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Do 09.10. Portland – Rockland - Camden – Bar Harbor
Eine Woche sind wir jetzt schon unterwegs. Kinder, wie die Zeit vergeht. Heute stand ein langer Fahrtag an, so schauten wir, dass wir zeitig in Portland loskamen. Dass ich gestern Abend noch die ganze Flasche New Yorker Riesling leeren musste, macht das nicht gerade einfacher, aber man ist ja Profi.
Frühstück wollten wir unterwegs einnehmen. Als wir uns Freeport nähern, fällt mir ein, dass ich dort gestern gegenüber von L.L. Bean ein Café mit dem verlockenden Namen „Isabella’s Sticky Buns“ gesehen hatte. Nix wie hin. Natürlich probieren wir dann auch die Sticky Buns – Hefeteig mit Zimt, jeder Menge Sirup drauf und Pekan-Nüssen. Lecker! Dazu gibt es Rührei mit Süßkartoffeln für Conny, ein Egg Sandwich für mich. Macht zusammen pappsatt!
 Bald hinter Freeport, in der Schiffbau-Stadt Bath, verlassen dann auch schon die Interstate und fahren ab jetzt wieder die Route 1. Ein Wort noch zum Wetter: in der Nacht hatte es geregnet und vormittags ist es noch entsprechend trüb und grau. Ganz ungewohnt für uns. So fahren wir fast ohne Unterbrechung bis Rockland. Dort fällt mir ein, dass Pemaquid Point auch bei nicht so dollem Wetter ja durchaus einen Umweg wert gewesen wäre, um den durch das Gemälde von Edward Hopper berühmt gewordenen Leuchtturm anzuschauen. Zu spät.


In Rockland vertreten wir uns die Beine auf der Mole aus groben Granitblöcken, die zum Breakwater Lighthouse in der Bucht führt. Die ist jetzt bei Ebbe eine Art All-you-can-eat-Büffet für die Möwen. Fast jede hat einen Seestern oder Seeigel im Schnabel. Fachgerecht zerlegt, bleibt von denen nichts übrig außer einer leeren Schale. Es gibt so viel zu fressen, dass die Vögel sich nicht mal streiten müssen.



Wie bestellt kommt jetzt auch die Sonne durch die Wolken – verspricht also noch ein schöner Tag zu werden. Jetzt lassen sich auch die vorgelagerten Inseln immer besser ausmachen.


Nur ein paar Meilen weiter liegt das Bilderbuch-Hafenstädtchen Camden auf der Route. Hier bummeln wir ein bisschen am Yachthafen und ich esse eine Seafood Chowder zum Lunch. Werde hier noch zum Suppenkasper. Aber so ein Cup Chowder geht halt immer.

Bei nun schönstem Sonnenschein fahren wir rauf auf den Mount Battie im Camden Hills State Park. 3$ kostet der Spaß – und die Aussicht von da oben auf Camden und die Umgebung ist jeden Cent davon wert. Vielleicht DAS New England-Panorama schlechthin.

Hier gibt es auch tolle Wanderwege, leider haben wir zum Wandern heute aber keine Zeit. Das muss warten bis wir im Acadia Nationalpark sind. Weiter auf der 1, die hier oben endgültig zur Traumstraße wird. Wir passieren tief eingeschnittene Buchten, Seen und kleine Orte mit weißen Kirchen. Dazu leuchten die Bäume in Farben, dass es einen einfach nur staunen lässt. Hier in Maine nähern wir uns so langsam der „High Color“-Phase.


Noch durch das rummelige Elsworth mit seinen Malls und Fast-Food-Restaurants, dann nähern wir uns Bar Harbor. Wir haben in einem Bed & Breakfast, dem Graycote Inn, reserviert. Nicht ganz billig, aber morgen habe ich ja Geburtstag und man gönnt sich ja sonst nichts. Der Betreiber Roger begrüßt uns und wir beziehen unsere „Otter Cliff Suite“. Sehr niedlich.


Den Magen füllen wir mit zwei schönen Stücken Fleisch in „Jack Russel’s Steakhouse & Brewery“. Mein 16-unziges (!) NY Strip ist auf den Punkt gebraten und auch Connys gegrilltes Rib-Eye kann was. Dazu lecker Garlic Mashed Potatoes. Am End schaufeln wir uns auch noch einen köstlichen Brownie mit Vanille-Eis rein. Da tut ein Verdauungs-Spaziergang durch Downtown Bar Harbor dringend Not. Der Ort gefällt uns auf den ersten Blick und wir freuen uns auf die nächsten Tage im Acadia Park.

Übernachtung: Graycote Inn, Bar Harbor, 181$ Gefahrene Meilen: 170
Fr 10.10. Bar Harbor – Acadia National Par
Happy Birthday to me! Ach ja, Geburtstag im Urlaub ist doch immer nett. Wobei es natürlich schwierig ist, da etwas Besonderes zu unternehmen, denn das tun wir jetzt eh schon seit einer Woche. Probieren wir also, diesen Tag extra-super zu gestalten.

Los geht’s mit dem Frühstück. Im Wintergarten des Graycote Inn sind leider alle Plätze belegt, so setzen wir uns im Wohnzimmer zu einer amerikanischen Familie an den großen Tisch. Auf den ersten Blick Mutter mit drei Kids und der Opa – aber denkste: das ist Dad. Seit gestern schlappe 76 Jahre alt, wie einer der Kleinen stolz herauskräht. Die Jüngste der Familie feiert heute Geburtstag. Da schau an. Sechs ist sie geworden und es gibt einige Geschenke zum Auspacken. Ich überschlage kurz im Kopf und komme zu dem Ergebnis, dass ich noch doppelt so alt wie jetzt werden könnte, um unserem Oberhaupt hier in Sachen Familienplanung nachzukommen. Noch Zeit also...

Jedenfalls ist die ganze Familie sehr nett, die Kinder mehr als wohlerzogen. Aus der Nähe von Augusta kommen sie, der Hauptstadt von Maine, und verbringen das Geburtstags-Wochenende in Bar Harbor. Wie überhaupt einige Gäste genau das zu tun scheinen, denn alle fünf Minuten wird aus der Küche ein Teller mit einer kleinen Kerze drauf nach draußen getragen. So ein Bohei lasse ich um mich aber nicht veranstalten, sondern esse in aller Ruhe das (sehr gute) Kräuteromelette, den Toast und die Melone.

Nach dem Frühstück starten wir in den Acadia National Park. Erster Stopp: das Visitor Center. Wie von jedem besuchten Nationalpark gehen ein Bildband sowie ein Magnet für den Kühlschrank mit. Außerdem zahlen wir hier die 20$ Entrance Fee. Jetzt können wir uns eine Woche lang kreuz und quer durch den Park bewegen. Die Schlange am Schalter ist übrigens riesig: das sagenhafte Wetter zum langen Columbus Days Weekend hat einige hier rausgelockt.


Den meisten amerikanischen Touristen kann man aber mit verlässlicher Sicherheit aus dem Weg gehen, indem man wandert. Das wollen wir tun, nämlich auf den Champlain Mountain, benannt nach dem Entdecker, der vor sage und schreibe 400 Jahren der Insel den Namen „Isle de Monts Desert“ gab, weil darauf außer Pinien, Fichten, Birken und blanker Granitgipfel nicht viel zu finden war. Später wusste man die Gegend mehr zu schätzen und so kauften die gleichen Steinreichen, die schon in Newport ihre Paläste stehen hatten, im vorletzten Jahrhundert das Land auf. Schon 1919 wurde hier aber der erste Nationalpark östlich des Mississippi gegründet, der seit 1929 den romantischen Namen „Acadia“ trägt. Dass man hier so eine tolle Herbstfärbung erleben kann, ist übrigens dem großen Waldbrand von 1947 zu verdanken. Statt Fichten wuchsen vor allem Laubbäume nach, die jetzt in allen Farben leuchten.

Aber zurück zum Champlain Mountain. Der ist 323 Meter hoch, was auf dem Papier noch keine Angst einflößt. Das Problem: der Großteil dieser 323 Meter steht als senkrechte Wand nun vor uns. Hinauf führt der Precipice Trail, der härteste Trail im ganzen Park. Er wird gar nicht erst als Wanderweg aufgeführt, sondern als „non-technical climbing trail“. Bedeutet: anseilen muss man sich nicht, aber eher klettern als laufen.



Das ist denn auch nicht übertrieben, macht aber trotz aller Anstrengung richtig Spaß. Wir klettern über Granitfelsen und manchmal auch darunter hindurch. Einige Stellen sind mit Eisentritten gesichert, einige gilt es mit einer Leiter zu überwinden. Eine schweißtreibende Angelegenheit, dafür wird man mit einmaligen Ausblicken belohnt.



Nach gut einer Stunde ist dann die ärgste Kraxelei überstanden und es geht zwischen Kiefern und Wacholderbüschen das letzte Stück zum Gipfel. Tief unter uns liegt Bar Harbor. In der Bucht hat sehr dekorativ ein Kreuzfahrtschiff geparkt.


Hier oben weht allerdings ein heftiger Wind und so machen wir uns bald wieder an den Abstieg. Der verläuft geradezu gemächlich, obwohl auch er Trittsicherheit und gutes Schuhwerk erfordert.



Schade: ein Erdbeben hat vor einer Weile den Teil des Weges verschüttet, der den Trail zu einem Round-Trip zum Parkplatz macht. Soll erst nächsten Herbst wieder eröffnet werden. So müssen wir die letzte halbe Meile entlang der Straße zum Auto zurücklegen, Nach 2,5 Stunden haben wir es geschafft und sind ziemlich erledigt.

Wir fahren noch einige View Points entlang der Loop Road ab, die zum größten Teil als Einbahnstraße um den östlichen Teil des Nationalparks auf Mount Desert Island führt. Der weitaus größere Teil wird durch Carriage Roads erschlossen, also Feldwegen, auf denen Kutschen und Fahrräder, aber keine Autos, fahren dürfen. Und natürlich gibt es ein großes Netz von Wanderwegen.

Sehr gut gefällt uns der Sand Beach, wo man bei dem strahlenden Sonnenschein heute sogar einen kompletten Strandtag hätte einlegen können. Aber das Wasser wird hier nie wärmer als 15°C. Was einige Kinder nicht davon abhält, sich in voller Montur in die Wellen zu schmeißen.

An Klippen und Seen vorbei und durch leuchtend bunte Wälder fahren wir schließlich am frühen Nachmittag zurück nach Bar Harbor. Nach der anstrengenden Wanderung ist jetzt erstmal Pause angesagt.

Wir entscheiden uns dann für ein frühes Abendessen bei Galyn’s, einem gediegenen Restaurant in Hafennähe. Um die Uhrzeit muss man sich noch keine Sorgen um Reservierungen machen und so bekommen wir einen Tisch mit Blick auf die Bucht, die die untergehende Sonne jetzt in ein weiches Licht taucht. Sehr schön.
Immer wieder interessant: das Geschehen an den Nachbartischen. Sie, glühender Red Sox-Fan in entsprechender Kutte (heute ist das erste Spiel der Finalserie der American League), er Zopf, dicker Schnauzer, Taschenlampe und Messer am Gürtel. Man weiß ja nie, was kommt. Jedenfalls unterhält sie lautstark das Restaurant, als sie dem älteren Pärchen aus Wisconsin einen Tisch weiter erzählt, dass ja Maine ihr Lieblingsstaat ist und sie jedes Jahr herkommen. Dazu verspeisen die beiden riesige Steaks, die die Herdplatte nur für ein paar Sekunden zu spüren bekommen haben dürften. Wenn man alle Teile hat, kann man bestimmt noch das Tier zusammensetzen. Irgendwie gruselig.

Als Appetizer gönne ich mir eine (perfekte) Clam Chowder, zum Hauptgang eine Auswahl lecker gegrillter Meerestiere. Bei Conny hat es sich das Seafood zwischen Nudeln eingerichtet. Auch nicht schlecht. Wir schaffen es tatsächlich mal, ein Abendessen zu vertilgen, ohne danach bis zum Anschlag gefüllt zu sein. Das erste Mal auf dieser Reise, glaube ich.


Anschließend bummeln wir noch ein bisschen durch Bar Harbor, checken die Angebote in den zahlreichen Souvenirläden, wo jetzt zum Ende der Saison so ziemlich alles „on sale“ ist, und köpfen zurück im Graycote Inn noch eine Flasche Sekt. Prost!
Gefahrene Meilen: 37
Sa 11.10. Acadia National Park – Bass Harbor
Wir wollen nach dem Frühstück (Pancakes) den Tag mit einer kleinen Wanderung beginnen. Soll natürlich nicht ganz so anstrengend werden wie gestern, daher entscheiden wir uns für den Trail um Jordan Pond. Hört sich idyllisch an und ist es auch.


Den Parkplatz zum Trailhead kann man nicht verpassen. Liegt direkt an der Park Loop Road und ist mittags sehr überlaufen, weil hier am Jordan Pond House ein Restaurant ist. Jetzt um halb zehn morgens ist die Zahl der Autos noch überschaubar. Los geht’s.


Der Weg geht zuerst am östlichen Ufer entlang und weil das noch im Schatten liegt und ein geradezu eisiger Wind weht, frieren wir ganz schön. Das ändert sich, als wir in der Sonne weitergehen. Die Farben der Blätter sind mal wieder sagenhaft.



Am Westufer wird der Weg „rough“, wie es im Wanderführer hieß. Man klettert über Felsen (kein Vergleich zu gestern, denn wir bleiben schön dicht am See) und eine ganze Weile führt der Pfad auf Holzbohlen durch sumpfiges Gelände. Sehr schön zu laufen und nach 1,5 Stunden haben wir den See einmal umrundet.



An Seal Harbor und Northeast Harbor vorbei fahren wir dann am einzigen Fjord der USA entlang, den Somes Sound. Wir fragen uns, was eigentlich einen Fjord zum Fjord macht im Gegensatz zu irgendeiner Bucht. Wikipedia sagt dazu, dass Fjorde von Gletschern geschaffen wurden, daher oft sehr steil und fast uferlos sind. Wieder was gelernt.

Durch Somesville mit der hübschen Brücke am Teich und durch Southwest Harbor fahren wir dann zum berühmten Bass Harbor Head Lighthouse. Erst sind wir enttäuscht, weil man vom Garten des Coast Guard Hauses nicht viel vom Leuchtturm sieht. Aber links vom Parkplatz führt ein kleiner Trail auf die Felsen zu Füßen des Turms und so knipsen wir den stolz über die Klippen wachenden Leuchtturm aus allen möglichen Perspektiven.


Ein bisschen knurrt der Magen und so parken wir nach einigem Gekurve vor dem kleinen Lobster-Restaurant Thurston in Bernard, das nicht mehr ist als ein paar Häuser um eine Bucht mit Hummerbooten. Hier will ich jetzt endlich mal einen Lobster zerlegen. Gesagt, getan.

Bei Thurston bestellt man an einem Tresen, hinter dem die Hummer noch quicklebendig in Bassins krabbeln. Nicht mehr lange, denn wenn sie nicht gerade von Kunden lebendig in Papiertüten mitgenommen werden, landen sie direkt nach der Bestellung in einem großen Pott gleich hinter dem Restaurant.

Nach ca. 10 Minuten wird man aufgerufen und das nun knallrote Tier steht zusammen mit flüssiger Butter und einer Zange zur Abholung bereit. Frischer geht’s nicht.

Man muss schon einigermaßen versessen auf das weiße, süß-salzig schmeckende Fleisch sein, denn den Hummer zu zerlegen kostet doch ein wenig Überwindung und ist eine Riesensauerei. Vor allem, wenn man den Körper in der Mitte durchbricht, um an das Fleisch im Schwanz zu kommen, und sich der Darminhalt des Tieres in den Teller ergießt. Hmm, Algenschleim. Sollte man übrigens NICHT essen...

Geschmacklich ist der Lobster (übrigens in weicher Schale) aber super und nach einer Viertelstunde ist nicht mehr viel von dem Schalentier übrig. Lecker war’s.

Am Nachmittag ruhen wir uns ein wenig in unserer Suite aus und fahren zum Sonnenuntergang auf den Gipfel des Cadillac Mountain. Der ist mit 466 m die höchste Erhebung an der gesamten amerikanischen Ostküste von hier bis Brasilien und die Aussicht ist unglaublich. Auf der einen Seite das Meer mit unzähligen Inselchen, am Horizont auf der anderen Seite die endlose Hügelkette der Appalachen, dazwischen Seen und Wälder. Grandios!

Pünktlich gegen 18 Uhr versinkt die Sonne hinter den Bergen. Völlig durchgefroren rollen wir danach den Berg runter – Zeit fürs Abendessen. Eigentlich wollten wir zu einem BBQ-Grill etwas außerhalb von Bar Harbor, aber der hat geschlossen. Also gurken wir wieder zurück, parken am Inn und laufen die paar Blocks nach „Downtown“.

Weil wir jetzt irgendwie auf Burger und Ribs gebucht sind, checken wir das „Route 66“ – auf den ersten Blick eher ein Museum als ein Restaurant, so viele Blechschilder und sonstige Devotionalien aus den 50er Jahren stehen und hängen hier. Die Schlange am Eingang entpuppt sich als 6er-Party, die bald einen Tisch bekommt, so dass auch wir nicht lange warten müssen. Warum genau wir mal wieder darauf reinfallen und Onion Rings als Appetizer bestellen, wissen wir kurz nachdem ein Berg frittierter Zwiebelringe vor uns steht, nicht mehr genau. Ansonsten halten wir uns tapfer und verstauen Burger und Rippchen so gut es geht in unseren Mägen.

Damit geht unser Bar Harbor-Aufenthalt zu Ende. Hat uns sehr gut gefallen hier. Morgen fahren wir an den Moosehead Lake und wenn die Blätter da oben genauso bunt sind wie in Acadia und das Wetter mitspielt, bleiben wir ein paar Tage zum Wandern im Norden Maines.
Gefahrene Meilen: 84

P.S. Wer sich schon immer gefragt hat, was Gott eigentlich seit dem 7. Tag macht: er betreibt eine kleine Tankstelle in der Nähe von Bass Harbor. Das Foto ist der Beweis.
So 12.10. Bar Harbor – Moosehead Lake
Zum Abschied vom Acadia National Park fahren wir nach dem Frühstück und der Schlüsselabgabe bei unseren Inn-Keepern noch einmal auf den Cadillac Mountain. Die Aussicht von da oben ist einfach so toll...


Unter gewohnt tiefblauem Himmel geht es dann Richtung Norden. Wir gehören zu den wenigen, die Bar Harbor heute schon verlassen, der Großteil der Besucher bleibt bis Montag, denn da ist Columbus Day, also Feiertag. Fast alle Inns und Hotels zeigen denn auch „No Vacancy“, es ist das letzte Wochenende der Saison hier.
Zwischen Ellsworth und Bangor geht der Highway durch bewaldete Hügel, die wunderschön in der Sonne leuchten. Die Foliage ist hier nach den letzten kalten Nächten definitiv auf dem Höhepunkt.

In Bangor halten wir an dem Haus von Stephen King. Muss man nicht gesehen haben, aber Conny hat früher tonnenweise die Bücher verschlungen. Nun denn. Wohnt sehr gediegen der Schriftsteller – und hat in seinem Vorgarten ein „Vote for Obama/Biden“-Schild stehen.

Die werden immer seltener nördlich von Bangor, denn hier kommt man hauptsächlich durch Farmland und den Farmern ist ein Schwarzer im Weißen Haus wohl grundsätzlich suspekt. Interessant wie rasch hier die Farben der Bäume wechseln. Kaum noch rot, dafür viel orange und gelb. Und je weiter wir nach Norden kommen, desto mehr haben die Bäume auch schon ihr Laubkleid abgelegt.

Maine präsentiert sich hier völlig anders als in den gediegenen Ferienorten an der Küste, die Farmen wirken mitunter ärmlich, viele Gebäude verfallen. Maine hat ein geringeres Durchschnittseinkommen als der Rest von New England – das sieht man hier.

Immer größer wird die Distanz zwischen den einzelnen Örtchen und wenn dann vor Unfällen mit Elchen gewarnt wird, ist der Moosehead Lake nicht mehr weit. Hier gibt es keine Farmen, man lebt von der Holzindustrie und im Sommer vom Tourismus. Greenville ist das Zentrum der Outdoor-Szene. Von hier kann man hunderte Kilometer durch einsame Wälder wandern, mit dem Kajak Seen und Flüsse erkunden oder Wildwasser-Rafting-Touren unternehmen.

In einem von immerhin zwei örtlichen Supermärkten decken wir uns mit ein paar Kleinigkeiten zum Lunch ein, dann setzen wir uns an einem Picknick-Platz in die Sonne. In der Kineo View Lodge haben wir ein Zimmer gebucht. Für den stolzen Preis von 91$ (das geringe Angebot erklärt die hohen Motelpreise hier oben) bekommen wir ein einfaches, aber sauberes Zimmer mit einem tollen Blick auf den Lake und die Berge drumherum. Leider hat es hier weder Internet noch Handyempfang.

Irgendwie sind wir nicht so ganz darauf eingestellt, jetzt am Ende der Welt zu sein. Die meisten Trailheads der Wanderwege sind nur über meilenlange Schotterstraßen zu erreichen, kein Wunder, dass hier fast nur Pick-Ups fahren. Wir sind von der perfekten Infrastruktur im Nationalpark verwöhnt, hier oben ist man wirklich in der Wildnis. Drei mal so viele Elche wie Menschen sollen hier leben. Wir sehen leider keinen, dafür einen Weißkopf-Seeadler.

Wir unternehmen einen kleinen Spaziergang im Lily Bay State Park, etwas nördlich von Greenville direkt am Moosehead Lake gelegen. Mittlerweile haben sich Wolkenschleier vor die Sonne gelegt, die Bäume leuchten also nicht mehr so schön und ein großer Teil der Blätter liegt auch schon am Boden. Hier sind wir also schon „past Peak“ und da morgen mit eher wechselhaftem Wetter zu rechnen ist, werden wir es wohl bei einem Schnupperbesuch am Moosehead Lake belassen und uns wieder Richtung Süden aufmachen.
Abendessen: Homemade Cheese-Hot Dogs aus der Mikrowelle. Eklig, aber auch irgendwie geil.
Gefahrene Meilen: 172 Übernachtung: Kineo View Lodge Greenville, 91$
Mo 13.10. Moosehead Lake – Bethel
Heute Nacht hat uns dann doch endlich eine Regenfront erwischt. Tief hängen die dicken Wolken zwischen den Bergen um den Moosehead Lake. Es lohnt sich also nicht, noch für einen Wandertag hier oben zu bleiben. Spontan entscheiden wir uns für Bethel als nächstes Ziel. Das liegt auch noch in Maine, aber schon in den White Mountains. Wir sind gespannt, wie es dort mit der Laubfärbung ausschaut.

Wir stärken uns noch mit dem immerhin inkludierten Continental Breakfast in der Kineo View Lodge (Bagel, Muffins, Cereal), dann geht es auf Nebenstraßen durch das ländliche Western Maine.

Die größte Stadt, durch die wir kommen ist Skowhegan am Kennebec River, den wir auf dem Weg nach Bar Harbor bei Bath schon einmal überquert haben. Danach wird die Landschaft immer hügeliger und die Bäume tatsächlich wieder bunter. Selbst jetzt, wo der Himmel grau ist, leuchten die Blätter. Bei Sonne wäre das eine Traumroute.
Unzählige Holztransporter sind hier unterwegs. Man wundert sich fast, dass überhaupt noch Bäume stehen, aber die Wälder hier sind halt auch riesig. In Rumford gibt es eine große Papierfabrik, wo das Wasser des Androscoggin River auch in mehreren Staustufen zur Stromerzeugung genutzt wird. Lustig, wo man hier laut der Wegweiser überall hinfahren könnte: nach Mexico, Peru, Hanover, Vienna, auch Paris und Norway sind in der Nähe, Berlin sowieso.

Nach drei Stunden Fahrt erreichen wir das unaufgeregte Städtchen Bethel. Aus dem Reiseführer entnehmen wir das Chapman Inn als Bed & Breakfast-Empfehlung. Das viktorianische Haus steht direkt am idyllischen Green und wir beziehen bei sehr netten Betreibern ein hübsches Zimmer samt Bad für um die 100 Dollar. Nach dem Auspacken genießen wir bei milden Temperaturen ein Lunch auf der Veranda und schauen ein bisschen dem Kleinstadt-Leben auf der Main Street zu. Hier fühlen wir uns wohl.

In Bethel gibt es mit der Gould Academy übrigens ein sehr angesehenes Internat. Der Campus ist gleich neben unserem Inn. Schlappe 41.500 Dollar kostet es, hier sein Kind auf die High School zu schicken. Im Jahr! Dafür muss man sich als Schüler einen Lehrer auch nur mit sieben anderen teilen. Wer’s hat.

Nach einer kurzen Runde durch den Ort beschließen wir, heute nichts mehr zu unternehmen und mal wieder Wäsche zu waschen. Dafür können wir die Maschine unserer Inn-Keeperin Sandra nutzen. Und W-Lan hat es hier auch, also lässt sich die weitere Reiseplanung vorantreiben, während im Sessel nebendran die Katze des Hauses schnurrt.

Zum Abendessen kehren wir in die „Sunday River Brewing Company“ ein. Wirkt ein bisschen wie eine überdimensionierte Skibar – was aber auch naheliegend ist, denn oberhalb von Bethel befindet sich das beliebte Sunday River Skigebiet. So gibt es hier auch Absonderlichkeiten wie eine „Matterhorn Ski Bar“. Nun gut. Das Bier in besagter Brewery ist jedenfalls gut, das Essen auch und nach der Ladung Ribs denke ich, für die nächsten 24 Stunden nichts mehr reinzukriegen. Ich muss mal die Portionsgrößen langsam wieder runterschrauben, sonst gehe ich daheim hungrig aus den Restaurants raus...
Gefahrene Meilen: 140 Übernachtung: Chapman Inn Bethel, 108$
Di 14.10. Bethel – White Mountains
Das Chapman Inn ist das knarzendste Haus, in dem ich je war. Wir haben daheim auch einige knarrende Holzdielen, aber das hier ist unglaublich. Ist aber halt auch über 150 Jahre alt das Haus. Aber urgemütlich. Und zum Glück wohnen wir im 1. Stock.

Nicht übertrieben hat Fred mit seiner Ankündigung, ein „world famous breakfast“ zu servieren. Was hier aufgetischt wird, stellt alles auf dieser Reise dagewesene in den Schatten. Auf einem Büffet stehen zwei Sorten frisches Brot sowie Muffins (alles selbst gebacken), dazu eine Auswahl an Obst und Cereals. In der Küche brutzelt Fred Omelette mit Cheddar Cheese aus Vermont, dazu Bratkartoffeln mit karamellisierten Zwiebeln. Außerdem zur Wahl: riesige Pancakes, mit oder ohne (natürlich in Maine gepflückten) Blueberrys, und wenn das alles nicht zusagt, brät er einem auch die Eier nach Belieben mit Speck oder Schinken. Wow!
Eine hagere Engländerin fragt, wie groß denn das Omelett wäre. Fred meint was von acht Eiern. Ob er dann für sie kleine Eier nehmen könnte. Geht klar. Und wer nicht aufisst, dem droht Fred, dass es dann nichts vom Tripple-Fudge Sundae zum Nachtisch gäbe. Als ob noch was reingehen würde...

Nach so viel Essen steht uns der Sinn nach Unternehmungen an der frischen Luft. Also fahren wir nach dem Frühstück in den Grafton Notch State Park ein paar Meilen nördlich von Bethel. Hier schlängelt sich der Bear River durch eine von eiszeitlichen Gletschern tief eingeschnittene Schlucht und es gibt allerlei Wasserfälle zu bestaunen. Leider spielt das Wetter so gar nicht mit, wie Watte hängen die Wolken in den Bergtälern, es ist feucht – richtig Herbst also.

Trotz schlechten Wetters hübsch anzusehen sind die Screw Auger Falls, die man im Sommer auch auf dem Hosenboden als natürliche Wasserrutschen nehmen könnte. Zum Teil zumindest.

Ein paar Meilen vor dem State Park (wir sind erst dran vorbeigefahren und drehen nun um) kann man die von einer privaten Naturschutzorganisation gekauften Step Falls erwandern. Hier fällt der Wight Brook in mehreren Kaskaden, teilweise über flachgewaschene Granitflächen, teilweise über grobes Geröll, insgesamt ca. 45 Meter in die Tiefe. Wir wandern eine gute halbe Stunde an den Fällen nach oben bis der Pfad an der Grenze des Schutzgebiets endet und steigen dann wieder durch den herbstlichen Wald ab. Ganz schön zum Warmmachen.

Nach weiteren Stopps an den unspektakulären Mother Walker Falls und am Moose Cave (dem ein unglücklicher Elch seinen Namen gab, der hier in eine besonders enge Spalte in der Schlucht stürzte) halten wir dann am Parkplatz, wo der legendäre Fernwanderweg „Appalachian Trail“ die Route 26 kreuzt. Hier nehmen wir uns den etwas über 2 Meilen langen Rundweg zum „Table Rock“ vor – nicht ahnend, dass das wieder eine sehr anstrengende Angelegenheit werden würde.

Zuerst geht der Weg noch gemächlich durch ein Birkenwäldchen. Bohlenstege und Felsbrocken helfen über Sümpfe und kleine Bäche. Der Anstieg beginnt noch harmlos über in den Fels gehauene Treppen. Dabei bleibt es aber nicht, denn das Ganze artet wieder in Kletterei vom Feinsten aus. Einen Weg im eigentlichen Sinne gibt es nicht, man folgt der Markierung über riesige Felsen, zwischen denen bedrohliche Spalten klaffen. Hier mit dem Fuß abrutschen – adios Knöchel!

An den steilsten Stellen geht es über Holzleitern oder Eisentritte und nach etwa einer Stunde haben wir es geschafft und stehen auf dem Table Rock, einem gigantischen Granitblock. Fernsicht = null, wir sind mitten in den Wolken. Schade, aber das war schon von unten zu erahnen. Da hier oben ganz ordentlich der Wind bläst und wir völlig nass geschwitzt sind, sehen wir zu, dass wir weiterkommen.


Der Rückweg verläuft dann entspannter. Noch einmal ein kurzes Stück kraxeln, der Rest ist ein schöner Spaziergang an Bächen, Tümpeln und kleinen Wasserfällen vorbei. Nach 1.45h sind wir wieder am Auto. Uff!
Mittlerweile blitzt immer mal wieder die Sonne zwischen den Wolken hervor und so entscheiden wir uns, in Richtung des blauen Himmels zu fahren und die Scenic Route über die 26, die 16 und die 2 zurück nach Bethel zu fahren.

Als wir die Staatsgrenze zu New Hampshire überqueren, lacht denn auch die Sonne wieder vom Himmel. Am malerischen Lake Umbagog entspringt der Androscoggin River, an dessen Ufer wir einfach immer weiter entlangfahren. Die Laubfarben sind hier nicht ganz so spektakulär, denn in der Höhe hat es außer Fichten hauptsächlich Lärchen und Birken und die haben auch einen Großteil der Blätter schon abgeworfen. Erst auf der Höhe von Berlin strahlen die Hügel wieder in den schönsten Farben.

Durch Berlin zu kommen, ist schon irgendwie lustig. Die kleine Industriestadt mit 10.000 Einwohnern lohnt an sich keinen Stopp, bietet aber ein schönes Panorama auf die White Mountains und eignet sich als Wintersport-Basis. Das hat sie dann doch unserer Hauptstadt voraus. Kurz vorher sind wir übrigens schon durch Milan gekommen, das aber nur aus ein paar Häusern an der Landstraße besteht.

Nach 100 Meilen haben wir dann die Mahoosucs genannte Bergkette einmal fast komplett umrundet und sind wieder in Bethel – über dem immer noch die Wolken hängen. Noch ein kurzer Abstecher zu einer Covered Bridge in der Nähe, das reicht an Aktivitäten für heute.


Gefahrene Meilen: 111
Mi 15.10. Bethel – White Mountain National Forest – Montpelier – Burlington
Heute verlassen wir endgültig den Staat Maine. Über eine Woche haben wir hier verbracht und völlig unterschiedliche Gegenden kennen gelernt: die traumhafte Küste, das urbane Portland, den herrlichen Acadia National Park, den einsamen Moosehead Lake und das beschauliche Mountain Village Bethel. War sehr interessant.

Zuerst dürfen wir aber noch mal das „world famous breakfast“ im Chapman Inn genießen. Conny nimmt den sündhaft guten French Toast aus dicken Weißbrotscheiben, ich lasse mir Eier mit Speck und Bratkartoffeln brutzeln. Allein dieses Frühstück war den Aufenthalt in Bethel wert.


Unser Ziel für heute ist Burlington. Auf direktem Weg dahin geht es über die Route 2. Die verlassen wir aber schon kurz nach Bethel und nehmen die 113 nach Süden durch die Evans Notch, ein „Maine Scenic Byway“ durch eine weitere tief eingeschnittene Schlucht in den White Mountains. Die ist auf jeden Fall den Umweg wert, Bilder sagen hier mehr als Worte.


Dieser Umweg bedingt, dass wir als nächstes in North Conway rauskommen. Hier werden wir in zwei Tagen eh wieder sein. Da die nun zu nehmende 302 quer durch den White Mountain National Forest führt, klappern wir jetzt schon einige View Points ab, die wir eigentlich erst in ein paar Tagen eingeplant hatten.


Vom Crawford Notch State Park aus hat man immer wieder den fast 2.000 Meter hohen Mount Washington im Blick. Bei dem schönen Wetter sieht man gut die Rauchwolken, die die kleine Zahnradbahn ausstößt, wie sie die Bergflanke raufschnauft.

Auch am legendären Mount Washington Hotel kommen wir vorbei, wo 1944 das Bretton-Woods-Abkommen geschlossen wurde, das den Dollarkurs fest an den Goldpreis band und damit der Finanzwelt nach dem Zweiten Weltkrieg einen Rahmen setzte. Der hielt bis 2008... Nein, schon Anfang der 70er Jahren scheiterte das System. Den Internationalen Währungsfonds und die Weltbank, ebenfalls hier gegründet, gibt es aber immer noch.

Bei dem hübschen Ort Bethlehem (Maria und Josef müssten heute hier wohl auch lange nach einer Herberge suchen, die meisten Hotels und Inns zeigen „no vacancy“) fahren wir dann zum ersten Mal seit sechs Tagen wieder auf eine Autobahn. Auf der Interstate bleiben wir aber nur kurz bis hinter die Staatsgrenze von Vermont, denn dessen Hauptstadt Montpelier ist von Osten kommend nur über eine lange Fahrt auf der Landstraße zu erreichen.
Die Route könnte jetzt auch durch das Allgäu führen: grüne Hügel mit Kühen, im Hintergrund die Berge der White und Green Mountains. Das Ganze ist nicht all zu interessant. Eben noch kommt man an einem Bauernhof vorbei, dann sieht man schon die goldene Kuppel des Kapitols von Montpelier. Wir wollen uns die kleinste Staats-Hauptstadt der USA gerne etwas näher anschauen.

Nur 8.000 Einwohner hat Montpelier und ist eine sehr angenehme Kleinstadt. Gleich neben bescheidenen Regierungsgebäuden findet man alternative Läden und originelle Restaurants. Wir trinken einen Kaffee im „La Brioche“, der Bäckerei des New England Culinary Institute. Hier werden die kommenden Sterneköche ausgebildet – man isst also gut in Montpelier. Conny kriegt fast einen Herzkasper, weil ich ihren Café Latte mit doppelt Espresso anmischen lasse. Sie trinkt sonst keinen Kaffee...


Wir schauen uns noch das wirklich sehr schöne Kapitol an, in das man ohne jeden Security Check einfach so reinspazieren kann, bummeln kurz durchs Dorf und fahren dann die letzten Kilometer auf der Interstate 89 nach Burlington. Im La Quinta in South Burlington checken wir fix ein und machen uns dann schnell wieder auf in die Innenstadt von Vermonts größter Ortschaft. Burlington hat immerhin knapp 40.000 Einwohner.




Ein nicht geringer Teil dieser Einwohner studiert oder lehrt an der University of Vermont, durch deren Campus sich der gesamte Verkehr von der Autobahn nach Downtown quält. Die gefällt uns ausnehmend gut. Mit der Church Street Marketplace Pedestrian Mall gibt es in Burlington die wohl einzige schöne Fußgängerzone der USA und am Ufer des Lake Champlain hat man einen traumhaften Blick auf die Adirondack Mountains im gegenüberliegenden Staat New York. Erinnert an den Chiemsee. Städte wie Burlington oder auch Portland lassen einen wehmütig daran denken, was die Amerikaner für einen Schatz weggeworfen haben, als sie massenhaft in die Suburbs zogen und die meisten Stadtzentren der Verödung preisgaben.

Zum Abendessen fahren wir aber wieder raus aus Downtown. Unweit unseres Hotels gibt es ein „Outback Steakhouse“ und auf Steak hätte ich gestern schon Lust gehabt, als wir nur (allerdings sehr leckere) Pizza essen waren. Vorher noch in einen „Vitamin Shoppe“ – ein Laden, dessen schiere Existenz einiges über unsere verpfuschte Einstellung zum Thema Ernährung sagt. Furchtbar. Jedenfalls gibt es hier irgendwelche Schwefel-Kapseln für billig und auf die ist Conny aus. Nun denn, geht ja noch. An der Kasse steht ein Mann mittleren Alters, der zwei GALLONEN mit irgendeinem Pulver rausschleppt...

Die wahre Nahrung liegt dann kurz darauf im Outback auf unseren Tellern. Rib-Eye Steak und Mashed Potatoes. Was braucht man Pillen, wenn es gegrilltes Fleisch gibt?! Lecker! Unbedingt zu empfehlen die Kette, viel besser als Sizzlers oder bei uns Maredo und Co.
Der Tag wird beschlossen mit einer Flasche Rotwein von Cape Cod und der letzten Debatte zwischen Obama und McCain. In Vermont dürfte die Entscheidung schon lange klar sein.
Gefahrene Meilen: 199 Übernachtung: La Quinta Inn & Suites South Burlington, 88$ via Priceline
Do 16.10. Burlington – Ben & Jerry’s Ice Cream Factory
Irgendwann musste er ja kommen, der erste Regentag auf unserer Reise – heute. Statt über die Hügel Vermonts zu rollen, satteln wir rasch auf Indoor-Programm um und so gibt es von diesem Tag kaum etwas zu berichten.

Außer dem Regen nervt uns morgens schon eine Familie beim Frühstück im La Quinta Inn. Waffeleisen sind halt auch keine Spielzeuge für ungeduldige Kinder und wenn man sich gar nicht erst die Mühe macht, die aus vier einfachen Sätzen bestehende Bedienungsanleitung zu lesen, sprüht man sich das Fett statt aufs Eisen halt erstmal ins Gesicht, schüttet den Teig bis zum Überlaufen ins Gerät und wundert sich dann über die Sauerei und dass die Waffel auch noch anklebt. Tja, hätten sie mir mal als Profi-Waffel-Macher über die Schulter geschaut...
Was im Hotel an Frühstück angeboten wird, ist weitgehend geschmacksneutral. Das gilt für die Waffeln wie für den Kaffee. Wir sind aber auch verwöhnt durch die letzten Tage in Bethel.

Die einzige Unternehmung besteht in einem Besuch der Eisfabrik von Ben & Jerry’s im nicht weit entfernten Waterbury. 3$ kostet die Führung und man schaut einen unterhaltsamen Film über die ungewöhnliche Firmengeschichte, darf durch Glasscheiben in die Produktion blicken, die nicht anders aussieht als in anderen Lebensmittel herstellenden Betrieben – außer dass die Arbeiter laute Rockmusik hören. Immerhin erspähen wir, dass die nächste neue Sorte „Crème Brulée“ sein wird - pssst... Dem Riesenfass Karamell nach zu schließen, das ins Eis gemischt wird, dürfte das eine süße Angelegenheit werden. Schließlich gibt es noch ein Probe („Cherry Garcia“, schmeckt interessanterweise anders als das bei uns Europa erhältliche Eis der gleichen Sorte) und nach einer halben Stunde steht man wieder im Souvenirshop. Ganz nett, aber auch nicht wirklich einen Umweg wert.
Draußen schüttet es jetzt so richtig und wir machen uns auf den Rückweg nach Burlington. Ich setze Conny in der University Mall ab und verbringe die nächste Stunde bei Barnes & Noble, den ich nicht ohne einen kleinen Stapel Bücher verlassen kann. Ich hoffe, das bringt mich beim Gewicht des Gepäcks auf dem Rückflug nicht in Schwierigkeiten.
Als Conny vom Shopping zurück ist, gehen wir in den altmodischen Diner gleich gegenüber vom Hotel auf einen Burger und einen Hot Dog, den Rest des Nachmittags vergammeln wir auf dem geräumigen Zimmer. Immerhin hört der Regen irgendwann auf und kurz vor Untergang kommt sogar die Sonne noch raus. Sieht also ganz gut aus für morgen.
Abendessen: siehe gestern. Wer weiß, wann das nächste Outback Steakhouse auf der Route liegt...
Gefahrene Meilen: 56
Fr 17.10. Burlington – Green Mountains – Kancamagus HW – Glen
Heute wollten wir von Burlington zurück in die White Mountains. Da uns diese Strecke im Prinzip ja schon bekannt ist, stelle ich einen Weg aus möglichst vielen Scenic Routes zusammen. Dadurch würden wir zwar an die sieben Stunden im Auto hocken, aber immerhin auf viel schöne Landschaft schauen.

Zuerst mal geht es von Burlington auf der 7 Richtung Süden. Hier haben wir immer wieder schöne Ausblicke auf die Adirondack Mountains im Westen und den davor liegenden Lake Champlain.

In Middlebury stoppen wir für einen Cappuccino und eine Hot Chocolate. Lustig: in dem alternativ angehauchten Café haben die Betreiber ein kleines Schild aufgestellt, dass sie sich zwar freuen, dass viele Gäste so viel Zeit in dem Laden verbringen, dass die aber während ihres Aufenthalts doch auch bitte ab und zu mal was bestellen sollten. Indem wir unsere Getränke „to go“ nehmen, handeln wir wohl im Sinne dessen.


Middlebury lohnt einen Halt, sehr schönes Städtchen. Nur leider halten sich hier auch immer noch bedrohlich dunkel aussehende Wolken und da es seit gestern empfindlich abgekühlt hat, steigen wir bald wieder ins Auto und fahren über die Middlebury Gap mitten hinein in die Green Mountains. Hinter der ersten Bergkette sind dann die Wolken auch verschwunden. Juhuu!

Wir fahren nun auf der 100, meist an einem kleinen Fluss oder Bach entlang, durch ein schönes Tal bis beim Wintersport-Ort Killington die 4 nach Osten abzweigt. Am idyllischen (aber total überlaufenen) Woodstock halten wir nur kurz, dann geht es bei White River Junction auf die Interstate 91 und wieder Richtung Norden. Super die Autobahnen hier: kaum Verkehr, immerhin 65 Meilen Speed Limit (also real ca. 75), so dass wir schnell vorankommen.

Bei Wells River verlassen wir die Interstate, überqueren den Connecticut und sind damit wieder in New Hampshire, das das unzweideutige Staatsmotto „Live free or die“ hat. Ist doch mal ne Ansage!

Richtung Conway fahren wir dann den berühmten Kancamagus Highway, der in steilen Kurven bis 881 Meter über Meer geht. Recht viel Verkehr und vor allem Motorräder sind hier unterwegs. Da die lange Fahrt langsam anstrengt, halten wir kaum an Aussichtspunkten – wir kommen die Tage hier wohl eh noch mal vorbei. Durch Conway und vor allem North Conway mit seinen unzähligen Geschäften, Restaurants und Hotels geht es dann mitunter nur im Stop & Go. In Glen, kurz hinter North Conway an der Route 302, haben wir im „Covered Bridge House“ gebucht– dem einzigen B&B in New England mit einer eigenen Covered Bridge auf dem Grundstück. Cool. Und das Zimmer ist sehr hübsch.

Ein paar Infos zum Stand der Laubfärbung: Der alle paar Tage aktualisierte Report des Foliagenetwork.com ist ziemlich exakt. Vor allem erkennt man auf deren Karte wie in der Realität, dass in den Höhenlagen der Green wie der White Mountains der Peak der Färbung bereits vorbei ist. Hier sind die Bäume denn auch meist schon kahl. Ganz anders sieht es in einigen Tälern und in tieferen Lagen aus: hier ist jetzt Peak und so kommen wir auf der Fahrt immer wieder durch leuchtende Wälder. Laut Foliagenetwork ist dieses Jahr der schönste Indian Summer seit Jahren und es freut uns natürlich sehr, dass wir den hier erleben dürfen. Da wir nächste Woche ja weiter in den Süden fahren, Richtung Boston und dann Providence, bleiben uns die bunten Farben also erhalten.

Nach der langen Fahrt sind wir hungrig, können uns aber nicht so recht entscheiden wohin. Also testen wir mal „Friendly’s“. Schon oft gelesen, aber nie gegessen. Friendly’s ist ein „Family Restaurant“, d.h. schon mal: kein Bier. Schlecht. Und das heißt: viele Kinder. Der erste Eindruck ist der eines Ronald McDonald-Geburtstags. Das Essen kann man wohl mit „teures Fastfood“ auf den Punkt bringen. Wer sich gerne mit typisch amerikanischem Plunder voll stopfen mag, sollte da mal hingehen. Ich schaffe es, mit einer Bestellung eine Hähnchenbrust mit zwei verschiedenen Käsesorten und BBQ-Soße, frittierte Shrimps, Kartoffelbrei mit Soße, Mais und Knoblauchbrot auf einem Teller zu versammeln. Geschmacklich ist das Ganze in Ordnung, die Portion aber nicht so reichlich, wie es sich vielleicht liest. So ist noch Platz für ein Peanutbutter Cup Sundae, das mich restlos voll macht. Dazu ein Verdauungs-Käffchen, das nach nichts schmeckt. Und letztlich sind wir dann auch 40 Dollar los. Na ja...
Gefahrene Meilen: 255 Übernachtung: Covered Bridge House Bed & Breakfast, Glen, 94$ + Tax
Sa 18.10. Mount Washington – North Conway
Die erste Nacht im Covered Bridge House war sehr bequem. Bei Queen Size Betten zeigt sich die Qualität der Matratze ja sehr deutlich, wenn man zu zweit drauf schläft. Die hier ist eine der besten der Reise bisher. Auch das Frühstücks-Barometer zeigt wieder nach oben: der Kaffee schmeckt nach Kaffee, der French Toast kommt mit Zimt und Mandeln daher (leckere Variante) und wir haben nette Gesprächspartner beim Frühstück.

Die Sonne strahlt von einem stahlblauen Himmel und so nutzen wir die ja eher seltene Gelegenheit, den Gipfel des Mount Washington wolkenfrei zu erleben für eine Fahrt dort hinauf. Was da ein Geld mit gemacht wird: mit dem Auto kostet es 20$, die etwa 7 Meilen lange Straße zu befahren, was die Mount Washington Auto Road wohl zur teuersten Mautstraße der Welt macht. Dazu kommen 7$ für jede weitere Person, also zahlen wir zu zweit 27$. Dafür bekommen wir eine recht informative CD, die uns auf den 25 Minuten bis zum Gipfel mit allerlei Wissenswertem und Anekdoten unterhält, eine Urkunde (!) und einen Bumper-Sticker „This Car Climbed Mt Washington“, den wir schlecht an unseren Mietwagen pappen können.

Noch teurer ist die Variante mit der Eisenbahn, die kostet nämlich 59$ pro Person. Wie erzählte die Engländerin beim Frühstück heute so schön: ein Freund von ihr sei mal mit der ganzen Familie mit der Cog Railway gefahren und hat gedacht, für das Geld hätte er den ganzen Berg gekauft...

Die Straße wurde schon 1861 durch den Wald geschlagen. Die Quälerei für die Arbeiter mag man sich kaum vorstellen, immerhin liegen hier im Winter bis zu 6m Schnee. Die Fahrt ist jedenfalls spektakulär. An einigen Stellen scheint man direkt in den Himmel zu fahren und es gibt Kurven mit Namen wie „Oh my God“ oder „Mother-in-law’s job“. Ich lenke uns aber gewohnt souverän bis jenseits der Baumgrenze und so früh am Morgen hält sich der Andrang auf dem 1.917m hohen Gipfel noch in Grenzen.


Eisig kalt ist es hier oben: -8°C zeigt das Thermometer. Berücksichtigt man den Wind-Chill fühlt es sich an wie –13°. Zum Glück geht nur wenig Wind. Immerhin ist hier oben an einem stürmischen Apriltag im Jahr 1934 eine Windgeschwindigkeit von sagenhaften 370 km/h gemessen worden. Seitdem gilt Mount Washington als Ort mit dem schlechtesten Wetter der Welt. Wir finden heute also geradezu angenehme Bedingungen vor.


Der Wind hat den Raureif über Nacht in bizarren Zapfen überall auf dem Gipfel verteilt. Die Sicht ist klar und geht über 100 Meilen weit. Großartig! Tief unter uns das Mount Washington Hotel, wir erkennen Berlin, wo wir vor ein paar Tagen durchgefahren sind, und ganz im Osten glitzert ein helles Band am Horizont – der Atlantik. Wow!



Zum Glück waren wir so schlau, mehrere Pullis und Jacken mitzunehmen, sonst würden wir uns hier oben den A.... abfrieren. Wir staunen aber nicht schlecht, als ein Mädel in Flip-Flops an uns vorbei geht. Ohne Worte.

Wir wärmen uns kurz im Giftshop auf, dann schauen wir zu, wie die Cog Railway eine große Rußwolke ausblasend den Berg hinaufschnauft. Der Kessel der Lokomotive ist so schräg angebracht, dass er die Steigung ausgleicht, ohne dass dem Heizer die Kohlen auf die Füße fallen. Übrigens werden die ersten Loks gerade auf Diesel bzw. Biodiesel umgerüstet. Der Fortschritt macht auch vor einer Seite 1869 tuckernden Zahnrad-Bahn nicht Halt.

Schließlich machen wir uns an die Abfahrt, auch hier unterhalten von besagter CD. Wir halten noch entlang der Route 16, um einen kurzen Spaziergang zu einem Wasserfall zu machen, doch der Trubel im White Mountain National Forest scheint an diesem Wochenende sehr groß zu sein und so fahren wir an der fotogenen Covered Bridge in Jackson vorbei zu „unserer“ Covered Bridge in Glen.

Den Nachmittag verbringen wir dann (mal wieder) beim Shopping im Outlet Mall. Auch in North Conway hat es die üblichen Verdächtigen, nur kommen mir die Läden hier ziemlich ramschig vor. Immerhin kann ich bei Adidas meinen Bestand an Jogging-Klamotten für wenig Geld aufstocken und Conny ist sehr happy über ihre Schuhpaare 3 und 4 auf dieser Reise.

Nach dem Friendly’s-Debakel gestern gehen wir bei der Wahl des Restaurants auf Nummer sicher: „Margarita Grill“ kling nach Alkohol und nach Gegrilltem, das Southwestern Restaurant ist auch nicht weit vom Hotel entfernt und hier genießen wir Enchiladas und sehr feine BBQ Ribs samt Bier und Cocktail. Geht doch!
Gefahrene Meilen: 68
So 19.10. Kancamagus HW – Franconia Notch
Gestern Abend noch großes Hallo hinterm Haus: Im Hot Tub sind Wale aufgetaucht. Nein, das ist gemein. Vier aufgekratzte Frauen und ein fotografierender Mann machen es sich im heißen Wasser gemütlich. Poolparty - und uns hat keiner Bescheid gesagt. Frechheit! Conny berichtet morgens noch, dass sich später jemand im Bad des Zimmers nebenan erbrochen hätte. Da ging ja einiges... Wie wir dann zum Frühstück runtergehen, erfahren wir den Grund: nebenan wird eine der Frauen frisiert und für ihre Hochzeit vorbereitet. Glückwunsch!


Heute wollen wir die zweite große Touristen-Attraktion der White Mountains erkunden: Franconia Notch, ein 20km langes Tal, durch das der Interstate Highway 93 nach Norden führt, das aber neben der Autobahn auch einige Naturwunder zu bieten hat. Wir fahren über die Bear Notch Road, eine gute Abkürzung von Glen zum Kancamagus-Pass, denn man muss nicht durch das notorisch verstopfte North Conway und bekommt noch schöne Ausblicke von der einsamen Straße geboten. Ist im Winter übrigens gesperrt.

Die Amerikaner haben ein schönes Wort für so einen kalten, klaren Morgen: „crisp“. Bei –1°C unternehmen wir unseren ersten Spaziergang zu den Sabbaday Falls. Die findet man nur ein paar hundert Meter vom Parkplatz am „Kanc“ entfernt, eine durchaus imposante Kaskade in einer engen Schlucht. Sehr hübsch.
Dann weiter über den Pass nach Lincoln und hier nach Norden auf die 93. Das Visitor Center an der berühmtesten Attraktion der Franconia Notch, „The Flume“, ist nicht zu verfehlen und auf dem Parkplatz, der eine Größe hat, als würde nebendran ein Einkaufszentrum warten, stehen noch nicht all zu viele Autos. Schlappe 12$ kostet der Eintritt zur Klamm und um es gleich zu sagen: es lohnt sich nicht wirklich.


Faule Menschen können sich vom Besucherzentrum per Bus zur Flume fahren lassen, für alle anderen gibt es einen Pfad durch den Wald, der sich zu einer 2 Meilen langen Rundstrecke verlängern lässt. Nach einer hübschen Covered Bridge geht es kurz bergauf, dann ist schon der Eingang zur knapp 250 Meter langen Flume erreicht (die übrigens vor genau 200 Jahren entdeckt wurde). Holzwege führen entlang der steil aufragenden Felswände, zwischen denen über einige Wasserfälle der Bach rauscht. Ist alles ganz nett, aber auch nicht gerade Atem beraubend. Da haben wir in den Alpen schon Spektakuläreres erlebt. Nun gut: been there, done that.
Wir drehen noch die Runde durch den Herbstwald, der Weg geht auf einer kleinen Holzbrücke über eine weitere Schlucht, die Liberty Gorge. Jetzt wollen wir noch ein wenig mehr wandern und entscheiden uns für den „Lonesome Lake Trail“. Den zu erreichen ist ein bisschen umständlich, denn man muss die 93 fahren bis zur „Old Man Historic Site“ (das Gesicht im Fels ist ja schon vor ein paar Jahren abgebröckelt und jetzt nur noch auf den Nummerschildern der New Hampshirer zu sehen), dort wenden und wieder zurück zum Trailhead am Lafayette Campground fahren.


Und wie könnte es anders sein? Wir haben uns mal wieder einen steilen Wanderweg ausgesucht. Nicht ganz so arg wie die letzten Male, aber auch nicht ohne. Conny flucht jedenfalls wie ein Rohrspatz, ich finde so ein bisschen Anstrengung tut uns ganz gut. Und es lohnt sich! Der Lonesome Lake liegt wunderschön in einer Mulde zwischen den Bergen und lässt sich auf einem Bohlenweg umrunden. Teilweise sind die Holzbohlen allerdings verrottet oder schon ganz im Sumpf versunken, so dass man mitunter Geschicklichkeit beim Balancieren über die Steine braucht. Aber es macht Spaß.

Bergab geht es dann ziemlich flott und so stehen wir nach 1.40h wieder am Auto. Jetzt sind wir erledigt und fahren erstmal zurück ins B&B für eine heiße Dusche und ein kühles Ale.
Für das Abendessen wählen wir wieder ein Restaurant in der Nachbarschaft aus: „Red Parka Steakhouse & Pub“. Von außen eher unscheinbar, handelt es sich hier wohl um eine Institution im Mt Washington Valley, denn den Laden gibt es seit 35 Jahren. Mein Sam Adams kommt im Einmachglas, was ich schon mal lustig finde. Die Auswahl aus der nicht minder originellen Speisekarte fällt nicht leicht, wir entscheiden uns dann aber beide für den Klassiker New York Sirloin Steak. Tja, was soll ich sagen? Die Steaks sind perfekt! Wer auch immer in New Hampshire unterwegs sein sollte: Geht ins Red Parka an der Route 302 in Glen! Für das Steak würde ich in Zukunft noch eher einen Umweg fahren als für die olle Flume.

Heute Abend steht dann noch das entscheidende Spiel 7 der Baseball Play-Off-Runde zwischen Boston und Tampa an. Nachdem die Red Sox ein sensationelles Comeback hingelegt haben, ist ganz New England im Fieber: Es ist „Soxtober“.
Gefahrene Meilen: 96
Mo 20.10. Glen – Lowell – Andover
Heute verlassen wir die White Mountains, hat uns gut gefallen in diesen rauen Bergen. Man muss nicht unbedingt nach Amerika fliegen dafür, aber wenn man eh durch New England reist, lohnt es sich schon, hier ein paar Tage zu verbringen. Ansonsten liegen unsere Alpen näher. Den großen Zauber entfaltet die Gegend ohne Zweifel, wenn die Laubfärbung einsetzt. Um die auch in den höheren Lagen zu erleben, sollte man am besten schon Ende September kommen. Dann sind allerdings auch noch mehr Touristen da. Wir können uns jedenfalls nicht beschweren: drei Tage Traumwetter, ein sehr schönes Bed & Breakfast und dieses Steak im Red Parka...

Nach dem Frühstück fahren wir noch im Echo Lake State Park vorbei. Der ist keine 10 Minuten von North Conways Shopping-Meile entfernt und an diesem Morgen wohl der friedlichste Ort der Welt. Nebelschwaden steigen von der Wasseroberfläche auf und nur die Enten machen ein paar Wellen auf dem See, in dem sich die Granitwand der Cathedral Ledge spiegelt. Schööön...

Durch die Lakes Region fahren wir Richtung Süden. Auch das ist eine sehr sehenswerte Ecke von New Hampshire. Das Ufer des größten Sees, Lake Winnipesaukee, ist allerdings auch bis zum letzten Meter mit Motels und Ferienhäusern verbaut.
Wir halten noch kurz am Outlet Mall in Tilton, wo Conny bei Gap eine ganz bestimmte Hose findet, die es bisher nirgends in ihrer Größe gab. Frauen können da ja sehr beharrlich sein. Ich bin schon längst auf „nur noch, wenn ich’s wirklich brauche“-Modus, was Shopping angeht. An der Tankstelle nebenan gibt es Benzin für 2,57$ die Gallone. 2,57! Ich habe vor ein paar Tagen für 3,21 getankt. Dummerweise reicht der verdammte Schlauch nicht bis auf die andere Seite des Autos und in der überfüllten Tankstelle lässt sich kaum rangieren. Also tanke ich wenig später für 2,77. Geht auch und eigentlich sind mir Spritpreise auch so was von egal.

Wir fahren nach Lowell, wo es einen National Historical Park gibt. Lowell ist die Wiege der Industrialisierung der USA und wer sich für Industriekultur interessiert, sollte hier unbedingt mal herkommen. Die Stadt wurde in den 1820ern von Bostoner Kaufleuten gegründet, die an den Fällen des Merrimack River eine ideale Stelle fanden, um Textilmühlen nach englischem Vorbild zu betreiben.


Lowell wuchs rasant zur ersten Industriemetropole Amerikas und zog bis zur Mitte des Jahrhunderts vor allem Farmertöchter aus ganz New England an, die als „Mill Girls“ gut bezahlte Arbeit in den Fabriken fanden. Trotz aller Fortschrittlichkeit waren die Arbeits- und Lebensbedingungen aus heutiger Sicht fast unvorstellbar und wenn man im Boott Cotton Mill Museum in einer alten Fabrikhalle steht, in der ein infernalischer Lärm herrscht, obwohl nur ein kleiner Teil der Webmaschinen rattert, bekommt man einen Eindruck.


Die Mill Girls wurden später zunehmend von billigeren Immigranten ersetzt, Lowell genauso eine multikulturelle Stadt wie große Teile der USA. Auch die Geschichte der Einwanderer wird sehr gut dokumentiert, ebenso wie der Niedergang von Lowell, wo die Fabrikbesitzer zu gierig waren um rechtzeitig in neue Maschinen zu investieren und nach dem Ersten Weltkrieg mit den niedrigen Löhnen im Süden der USA nicht mehr mithalten konnten. Mitte der 50er Jahre schloss die letzte der großen alten Fabriken, Lowell verfiel.

In den 70er Jahren begann die Wiedergeburt: in die alten Fabrikgebäude zogen neue Unternehmen, Galerien und Wohnungen und so ist Lowell heute wieder eine lebendige Stadt, in der die Geschichte mit mehreren Museen und einem informativen Rundweg durch das Viertel mit den alten Fabriken hervorragend veranschaulicht wird. Wir verbringen hier über zwei Stunden.

Was für die Literaturfans: Jack Kerouac, der berühmte Schriftsteller der Beat Generation, wurde in Lowell geboren und so kann man mittlerweile auch auf seinen Spuren die Stadt erkunden. Interessiert mich, weil ich die Beat Poets als Prüfungsthema an der Uni hatte.

Aber genug der Bildung für heute. Ein paar Meilen den Merrimack entlang kommt man nach Andover, hier ist unser Hotel, das La Quinta Inn & Suites. Übrigens genau an der gleichen Autobahn-Ausfahrt wie das Marriott Courtyard, wo wir vor 2 Wochen schon mal übernachtet haben. Wir beziehen unser Zimmer mit zwei Queen Size-Betten (kein Kampf um die Decke heute Nacht), machen uns kurz frisch und dann auf zum Abendessen. Unser Navi zeigt fünf Outback-Steakhäuser im Umkreis von 15 Meilen an, wir lassen uns zum nächstgelegenen lotsen.
Heute Abend noch ein bisschen Wäsche waschen und Monday Night Football. Die Red Sox sind übrigens raus. Jetzt muss mit dem Football-Team, den Patriots, gefiebert werden. Ich finde ja Football auch wesentlich unterhaltsamer als Baseball...
Gefahrene Meilen: 167 Unterkunft: La Quinta Inn & Suites Andover, 62$ (via Priceline)
 
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