Westen in Erinnerung – nur so ist es zu erklären, dass wir den nun als nächstes ansteuern. Schlauer wäre es, in Hurricane die südliche Route Richtung Fredonia zu wählen, aber schlauer ist man immer erst hinterher, nämlich nachdem man im Zion Park am Tunnel im Stau gestanden hat. Der Tunnel, durch den der Highway 9 im Süden von Zion Richtung Osten führt, ist ein Nadelöhr bei der Reise durch diese Gegend. Da der in den 1920er Jahren gebaut wurde, als Autos noch klein und wenig waren, ist er dem heutigen Verkehr kaum mehr gewachsen. Vor allem nicht, wenn Busse und Wohnmobile durch wollen – und von denen gibt es reichlich hier. Die können den Tunnel nur in der Fahrbahnmitte durchfahren. Also muss eine Spur gesperrt werden. Das geht den ganzen Tag so, immer abwechselnd. Dazu ist direkt hinter dem Tunnel vor einigen Tagen ein großer Erdrutsch auf die Straße abgegangen, dessen Hinterlassenschaften bei laufendem Betrieb beseitigt werden müssen.
Alles in allem kostet uns dieser Weg eine gute Stunde extra. Die grandiose Kulisse entlang der Straße macht die Sache allerdings ein wenig erträglicher. In Mount Carmel Junction erreichen wir schließlich die 89, den letzten Highway für heute, denn der geht direkt nach Page. Gleich nach dem Abbiegen rennt uns eine Schar wilder Truthähne vors Auto. Den ersten drei Tieren rette ich durch Vollbremsung das Leben, der Rest entschließt sich, die Straße fliegend zu überqueren. Gute Idee!

Die 89 ist dann eine echte Traumstraße. Zunächst geht es durch die leuchtenden Ausläufer der Coral Pink Sand Dunes, dann schieben sich hinter Kanab von links die Felsen des Vermillion Cliffs, von rechts die des Kaibab Plateaus heran. Die tief stehende Sonne taucht die Kulisse in ein sagenhaftes Licht, das durch einige dunkle Wolken variiert wird. Willkommen im Red Rock Country!

Von weitem sieht man dann schon die rauchenden Schornsteine des Navajo Kohlekraftwerks, ein völlig unwirklicher Anblick, der an das unsagbar verschandelnde Kraftwerk in der ansonsten idyllischen Morro Bay an der Pazifikküste erinnert. Aber hey, irgendwo muss der Strom ja herkommen und mit Staudämmen allein, lässt sich Las Vegas nicht zum Leuchten bringen. Kurz vor dem Kraftwerk liegt jedenfalls Page, Arizona. Es geht über eine Brücke neben dem Glen Canyon Dam, der hier den Colorado River in den Lake Powell, den größten Stausee der USA, verwandelt. Dann ist die Fahrerei für heute beendet. Reicht aber auch.
Gegen 18 Uhr checken wir im Holiday Inn Express ein und freuen uns über ein riesiges Zimmer mit sauberem Bad, in dem alles funktioniert und an seinem sinnvollen Platz angebracht ist. Ein großer Fortschritt gegenüber der Furnace Creek Ranch. Da wir außer einem Stückchen Kuchen und einem Muffin den ganzen Tag nichts gegessen haben, sind wir völlig ausgehungert. Diesem Zustand Abhilfe verschafft ein Besuch des Dam Grill. Das Essen ist extrem lecker hier, genauso wie das Bier. Und die Portionen sehr, sehr groß. Nachdem wir gierig das frische Brot und die Appetizer (Onion Rings & Buffalo Wings) verschlungen haben, dämmert’s uns, dass vielleicht die Augen doch größer als der Magen waren. Burger und Ribs schaffen wir nicht annähernd. Und das will bei mir was heißen...
Unterkunft: Holiday Inn Express (70 EUR über FTI) Gefahrene Meilen: 452 (!)
Do 14.09. Page
Im Holiday Inn Express in Page ist das Frühstück inklusive. Und hier gibt es nicht nur eine Handvoll zerteilter Muffins, die an anderen Orten schon mal als „continental breakfast“ verkauft wird, hier gibt es leckere Cinnamon Rolls, Toast, Marmelade, Cerreals, Obst, Joghurt, gekochte Eier und trinkbaren Kaffee. Aber wir beschränken den Aufenthalt am Büffet auf die Mindestzeit, denn heute geht es in die Coyote Buttes North, die Gegend der Paria Wilderness, in der die mittlerweile berühmte Wave zu finden ist. Das ist zumindest der Plan, dafür haben wir vor drei Monaten eine Permit ergattert.
Aber: Pustekuchen! Der Blick gen Himmel verheißt schon nichts Gutes: über Page ist es bedeckt und, noch schlimmer, Richtung Norden schiebt sich eine dunkle Wolkenwand heran. Hätten wir mal besser den Wetterbericht verfolgt die letzten Tage. Wir fahren zwar los, als vor uns aber die ersten Blitze aus den Wolken zucken, beschließen wir, die Wave für heute Wave sein zu lassen und stattdessen auf morgen zu hoffen. So schlau waren wir ja, dass wir uns eine weitere Permit für den nächsten Tag reserviert hatten.

Da es im Süden von Page noch einigermaßen freundlich ausschaut, fahren wir direkt zum Lower Antelope Canyon. Der stand natürlich auch ganz oben auf unserer Must-see-Liste und ist nicht das schlechteste Alternativprogramm. Beide Antelope Canyons sind bestens ausgeschildert. Wir wollen uns auf die Lower-Ausgabe beschränken. Die ist enger, verwinkelter als die Upper-Version und die dort auftretenden Beams aus einfallendem Sonnenlicht wird es heute eh nicht geben. Außerdem lassen sich die Navajos den Besuch dieses Naturwunders auf ihrem Reservatsgebiet einiges kosten: 15 Dollar werden allein für den Besuch des Lower Antelope Canyons fällig, dazu noch mal 6 Dollar dafür, dass man überhaupt das Indianerland betreten darf, macht schlappe 42 Taler für zwei.
 An einem kleinen Kiosk am Parkplatz schieben wir die grünen Scheine über den Tresen und dann geht es auch schon los. Es sind nur ein paar Meter zum Einstieg in den Slotcanyon, an den unsere kleine Besuchergruppe (um halb zehn sind nicht mehr als 8-10 Leute da) von einem jungen Navajo Guide geführt wird. Über eine steile Eisentreppe geht es nach unten und schon stehen wir an einem der bizarrsten Orte, die man sich überhaupt vorstellen kann – und kriegen den Mund nicht mehr zu vor Staunen. Das Licht ist bei dem Wetter natürlich nicht ideal zum Fotografieren, aber die Farben und Formen in dem engen Canyon sind trotzdem faszinierend.

Unser Grüppchen trennt sich schon bald auf. Der Guide geht mit einigen Amerikanern voraus, die Europäer fotografieren sich derweil weiter hinten tot. Es gibt ja einige Ort, an denen man nicht aufhören kann zu knipsen, wo man hinterher denkt: „Hm, sieht eigentlich alles gleich aus.“ Die Niagara Fälle fallen mir da immer ein oder die Freiheitsstatue. Aber Antelope zieht einen einfach so in den Bann, dass man hinter jeder Biegung meint, diesen Anblick müsse man nun unbedingt auch noch festhalten. Erfreulich, dass so früh so wenige Besucher mit uns hier sind, so kann man ganz in Ruhe genießen und Bilder machen.


Über eine Stunde verbringen wir im Lower Antelope Canyon, wobei wir uns richtig einsauen. Zum einen weht der Wind immer wieder Sand von oben hinein, zum anderen ist der Grund teilweise sehr schlammig. Irgendwann geht es dann auch nicht mehr weiter, weil Wasser im Canyon steht und wir kehren um. Wieder nach oben gekrabbelt gehen wir den Spalt zum anderen Ende entlang. Hier ist wieder eine Eisenleiter, an der man normalerweise herauskommt, wenn nicht Wasser den Weg versperrt.

Entlang des Canyonrands stehen überall Kisten, aus denen im Fall einer Flash Flood Seile nach unten geworfen werden, um die Leute rausziehen zu können. Schließlich kamen hier vor ein paar Jahren ein Dutzend Besucher um, als sie sich vor den rasend schnell eindringenden Wassermassen nicht mehr retten konnten. Drei Leichen blieben damals verschwunden, sie werden irgendwo im Lake Powell im Schlick stecken. An das Drama erinnert eine Gedenktafel mit den Namen der Opfer am Eingang.

So langsam schließt sich von allen Seiten die dunkle Wolkendecke. Wir machen noch schnell einen Abstecher zur Horseshoe Bend, wo der Colorado eine malerische Schleife dreht – dann fängt es auch schon an zu regnen. Am Ortseingang von Page gibt es einen riesigen Wal-Mart, hier sollte es möglich sein, mal wieder ein paar Bilder auf CD zu brennen. Nach der Fotografier-Orgie im Antelope ist das geboten. Die Fotoabteilung hat denn auch alles, was das Herz begehrt. Hier hätten wir auch direkt Karten mit unseren Hochzeitsbildern herstellen lassen können, auch sonstige Karten gibt es in allen Größen. Wie das halt immer so ist, wenn man vorher wie bescheuert nach etwas gesucht hat. Egal, die Karten sind jetzt bestimmt schon auf dem Weg in irgendein Frachtflugzeug...

Jetzt haben wir Hunger, also gehen wir das erste und letzte Mal in diesem Urlaub zu McDonald’s. Conny liebt McDonald’s, ich hasse McDonald’s, da kommen wir selten auf einen grünen Zweig. Aber einmal ist das ja okay. Vor uns an der Kasse vier Deutsche älteren Jahrgangs. Die werden daheim noch nie bei McDonald’s gewesen sein, in Amerika ist das Bestellen nun ein echtes Abenteuer. Uns amüsiert’s wie die Vier stolz Fotos schießen, als sie ihre Beute an den Tisch gebracht haben. A propos Deutsche: auf der ganzen Reise wimmelt es von Landsleuten. Nicht ungewöhnlich, aber in Page und später auch in Moab fällt das schon extrem auf. Vor allem, wenn man wandern geht, was der amerikanische Tourist ja eher nicht so gern tut, trifft man bei der Hälfte der einem entgegen kommenden Leute auf Deutsche oder Österreicher. Ich überlege schon, statt des üblichen „Hi“ oder „How’s it goin’?“ einfach öfter mal „Grüß Gott“ zu sagen. Wäre für den einen oder anderen Lacher sicher gut.
Um 13 Uhr sind wir zurück im Hotel und jetzt schüttet es richtig. Das sieht nach einem erzwungenen Gammeltag aus. Nun denn, da kann man wenigstens mal ein bisschen Wäsche waschen, im Internet schauen, was in der Champions League so geht (ich vermeide jegliches Checken von Emails im Urlaub!) und ein Mittagsschläfchen halten. Verdient ist diese Pause allemal nach dem Programm der letzten Tage. Die Frau an der Rezeption meint, dass es das ganze Jahr noch nicht so geregnet hat wie heute. Na, da sind wir ja genau rechtzeitig da.

Aber dem Regen folgt bekanntlich Sonnenschein. An diesem Abend kommt der in Form eines dramatischen Sonnenuntergangs, für den ich zum Wahweap Marina View Point hoch über dem Lake Powell fahre. Grandiose Sicht auf den See und die Berge von da. Und den abziehenden Wolken scheinen nicht all zu viele nachzufolgen. Das sieht ganz gut aus für morgen.

Das Abendessen besteht dann noch mal aus Fastfood. Aus reiner Faulheit drehen wir eine Runde durch den Drive-In des KFC. Frittiertes Huhn geht bei mir immer.
Gefahrene Meilen: 70
Fr 15.09. Page – „Wave“ – Flagstaff
Heute muss es einfach mit der Wave klappen! Die Sonne scheint jedenfalls schon mal von einem strahlend blauen Himmel. Unsere einzige Sorge gilt dem Zustand der Straße zum Trailhead. Wir wissen ja, dass es da einen Bachlauf gibt und durch den kämen wir mit dem Pontiac wohl nur bei absoluter Trockenheit. Irgendwie frage ich mich jetzt schon, warum wir in Las Vegas nicht gleich die Gelegenheit genutzt haben, auf einen 4 WD umzusteigen. Klarer Fall von hinterher schlauer.

Um 9 Uhr (bzw. 10 Uhr Utah-Zeit) halten wir an der Ranger Station des Bureau of Land Management (BLM), direkt am Highway 89 ein paar Meilen vor der House Rock Road, die zum Wire Pass Trailhead führt und eine Verbindung zwischen der 89 und der 89a weiter im Süden darstellt. Der Ranger meint, dass ohne High Clearance und Vierrad-Antrieb da gar nichts geht heute, schließlich seien das gestern die stärksten Regenfälle des Jahres gewesen. Hört sich nicht gut an. Auf unsere Frage, ob gestern überhaupt jemand hier war, sagt er tatsächlich: „Oh yeah, we had a big lottery. 33 people!“ Wir erzählen an dieser Stelle mal lieber nichts von unserer Permit, die zwei der 33 Leute gestern sicher gerne genommen hätten. Er schlägt uns noch vor, die Road von Süden zu nehmen. Das sind aber mal ganz locker zwei, drei Stunden Umweg. Und wer weiß, wie die Straße von da aussieht. In der Zeit sind wir auch die vier Meilen vom Wash bis zum Trailhead gelaufen. Sind ja schließlich gut zu Fuß. Und vielleicht haben wir ja Glück und es liest uns jemand auf dem Weg auf. Der Ranger meint zwar, dafür wären wir ziemlich spät dran, die meisten Besucher der Wave wären schon längst durch. Egal, wir versuchen’s einfach.

Gesagt, getan. Ich lenke das Sportcoupé über die Schotterpiste, wobei wir von einem Geländewagen überholt werden. Den sehen wir ein paar Kurven später wieder, als er anhält, um dem Fahrer eines weiteren Geländewagens zu helfen, der bis zur Achse im Schlamm am Straßenrand steckt. Wie sich rasch herausstellt, sind hier alle deutsch. Wir fahren weiter bis zum Wash und hier ist definitiv Endstation mit unserer Schüssel. Tiefe Schlammfurchen voller Wasser und auch die Umfahrung nebendran sieht nicht besser aus. Also Auto abstellen und zu Fuß losziehen. Da hält wieder der Wagen von eben und die beiden Insassen, Wolfgang und Birgit, zwei echte Wave-Veteranen, die zum siebten Mal hier sind, sind so nett uns mitzunehmen. Das ist doch mal echte Solidarität hier. Besten Dank!

Die Schar der Fahrzeuge am Wire Pass Trailhead ist überschaubar und komplett geländetauglich. Klar. Wolfgang gibt uns noch ein paar Tipps mit auf den Weg, dann ziehen wir schon mal los. Kann ja nicht so schwer sein, die Wave zu finden. Mit der Karte und der Wegbeschreibung vom BLM sieht das nach Schnitzeljagd aus. Leider verpassen wir dann direkt den ersten Abzweig und marschieren schön im schlammigen Flussbett Richtung Coyote Gulch. Nach einigen Minuten kommt es uns aber schon spanisch vor und wir drehen um und biegen diesmal auf den richtigen Weg ab.

Die Wanderung ist kein Problem. Es geht über eine sandige Anhöhe, durch ein weiteres Flussbett, über eine Sandstein-Klippe und dann immer am Hang entlang zu zwei auffälligen Felsformationen, den Twin Buttes. Dahinter sieht man auch schon am Horizont eine Art Spalte in der Felswand, genau dort beginnt die Wave. Samt Umweg benötigen wir keine zwei Stunden für die Wanderung. Das Wetter ist ideal: sonnig, nicht zu heiß und es weht immer mal wieder ein angenehmer Wind. Überflüssig zu erwähnen, dass die Landschaft hier ein Traum ist. Bizarre geformte Felsen überall, Gesteinsschichten in allen Farben.


Wir erreichen die Wave und sind verblüfft: die ist ja voller Wasser! Eine riesige Pfütze steht in der Formation. Na ja, erlebt wahrscheinlich auch nicht jeder, der hier hinkommt. Um in die Wave hineinzukommen, müssen wir deshalb noch einen kleinen Umweg nehmen. Wolfgang begrüßt uns schon mit einem Grinsen: ob sie sich Sorgen um uns hätten machen müssen, sie hätten unsere Fußspuren in die falsche Richtung gesehen. Haha. Dann werden erstmal jede Menge Fotos geschossen.


Insgesamt sind nur acht Leute hier, zwei gehen schon wieder als wir ankommen. Kurz darauf trifft noch ein Mann mit einem Hund ein, der begeistert in der Pfütze herumtollt und Stöckchen holt.

Ein bisschen größer hatten wir uns die Wave an sich ja schon vorgestellt. Das liegt aber wohl daran, dass wir schon so viele Fotos davon gesehen haben, dass uns fast jeder Zentimeter bekannt vorkommt. Neben der Wave sind aber auch die „Brain Rocks“ oberhalb davon sehr lustig anzuschauen, Felsen, die tatsächlich wie Gehirnmasse aussehen.

Hinter denen kommt man automatisch zur sogenannten „Second Wave“. Eine blödsinnige Bezeichnung, denn wenn es eine Second Wave gibt, gibt es auch eine Third Wave, eine Fourth Wave usw. An jeder Stelle, wo die Felsen eng zusammenstehen und der Wind von den Bergen dahinter den Sand durchbläst, entstehen diese streifenförmigen Formationen im Sandstein. So gibt es unterhalb dieser „Second Wave“ eine weitere wunderschöne Stelle mit rot und weiß gestreiftem Gestein.


Wir klettern eine ganze Weile durch die Gegend. Es gibt unglaublich viel zu entdecken. Jeder, der schon nach der Wave wieder umkehrt, verpasst hier wirklich einiges. Wir finden Felsen, in die eckige Löcher gefräst sind und die aussehen, wie Wespennester. Und wir erleben die Kräfte, die diese Formationen schaffen, am eigenen Leib: der Wind hat gehörig zugenommen und wir werden einige Male gesandstrahlt (sagt man eigentlich gesandstrahlt oder sandgestrahlt?). Sehr unangenehm das und irgendwann haben wir deshalb dann doch die Schnauze voll und machen uns an den Rückweg. Schließlich müssen wir auch noch die Straße zurück zum Auto wandern.

Das geht dann aber alles erstaunlich locker. An der House Rock Road steht uns der Wind genau im Rücken, das beschleunigt das Gehen ungemein. Nach einer Stunde strammen Marschierens sind wir auch schon fast am Wash angelangt. Zwei Österreicher nehmen uns dann das letzte Stück noch mit. Mittlerweile ist die Umfahrung des Washs ziemlich abgetrocknet, so dass mit einigermaßen hohem Radstand das Durchkommen gar kein Thema mehr ist. Wir bedanken uns fürs Mitnehmen, packen unser Zeug ins Auto und fahren zurück zur 89 .

16 Uhr und der Tag ist noch lange nicht zu Ende. Wir wollen noch nach Flagstaff. Und irgendwie habe ich mich bei der Streckenplanung hier leicht verhauen. Ich hatte die Entfernung zwischen Page und Flagstaff mit 80 Meilen notiert. Tatsächlich sind es über 120, dazu kommen die knapp 40 von der Einmündung der House Rock Road bis Page. Dann mal los. Straßennamen müssen wir uns heute nicht mehr merken, die 89 geht durch bis Flagstaff.
Die Landschaft wird immer flacher, rechts und links des Highway gibt es kaum was zu sehen außer ein paar zum Teil sehr armseligen Hütten der hier lebenden Navajos, deren Reservat wir durchfahren. Ihre unzähligen Verkaufsstände sind nicht besetzt. Sonst kann man sich hier mit allerlei Schmuck, Decken und Keramikwaren eindecken, wenn man’s mag.
Schon weit vor Cameron sehen wir die Gipfel der San Francisco Mountains am Horizont aufragen, der mit über 3.800 Metern weit und breit höchsten Berge, an denen wie eine Fahne eine große Wolke hängt. Dahinter liegt Flagstaff. Kurz vor der Stadt führt der Highway durch dichten Wald, anschließend durch Heidelandschaft und dann steht man an der ersten Ampel seit 150 Meilen. Flagstaff ist erreicht. Wir fahren kurz auf die Interstate 40, nur um zwei Exits weiter wieder rauszufahren. Unglaublich wie viele Hotels und Restaurants es hier gibt. Alle Ketten sind vertreten. Wir haben im Fairfield Inn reserviert, das wir sofort finden. Mittlerweile ist es dunkel geworden und recht kalt. Wir frieren ganz schön, als wir in kurzen Hosen am Hotel aussteigen.
Bei einem ausnehmend netten Portier checken wir ein, tragen unsere Sachen auf das hübsche Zimmer und waschen uns den Sand aus der Wave hinter den Ohren weg. Dinnertime! Gleich nebenan habe ich eine Filiale der Steakhouse-Kette Sizzler gesehen. So weit schaffen es unsere Füße noch. Bei Sizzler zu essen ist dann auch ein Erlebnis. Vor der Schlange am Eingang sollte man sich nicht erschrecken, denn hier bestellt man schon beim Reingehen. Wie am Schalter eines Fastfood-Ladens. Dann sucht man sich erst einen Tisch und bekommt ziemlich fix die Bestellung gebracht. Bei Bedarf kann man sich am all-you-can-eat Salatbüffet bedienen. Den Bedarf habe ich nicht, ich will nur Fleisch und Pommes. Mehr habe ich auch nicht auf dem Teller und das Steak ist okay.
Unterkunft: Fairfield Inn by Marriott (84 EUR über Expedia) Gefahrene Meilen: 217
Sa 16.09. Flagstaff – Sedona
Auch im Fairfield Inn gibt es ein kleines Frühstücks-Büffet. Nicht ganz so ansprechend wie im Holiday Inn, aber man wird satt. Mir gefallen die Egg McMuffins in der Tüte, die man in die Mikrowelle haut. Eklig aber lustig. Und frische Waffeln kann man sich hier auch backen.

Flagstaff ist wie wenige andere Städte in den USA bis heute vor allem durch die Eisenbahn geprägt. Das Visitor Center ist denn auch im historischen Bahnhofsgebäude untergebracht und bietet sich als Startpunkt für einen Bummel durch die liebevoll rausgeputzte Altstadt an – wenn man bei einem Ort, den es erst seit 1882 gibt, davon sprechen kann. Wobei: man kann. Page wurde ja zum Beispiel erst 1957 gegründet.

Dann fahren wir auf er 89a durch den Oak Creek Canyon Richtung Sedona. Schön, mal wieder durch grünen Wald und blühende Blumenwiesen zu kommen nach den Tagen in der Wüste. Wir halten am Oak Creek Vista Point, wo man sich beim Blick in den Abgrund gruseln kann. Zum Gruseln ist außerdem der Indianerkitsch, der an die zahlreichen Besucher verkauft wird. Heute ist Samstag und das herrliche Wetter hat anscheinend alle nach draußen gelockt. Dabei wurde vor zwei Tagen noch davor gewarnt, sich im Oak Creek Canyon aufzuhalten: akute Erdrutsch- und Flash Flood Gefahr wegen des Regens. Ist aber nichts passiert. Der Parkplatz am West Fork Trailhead ist jedenfalls überfüllt. Schade, denn da wollten wir eigentlich ein bisschen wandern. Auch am Slide Rock State Park ist es sehr voll, also fahren wir direkt weiter nach Sedona.

Sedona gilt als einer der schönsten Orte der USA. Seit New Age Jünger und Künstler vor Jahren die Stadt zwischen den roten Felsen wachgeküsst haben, sind die Immobilienpreise durch die Decke gegangen. Und wirklich: hier gibt es traumhafte Häuser zwischen den Bäumen (Sedona ist sehr grün) mit ebenso traumhaften Aussichten, die sich harmonisch in die Landschaft einpassen. Heute ist aber die Hölle los: in Busladungen sind die Touristen eingefallen und den Souvenirläden und Galerien, die schätzungsweise 70 Prozent der Einzelhandelsfläche in Sedona belegen, dürfte ein umsatzreicher Tag gewiss sein. Ich will mir gar nicht vorstellen, in was für Wohnungen dieser ganze Dekoschmock landet. Sedona kommt uns vor wie das Rüdesheim von Arizona.

Wenn man aber den Blick mehr auf die Landschaft als auf die Schaufensterauslagen richtet, muss man begeistert sein von der Stadt. Nach einem Lunch und einem sehr guten Kaffee fahren wir einfach kreuz und quer durch Sedona. Auf dem Red Rock Loop erreicht man einige der schönsten Aussichtsplätze und Cathedral Rock Crossing im Red Rock State Park, eine Furt im Oak Creek, um die herum es allerlei Bade- und Picknickplätze gibt. 7 Dollar kostet der Eintritt. Lohnt sich nicht unbedingt, wenn man nur ein Foto vom Fluss vor dem hoch aufragenden Felsen machen will, aber wo wir schon mal hier sind...

Zum Sonnenuntergang fahren wir dann hoch zum kleinen Flughafen von Sedona. Von hier hat man einen tollen Blick auf die Stadt und die orange glühenden Berge drumherum.
Auf dem Weg zurück durch den Oak Creek Canyon erschrecken wir erst vor dem Rauch und Brandgeruch. Schon wieder ein Waldbrand wie im Frühjahr? Nein, die Schwaden steigen von den zahlreichen Campingplätzen auf. Hier wird gerade das abendliche BBQ angefeuert. Appetit macht der Gestank nicht grad, aber zurück in Flagstaff fahren wir gleich zur Beaver Street Brewery zum Abendessen. Kleine Brauereien sind meistens eine sichere Bank für gutes Essen und vor allem gutes Bier in Amerika – die in der Beaver Street macht keine Ausnahme. Während wir an der Bar auf unseren Tisch warten, probiere ich schon mal das sehr süffige Red Ale. Komischerweise gibt es ja in Deutschland kaum rotes Ale. Stattdessen macht man Limettensaft oder anderen Quatsch ins Bier. Schnickschnack! Mein Steak übertrifft dann sogar noch das Bier: ein Rib Eye mit Meersalz- und Pfefferkruste, dazu Mashed Skin Potatoes – köstlich. Eines der besten Steaks, die ich je gegessen habe. Dagegen war das bei Sizzler gestern echt Fastfood. Und nur 2 Dollar billiger.
Gefahrene Meilen: 107
So 17.09. Flagstaff – Petrified Forest – Canyon de Chelly - Kayenta
In der Nacht kriegen wir leider kaum ein Auge zu. Flagstaff macht seinem Image als Eisenbahnstadt alle Ehre: ein Güterzug nach dem anderen kündigt sein Kommen durch lautes Pfeifen an. Irgendwie muss der Wind anders stehen als letzte Nacht, denn da haben wir nichts gehört und das Hotel ist ja schon zwei, drei Meilen von den Schienen entfernt.

Mit dem Frühstück halten wir uns nicht lange auf – heute liegt mal wieder eine lange Fahrt vor uns. Kayenta in der Nähe des Monument Valley ist das Ziel und dabei wollen wir die versteinerten Bäume im Petrified Forest Nationalpark und den Canyon de Chelly mitnehmen. Das wird heftig.
Auf der Interstate 40 geht es nach Osten durch ganz viel leeres Land. Conny bezeichnet das als „Nichts mit Büscheln“, denn kleine Sträucher sind alles, was das Auge in der Landschaft findet. Hier bekommt man ein Gefühl für die Weite des Landes und ich muss unwillkürlich daran denken, wie die ersten Siedler mit ihren Ochsenkarren hier durchgezogen sind oder die Apachen und Navajos den Büffelherden folgten. Lange ist das noch nicht her. Die Gegend ist so flach, dass man noch nach 80 Meilen die San Francisco Peaks im Rückspiegel sehen kann.

In Holbrook fahren wir dann ab auf die 180. Die ist noch leerer als der Interstate Highway und jetzt sind wir wirklich am absoluten Nirgendwo. Nach 20 Meilen kommt man aber an den Südeingang des Petrified Forest Nationalparks, der größten Ansammlung versteinerter Bäume. Die waren vor Urzeiten umgefallen und im Schlamm luftdicht verpackt worden. So verrotteten die Stämme kaum, bis Silizium das organische Material verdrängte und so die Struktur der Bäume bis ins kleinste Detail für die Ewigkeit erhalten hat.

Erosion hat diese Versteinerungen dann mit der Zeit freigelegt und bevor alle Steine von Souvenirjägern und Andenkenhändlern geklaut werden konnten, erklärte die amerikanische Regierung das Gebiet zum Nationalpark. Die Steine, die man in den zahlreichen Läden um den Park herum kaufen kann, wurden außerhalb dessen Grenzen gefunden.


Wir halten am Visitor Center und am Crystal Forest, wo ein kleiner Rundweg durch jede Menge bunter Steine führt. Schon interessant das. In der Blue Mesa kann man blau und lila gestreifte Sandhaufen bewundern und am Newspaper Rock durch ein Fernglas auf einem Stein indianische Zeichen entdecken. An den Rock selbst darf man nicht ran. Hirnlose Zeitgenossen fanden es cool, zu den alten Zeichen die eigenen Initialen hinzuzufügen. Solche Leute gehen wahrscheinlich auch mit einem Edding in den Louvre.


Die Straße durch den Park führt dann über den Highway hinweg in das Gebiet der Painted Desert. Die Wüste hier ist tatsächlich ganz schön rosa. Aufregender als den bunten Sand finden wir aber die Pronghorn Antilope am Straßenrand. Leider ist sie etwas schüchtern und wendet sich um, als ich meine Kamera raushole. Mehr als zwei Stunden muss man für diesen Nationalpark nicht einplanen – außer man ist ein Mineralien-Freak. Sind wir beide nicht und so biegen wir gegen 13 Uhr wieder auf die 40 ein.

Um Richtung Norden zu kommen, muss man dann auf die 191 wechseln. Hier müssten wir eigentlich auch die Uhren umstellen, denn ab jetzt geht es wieder durch die Indian Reservation und die Navajos richten sich im Gegensatz zum Rest von Arizona nach der Sommerzeit. Hier gibt es wieder viel Nichts. Ich kenne mich wenig aus mit dem Status der Native Americans in den USA heute, aber vom Wohlstand der (weißen) Mittelklasse sind die Menschen, die hier leben, sehr weit entfernt. Diese Straße könnte auch durch Mexiko oder ein anderes Schwellenland führen, so ärmlich sind die Häuser, so heruntergekommen wirken Nester wie Klagetoh oder Many Farms. Der Spitzenplatz auf meiner Liste ist ihnen kaum zu nehmen. Immerhin: die modernsten Gebäude sind hier überall die Schulen und die Gemeindezentren.

An einer Tankstelle in der Nähe des historischen Hubbell Trading Post – diese Trading Posts versorgten die Ureinwohner nach der Vertreibung aus ihren Stammesgebieten in die Reservate mit dem Lebensnotwendigsten, denn Jagen war ja nicht mehr – gibt es tatsächlich einen Burger King, in dem wir unseren Hunger stillen, bevor es weiter durch Nichts geht. Am Canyon de Chelly wollen wir jetzt auf keinen Fall vorbeifahren, in Chinle ist der Abzweig. Da es sich bei dem Canyon um ein National Monument handelt, ist der Eintritt frei und man entscheidet sich einfach für eine der beiden Strecken entlang des Rims. Wir wählen die südliche Variante und halten an einigen Aussichtspunkten.

Vom Canyon sind wir sehr begeistert. Immer tiefer wird der Einschnitt, je weiter man ihn entlang fährt, bis die Wände 300 Meter steil abfallen. Am White House Overlook sieht man in der gegenüberliegenden Felswand Ruinen der Anasazi. So nennen die Navajos die vor ihnen hier lebenden Völker der Pueblo und Hopi. Der Canyon wurde nacheinander von verschiedenen Stämmen besiedelt, ehe die Navajos 1864 nach einem grausamen Gemetzel durch die Truppen von Colonel Carson vertrieben wurden. Vier Jahre später durften sie zurückkehren und nutzen bis heute den fruchtbaren Boden als Weide- und Ackerland. Deshalb darf man auch nur an einer Stelle ohne Führer in den Canyon hinabsteigen, eben am White House. Die zwei Stunden für diesen Weg haben wir aber nicht.

Wir fahren bis zum Spider Rock Overlook, jener frei aufragenden Felsnadel, die in keinem Bildband über den Südwesten fehlen darf. Dann geht’s zurück auf die 191. Je weiter man hier nach Norden fährt, desto mehr rote Felsen tauchen aus dem Nichts auf. In der gen Horizont wandernden Sonne geben die ein tolles Bild ab.
All zu sehr sollte man sich aber als Autofahrer nicht ablenken lassen, denn Kühe, Pferde, Esel und Ziegen ordnen Zäunen hier nicht unbedingt einen Zweck zu und trotten schon mal mitten auf der Straße. Das gilt auch entlang des Highway 160, dem wir nach Westen Richtung Kayenta folgen. Um 19 Uhr sind wir am Best Western Hotel. Das ist leider etwas zu spät, um noch den Sonnenuntergang im Monument Valley mitzunehmen, aber das ist uns auch völlig egal. Wir sind ziemlich erledigt von der langen Fahrt und geben uns sogar mit Chips und Brezeln als Abendessen zufrieden.
Unterkunft: Best Western Wetherhill Inn (98 EUR über Expedia + Navajosteuern) Gefahrene Meilen: 389
Mo 18.09. Monument Valley - Moab

Trotz einer Stunde Zeitverschiebung sind wir früh wach, um das Monument Valley im Morgenlicht zu erwischen. Nach einem kurzen Frühstück (die Qualität des inbegriffenen Continental Breakfast nimmt irgendwie immer mehr ab) sind wir schon um 9 Uhr am Eingang zum Monument Valley, das genau auf dem 37. Längengrad und damit auf der Staatsgrenze zwischen Utah und Arizona liegt. Ist aber auch egal, welcher US-Bundesstaat, denn bis zum San Juan River ist das hier alles Navajoland. So gehen denn auch die Einnahmen durch den steten Besucherstrom an die Ureinwohner. Wir zahlen 5 Dollar am Eingang und dürfen mit dem eigenen Auto auf einem 17 Meilen langen Rundkurs zwischen den steil aufragenden Felstürmen durchfahren.

Sorgen um den Zustand des Mietwagens machen wir uns keine, denn das ist besser so. Rein versicherungstechnisch dürften wir diesen Weg gar nicht fahren, mit „unpaved“ ist der Zustand der „Straße“ nicht hinreichend beschrieben. Nach der ersten Meile den Hang hinunter hat man aber das schlimmste überstanden und so freuen wir uns über das klassische Panorama, das The Mittens und Merrick Butte vor uns abgeben.

Elf Scenic Points gibt es anzusteuern, wobei die Schönheit der Aussicht variiert. Insgesamt lohnt sich die Runde aber auf jeden Fall. Mehr könnte man sicher auf einer der von den Navajos geführten Touren durch das Gebiet sehen. Die sind sehr gut frequentiert, zumal sich nicht jeder Tourist mit seinem Mietwagen auf die Buckelpiste traut. Wir finden, rot steht dem Wagen ganz gut.

Nach 75 Minuten sind wir wieder am Parkplatz vor dem Visitor Center, wo mich gleich ein Tourist anspricht, wie wir das denn geschafft hätten, da runterzufahren. Meine Antwort: „Skills, man, skills!” Auf dem sauber geteerten Highway 163 fahren wir dann weiter Richtung Norden, nicht ohne am Milemarker 13 das berühmte Panoramabild zu machen.

Kurz hinter Mexican Hat (das Nest heißt so, weil hier ein Felsen steht, der aussieht wie der Kopf eines Sombreroträgers) biegen wir ab auf die 261 und dann gleich nochmal links auf die 316 zu den Goosenecks. Hier hat der San Juan tiefe Schleifen ins Plateau gegraben, die Kanalbauer nicht geometrischer hätten anordnen können. Wir halten uns hier aber nicht lange auf, sondern kehren zurück auf die 163 und bei Bluff auf die schon bekannte 191 Richtung Norden.

Weit im Osten sehen wir schneebedeckte Berggipfel. Das sind aber schon die Rocky Mountains, die dürfen das. Sind ja schließlich über 4.000 Meter hoch. Auf den etwas niedrigeren Blue Mountains zur Linken liegt kein Schnee und auch auf den bald vor uns auftauchenden Manti-La-Sal-Mountains nicht. Davor liegt Moab, da wollen wir hin. Vorher wollen wir aber schon mal einen Blick auf die Canyonlands werfen. Dazu biegen wir 20 Meilen hinter Monticello Richtung Needles Overlook ab. Die Straße führt durch eine Steppenlandschaft, in der sich einige Pronghorn Antilopen tummeln, und in der immer wieder schön anzuschauende Gesteinsformationen liegen.


Zum Needles Overlook führt eine 22 Meilen lange Straße in bestem Zustand. Der Blick vom Canyonrand ist atemberaubend. So weit das Auge reicht Canyons, Canyons, Canyons, durchzogen nur von einigen Feldwegen und natürlich einigen Flüssen, allen voran der Colorado, den man leicht am grün gesäumten Ufer erkennt. Im Süden ragen die Felsspitzen der Needles auf.

Da es noch recht früh am Nachmittag ist, fahren wir gleich noch zum Anticline Overlook weiter, zu dem nicht weit vom Needles Overlook eine 16 Meilen lange Schotterpiste abzweigt.

Entfernungen sind das hier... 50 Kilometer Schotterpiste - das bedeutet eine neue Farbe für unseren Pontiac: weiß. Von der Road könnten sich die Navajos im Monument Valley eine Scheibe abschneiden, sie ist völlig ohne Rillen und Schlaglöcher. Trotzdem zieht sich der Weg ganz schön.

Der Anticline Overlook ist nur wenige hundert Meter vom berühmten Dead Horse Point Overlook entfernt – aber halt auf der anderen Seite des Canyons! Wir haben direkten Blick auf die violett und blau schimmernden Pottasche-Felder am anderen Flussufer. Das erinnert uns daran, dass hier lange vor den Touristen und nur kurz nach den Viehzüchtern erst die Mienengesellschaften die Landschaft einigermaßen erschlossen haben. Der Uran-Boom in Moab ist ja zum Glück schon ein paar Jahrzehnte her, aber Pottasche ist ein wichtiger Zusatz für Schmierseife, Dünger, Farben und andere Dinge, ohne die wir nicht mehr auszukommen glauben. Und die wird hier gewonnen.


Dank der riesigen Entfernungen sind wir dann erst um 17 Uhr endlich in Moab. Hier haben wir uns für ein Bed & Breakfast entschieden – eine sehr gute Wahl. Das Cali Cochita (zu deutsch „Haus der Träume“) ist ein bezauberndes B&B, bestehend aus einem viktorianischen Haupthaus und einigen kleineren Lodges im Garten, in einer davon wohnen die Besitzer Kim und David. Kim empfängt uns sehr herzlich und führt uns herum. Unser Zimmer ist mit einem sehr kuscheligen Bett ausgestattet, das so hoch ist, dass man eine kleine Leiter benötigt, um reinzusteigen. Die Einrichtung des ganzen Hauses ist bis ins letzte Detail liebevoll arrangiert – hier fühlen wir uns sofort wohl.

Außerdem ist das Haus grad die Straße runter zu Eddie McStiff’s. Da nisten wir uns zum Essen auf der Terrasse ein, die (noch) in den wärmenden Strahlen der Abendsonne liegt. Das Ale ist vorzüglich und auch das Steak kann was. Nicht ganz so viel wie das in Flagstaff, aber die Latte liegt halt jetzt auch ziemlich hoch. Immerhin: im Bauch ist noch Platz für einen Mudd Pie, den schaufeln wir uns zu zweit rein. Nach einem Verdauungsspaziergang entlang der Main Street fallen wir zufrieden ins Bett.
Unterkunft: Bed & Breakfast Cali Cochita (140 Dollar) Gefahrene Meilen: 275
Di 19.09. Moab: Needles
Unsere Frühstückskurve zeigt jetzt wieder steil bergauf. Nix mehr „Continental Breakfast“. Was David vom Cali Cochita jeden Morgen zaubert, ist vom Feinsten. Um 8 Uhr werden alle an den großen Esstisch gebeten und es ist schön, in Gemeinschaft zu frühstücken. Mit uns ist ein weiteres deutsches Paar im B&B, dazu sitzen drei amerikanische Couples aus Colorado, Wisconsin und Tennessee am Tisch. Wir unterhalten uns prächtig und quatschen uns auch etwas fest - es ist nach 9 Uhr, als wir aufbrechen. Heute stehen wir vor der Wahl: Arches oder Needles. Wir entscheiden uns für die Needles, denn ich habe keinen Bock mehr auf das ständige Ansteuern von View Points. Ich will mal wieder zu Fuß gehen.

Bis in den Park ist es dann aber ein ganz schöner Tampen. Etwa 40 Meilen südlich von Moab zweigt erst die 211 von der 191 Richtung Canyonlands NP ab. Diese Straße gehört dann aber sicher zu den schönsten Strecken, die wir je gefahren sind. Es geht durch das grüne Tal des Indian Creek, Rinder grasen am Ufer unter den riesigen Bäumen und rechts und links ragen steil die Felsen empor. Dieses Tal muss den Vergleich mit dem des Virgin River im Zion Park nicht scheuen. Dabei kommt man auch am berühmten Newspaper Rock voller Petroglyphen vorbei. Toll.


Das Tal wird dann immer breiter, die Straße verlässt das Flussufer und gibt den Blick frei auf die Six Shooter und andere Felsformationen im Süden des Canyonlands National Park. Irgendwann erreicht man dann auch den eigentlichen Eingang des Parks, von da sind es immer noch fast 10 Meilen bis zum Trailhead am Elephant Hill, wobei das letzte Stück über eine enge Dirt Road führt. Ist aber kein Problem für unser Auto.

Erst lange nach 11 Uhr erreichen wir den Parkplatz, eigentlich schon fast zu spät für die Tour zum Chesler Park. Aber wir haben schon festgestellt, dass wir schneller laufen, als in den Zeitangaben der einschlägigen Wanderführer steht. Also los. Es geht direkt steil bergan – da ist der Körper doch gleich auf Touren. Nicht dass man sich heute warm machen müsste – es ist der heißeste Tag seit langem.

Der Trail ist äußerst abwechslungsreich und verläuft über Plateaus, durch Felsspalten und Canyons. Man muss nur aufpassen, keines der Steinmännchen zu verpassen, zumal hier abseits des Trails die sogenannte „kryptobiotische Kruste“ den Boden bedeckt. Das sind kleine Organismen, die Wasser und Nährstoffe speichern und an die dann wurzelnden Pflanzen abgeben. Ohne diese Organismen, die eine schwarze Schicht bilden und als kleinen Türmchen aufragen, wäre hier nichts als Sand, der vom Wind über die Felsen geweht würde. „Don’t Bust the Crust“ ist das Motto, also immer schön auf dem Weg bleiben. Wenn man ihn denn findet...


Nach zwei Meilen kommt ein weiterer steiler Anstieg, jetzt geht es zwischen den Needles auf ein von Felstürmen umgebenes Hochplateau – Chesler Park. Die Aussicht ist grandios! Ein Rundweg führt in einem großen Bogen um das Plateau, wobei es durch Steppe, Sand und über Felsen geht.

Ziemlich anstrengend ist die Strecke über eine Sand Road in der prallen Mittagssonne. Entschädigt werden wir aber durch die enge Felsspalte, durch die wir uns auf dem Joint Trail quetschen. Mehr als einen halben Meter ist die Spalte an manchen Stellen nicht breit und einige Seitencanyons sind noch enger. Lustig.

Nach gut 10 Meilen zurück am Auto sind wir dann allerdings ziemlich erledigt. Sechs Stunden haben wir benötigt, inklusive einiger Pausen. Hat Spaß gemacht

Der Rückweg in der Nachmittagssonne ist Fahrvergnügen pur, die Landschaft lässt einen einfach nur staunen. Wenn da nicht das ganze Viehzeug wäre, das uns auf der Straße entgegen kommt. Die „Open Ranch“-Schilder sollte man wörtlich nehmen und gleich Hirsche und Truthähne mit einschließen.

Großartigerweise verfügt das Cali Cochita über einen Whirlpool im Garten. Der kommt nach der langen Wanderung natürlich gerade recht. Zum Abendessen lasse ich mich von Conny zu einem Besuch beim Italiener überreden. Pasta Jay’s auf der Main Street von Moab ist denn auch eine gute Wahl. Auch hier kann man schön draußen sitzen, das Garlic Bread ist wie in der Pizzeria daheim, die Pasta frisch gemacht und der Rotwein lecker. Außerdem amüsieren wir uns über die beiden Österreicher am Nebentisch, die es gar nicht lustig finden, von der Bedienung in Verbindung mit der DEUTSCHEN Reisegruppe drinnen gebracht zu werden...
Gefahrene Meilen: 162
Mi 20.09. Moab: Arches
Morgens ist es noch so schön, dass das Frühstück im Garten stattfindet. Absoluter Knaller sind Davids „sticky buns“, in einem Pecan-Zimt-Honig gewälzte Teigbälle. Hmm...

Leider versaut uns das Wetter dann den Besuch des Arches National Park. Kaum aus Moab raus, zieht es sich zu. Schöne Fotos gibt das schon mal nicht. Wir fahren direkt in den hintersten Teil des Parks, Devils Garden, weil wir die kleine Wanderung dort wenigstens noch im Trockenen absolvieren wollen. Im Vergleich zu den Needles gestern ist Arches total überlaufen. Aber es ist halt auch einfach: viele bekannte Bögen und Formationen liegen direkt an der Straße. Ein Drive-Thru-National Park sozusagen.

Im Devils Garden machen sich dann aber doch auch viele (deutsche) Besucher zu Fuß auf den Weg, denn der lohnt sich. Nach nicht mal einer Meile ist man schon am Landscape Arch, dem längsten Bogen im Park.

Weniger Leute gehen dann weiter Richtung Double O Arch, denn der Weg schließt einiges an Kletterei über die Felsen ein und das geht in Stöckelschuhen und Flip Flops natürlich nicht. Wir hatten am Frühstückstisch Wunder was für Gruselgeschichten über den Grat gehört, den es auf dem Weg zu überwinden gilt. Aber, hey, Kindergeburtstag. Der Felsrücken ist bestimmt drei Meter breit, links geht es vielleicht vier Meter nach unten, rechts dafür zwar gut und gerne 100, aber wenn man sich etwas gegen den Wind stemmt, ist das kein Hindernis. Nach gut zwei Meilen sind wir am Doppelbogen.

Auf dem Rückweg gehen wir noch am Partition Arch vorbei, einem weiteren doppelten Bogen. Dann fängt es auch schon an zu nieseln. Also zurück ins Auto und den „Rest“ des Parks auf später verschieben.

Die Pause kommt uns nicht ganz ungelegen: Conny schleppt schon seit ein paar Tagen eine leichte Erkältung mit rum und kann sich nun etwas aufs Ohr legen. Ich lasse im City Market mal wieder ein paar Bilder auf CD ziehen und checke noch das Weinangebot im örtlichen State Liquor Store. Im Supermarkt gibt es ja in Utah nur Dünnbier, ansonsten kriegt man Alkohol nur in staatlichen Läden. Ich finde ja, dass das was von Doppelmoral hat, aber na ja. Man bekommt hier jedenfalls Weine von allen drei Winzern in Moab, den einzigen in ganz Utah. Da nehme ich doch ein paar Fläschchen mit.
Zum Glück ist es im Cali Cochita so gemütlich, denn das Wetter wird nicht mehr besser. Arches können wir knicken für heute. So gehen wir ziemlich früh zum Abendessen in die Moab Brewery. Hier ist der Teufel los: das schlechte Wetter hat alle in die Kneipen getrieben. Wir wollen keine 20 Minuten auf einen Tisch warten und nehmen daher im Barbereich Platz, wo es 15 Minuten dauert, bis sich ein Kellner uns erbarmt und die Bestellung aufnimmt. Nicht wirklich was gewonnen. Ein gediegener Abend sieht zwar anders aus, aber übers Essen kann man nicht meckern und übers Bier schon gar nicht. Am End nehme ich noch zwei T-Shirts mit, wir haben eh noch nichts eingekauft.
Gefahrene Meilen: 54
Do 21.09. Moab – Goblin Valley – LWHC - Torrey
Heute beeilen wir uns mal mit dem Frühstück und verabschieden uns von Kim und David. Ins Gästebuch schreiben wir noch, dass wir auf jeden Fall wiederkommen werden. Das Cali Cochita hat uns sehr gut gefallen. Und in Moab gibt es noch so viel zu unternehmen: Rafting auf dem Colorado, eine Fahrt durch die La Sal Mountains und natürlich unzählige Touren in den Canyonlands.

Weil die Sonne morgens lacht, für später aber schon wieder Regen angesagt ist, machen wir uns zeitig auf in den Arches NP. Den Delicate Arch wollen wir auf jeden Fall im Sonnenlicht sehen. Die Wanderung dahin macht Spaß. An einem uralten Farmhaus vorbei geht es über glatte Felsen und am Ende einen schmalen Sims. Dann biegt man um eine Ecke – und der Arch steht vor einem. Für diesen Anblick wurde das Adjektiv „majestätisch“ wohl erfunden. Der Bogen ist auch viel größer als wir ihn uns vorgestellt haben und von dem tiefen Loch direkt davor ist auch auf keinem Foto was zu sehen. Der Delicate Arch ist auf jeden Fall eines der Highlights der Reise.

Auf dem Rückweg schauen wir noch nach den Petroglyphen kurz vor dem Parkplatz, dann ziehen sich auch schon wieder Wolken zusammen. Wir fahren noch zum Double Arch. Dann wird es so grau am Himmel und der Park auch so voll, dass wir beschließen weiterzufahren. Immerhin steht heute noch ein bisschen Programm an.

Näxt Stop: Goblin Valley! In das Tal voller knubbeliger Felsen führt ein Abzweig vom HW 24, den wir nach zwei Mal Linksabbiegen erreicht haben. Das erste Mal nach 30 Meilen hinter dem Arches Nationalpark von der 191 auf die Interstate 70, das zweite Mal nach weiteren 34 Meilen eben auf die 24. Die führt entlang der San Raffael Swell nach Südwesten weitgehend durch Nichts. Aber die Berge sind hier nett anzusehen weil bunt gestreift. Nach 23 Meilen erreicht man die bestens ausgeschilderte Straße zum State Park. Auf der fährt man noch mal 20 Meilen (für hiesige Verhältnisse ein Katzensprung) bis zur Ranger Station. Der Eintritt kostet 5 Dollar und wir erkundigen uns gleich, ob der Little Wild Horse Canyon in der Nähe sicher zu betreten ist. Den wollen wir auf jeden Fall noch besuchen. Jetzt aber erstmal zu den Goblins.

Goblin Valley ist wirklich ziemlich drollig. Vor allem im hinteren Bereich gibt es unzählige, dicht beieinander stehende Felsen, die tatsächlich an Gnome erinnern. Oder an die Häuser der Schlümpfe. Die Formationen sind nur hier zu finden und auf unterschiedlich feste Sandsteinschichten zurückzuführen. Wie Pilzköpfe sind die härteren Felsen auf den weicheren Unterlagen liegen geblieben. Wir spazieren eine ganze Weile zwischen den Goblins umher, aber der Blick zum Himmel verspricht schon wieder nichts Gutes. Nach einem kurzen Snack am Picknickplatz fahren wir daher weiter auf einer Dirt Road zum LWHC. Die ist mal in einem Topzustand! Kurz vor Ende der Straße wissen wir warum, denn vor uns fährt eine Maschine, die die Strecke begradigt. Wir sind zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Der Little Wild Horse Canyon ist zwar einer der bekannteren Slot Canyons im Südwesten. Am Trailhead stehen aber nur drei weitere Autos und in den nächsten Stunden sehen wir gerade mal zwei Menschen. Der Canyon ist einfach spektakulär mit engen Stellen, die geformt sind wie in Antelope, Rillen wie in der Wave und steil aufragenden Wänden wie in den Zion-Narrows.

Wir haben uns eigentlich nicht viel vorgenommen, weil die Rangerin vorhin meinte, an einigen Stellen stünde das Wasser knöcheltief im Canyon, der Boden ist aber fast völlig trocken.

Vom Parkplatz aus geht man zunächst ein trockenes Flussbett entlang mit einigen knorrigen Bäumen am Ufer. Dann teilt sich das Tal in den Bell und den Little Wild Horse Canyon. Beide Schluchten kann man auf einem Rundweg verbinden. Das schaffen wir aber schon zeitlich heute nicht, deshalb wollen wir nur so weit wie es geht in den LWHC reingehen. Dazu muss man über einen Felsabbruch klettern, der aber kein größeres Hindernis darstellt. An einigen Engstellen im Canyon selbst muss man später noch weit unüberwindlicher scheinende Felsen erklettern. Uns macht das hier aber richtig Spaß!

Wir entdecken auch ausgespülte Löcher in den Felswänden, die, wenn man das Foto davon auf den Kopf stellt, aussehen wie Erhebungen aus dem Stein. Sehr lustig das.

Nach einer Stunde wird der Canyon dann weiter. Hier machen wir kehrt, denn den aufregendsten Teil haben wir jetzt passiert und mehr Zeit ist auch nicht. Wir wollen aber auf jeden Fall irgendwann mal zurückkommen und dann den Rundweg gehen. Um 17 Uhr sind wir zurück am Auto und fahren wieder auf die 24. Übrigens bei schönstem Wetter. Die Wolken von vorhin sind weitergezogen.

Vor uns ragen die Henry Mountains auf, eines der letzten Stücke unberührter Wildnis der USA, wo angeblich noch wilde Bisons grasen. Bei Hanksville (Liste bitte!) biegt der Scenic Highway dann nach Westen ab und geht entlang des Fremont River. Damit wechselt auch die Landschaft komplett, denn statt Steppe und bunter Felsen fährt man jetzt durch grünes Farmland. Wie so ein Wasser führender Fluss alles verändert!

Dann muss ich wieder mal scharf bremsen: vor uns steht ein Wasser triefender dreibeiniger Hund auf der Straße. Kein Witz! Ich bitte Conny, doch mal aufzuführen, was uns hier schon alles vor den Kühler gelaufen ist. Mit dem Leben davongekommen sind: zwei Kojoten, Truthähne, Kühe, ein Esel, diverse Pronghorn Antilopen, zwei Hirsche, eine Pferdeherde und jetzt dieser erbärmliche Köter. Von den Streifenhörnchen ganz zu schweigen. Erwischt haben dürfte ich ein kleines Vögelchen. Gibt dafür aber weder Spuren noch Zeugen.

Die Straße führt dann mitten durch den Capitol Reef National Park, der vor allem durch jenen Fremont River geprägt ist. Hier wachsen sogar Obstbäume, an denen sich die Besucher kostenlos bedienen können. Sehr idyllisch und früher sicher ein Paradies für die mormonischen Siedler. Immerhin ist ringsherum nichts als Wüste, dazu die steil aufragende Verwerfung der Waterpocket Fold.
Gleich hinter dem Westeingang des Parks liegt das Städtchen Torrey, Zentrum des Tourismus in dieser Gegend. Die Hotels stehen ziemlich verstreut entlang der 24, die im Ort die Main Street darstellt. Das Best Western ist gleich die erste Unterkunft nach dem Park und bietet einen wunderschönen Blick auf das steile Capitol Reef. Hier checken wir ein, fahren dann aber doch noch mal nach Torrey rein und besorgen uns Burger und Pommes bei Brink’s, einem ziemlich trostlosen Diner mit Plastikstühlen und gekachelten Wänden. Das Essen hat alles die gleiche Farbe, schmeckt aber okay. Und heute Abend muss es unbedingt Fast Food sein, denn in der Glotze kommt die erste Folge der neuen „Emergency Room“-Staffel...
Ich fahre später noch mal raus aus der „Stadt“, denn ich will den Sternenhimmel sehen. Eine Meile außerhalb der City Limits ist es stockfinster. Nicht so dunkel wie bei uns in der Nacht, sondern wirklich pechschwarz. Man sieht nichts, man hört nichts. Der einzige Sinnesreiz sind die glitzernden Diamanten, die am Himmel über einem ausgeschüttet sind. Sagenhaft!
Unterkunft: Best Western Capitol Reef (80 EUR Über DERTour) Gefahrene Meilen: 237
 
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