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Nachdem wir 2006 eine ausgedehnte Reise durch den Südwesten der USA unternommen und 2007 mal wieder New York besucht hatten, stand 2008 die Erfüllung eines alten Traums von mir auf der Agenda: der Indian Summer in New England. Drei Wochen wollten wir uns Zeit nehmen, um Küste und Berge, Städte und historische Orte zu besuchen.

Als Ausgangspunkt wählten wir den kleinen Flughafen von Providence, Rhode Island. Die meisten Touristen kommen ja über New York oder Boston nach New England, die kleineren Flughäfen wie Hartford oder Providence sind aber weniger hektisch, verfügen trotzdem über eine perfekte Infrastruktur und eignen sich daher bestens für den entspannten Start in den Urlaub. Und günstiger sind die Flüge dorthin in der Regel auch noch: wir zahlten 435 EUR mit US Airways über Philadelphia.

Den günstige Dollarkurs Mitte des Jahres nutzten wir, um schon mal ein paar Unterkünfte zu buchen, ließen aber auch ein paar Nächte frei, um flexibel zu bleiben, sollte zum Beispiel einmal das Wetter an einem Ort nicht ganz mitspielen.
Do 02.10. Frankfurt – Philadelphia – Providence
Endlich geht’s los: morgens noch die letzten Kleinigkeiten zusammengesucht, der Katze tröstend den Kopf gekrault und ab Richtung Flughafen. Eingecheckt hatte ich schon online schon am Abend vorher. Bringt aber nix, in Frankfurt muss man trotzdem das komplette Programm am US Airways Check-In absolvieren.

Erstaunlicherweise gibt es bei US sogar noch die alt-bekannten Sicherheitsfragen: „Wann und wo haben Sie das Gepäck gepackt?“ „Haben sie elektronische Geräte dabei?“ Bla bla. Bei United ist diese Befragung schon seit Jahren abgeschafft. Komisch. Immerhin bemerkt die Lady hinterm Counter, dass die erste Adresse in den Staaten schon im System ist und sie besorgt uns noch zusammenhängende Plätze auf dem Weiterflug von Philadelphia nach Providence.

Über den Flug gibt es nichts Außergewöhnliches zu berichten. Der Sitzabstand im A330 ist nicht übermäßig groß aber ok. Es gibt Inflight-Entertainment in jedem Sitz, so dass wir uns die Flugzeit mit einigen Filmen verkürzen. Essen (Chicken) ist nicht schlecht. Später kann man sich in der Galley selbst mit Softdrinks und Bretzeln versorgen, kurz vor der Landung gibt es noch ein Sandwich. Der Blick aus dem Fenster lohnt nicht, denn fast die ganze Zeit fliegen wir über geschlossener Wolkendecke.

Mit einer guten halben Stunde Verspätung landen wir in Philadelphia.und da wir eh nur 1:45h Umsteigezeit haben, beginnt jetzt die Action! Hindernis 1 (Immigration) wird in Rekordzeit genommen: NIEMAND in der Schlange, sensationell. Hindernis 2 (Baggage Claim) ist da schon zeitraubender, denn nicht nur dass unsere Taschen erst sehr spät rauskommen – zwischendurch klemmt das Band auch noch und ein Flughafen-Mitarbeiter muss in die Anlage krabbeln, um die festhängenden Gepäckstücke aufs Rondell zu bugsieren. Hürde 3 (Customs) ist wie immer keine, kommt Hindernis 4, die Security, die man beim Umsteigen von einem internationalen Flug in Philadelphia noch mal durchlaufen muss. Komplettes Programm mit Schuhe aus usw. Wir KOMMEN ja gerade erst aus einem Flugzeug, von daher ist mir der Sinn der Aktion nicht einleuchtend. Zu allem Überfluss reißt auch noch der Riemen meiner Umhängetasche und so bekommt das Laptop eine fette Macke. Top! Dennoch haben wir nach knapp 45 Minuten den kompletten Parcour bewältigt und sind rechtzeitig am Gate B3 zum Einsteigen. Puh...
Der 40minütige Flug mit der Embraer 190 nach Providence ist dann sehr angenehm. Wir haben einen schönen Blick auf New York und bewundern die endlosen Strände entlang der Küste. Die Gegend im Providence sieht schon von oben sehr idyllisch aus mit den Buchten und kleinen Seen und den hübschen Häusern. Pünktlich um kurz vor 17 Uhr landen wir auf dem TF Green Airport von Providence/Warwick.

Während ich am Alamo-Schalter den Mietwagen klarmache, kommt direkt nebenan schon unser Gepäck raus. Taschen geschnappt und ab zum Shuttle, das uns ein paar Hundert Meter zum Alamo/National Parkplatz fährt. Hier ist Choice Line angesagt. Wir nehmen einen weißen Toyota Camri. Riesiger Kofferraum, bequeme Sitze – ist gekauft. In der Midsize-Reihe stehen zwar auch noch zwei Minivans, aber das wäre für uns zwei denn doch übertrieben

Zum Sheraton Hotel sind es wieder nur ein paar Blocks. Wir checken ein, beziehen das große Zimmer mit Double Beds und machen uns dann zu Fuß die Straße runter auf die Suche nach einem Restraurant. Eigentlich hatten wir was mit Pizza im Sinn, landen dann aber in einer typisch amerikanischen Kneipe, in der die Einheimischen ihr Feierabend-Bier trinken und lautstark ein Baseball-Spiel im TV verfolgen. Standesgemäßer kann man den USA-Urlaub kaum beginnen! Wir ordern Quesadillas, Buffalo Wings und Cheese Fries. Das Essen ist geschmacklich eher neutral aber reichlich, und so rollen wir anschließend supersatt wieder zurück ins Hotel.

Übernachtung: Sheraton Providence Airport Hotel, 77$ via Priceline Gefahrene Meilen: 2
Fr 03.10. Providence - Wrentham
Jetlag-bedingt sind wir sehr früh wieder wach und unternehmungslustig. Nach einem kurzen Blick aufs Navi entscheiden wir uns für... Shopping! Die Wrentham Premium Outlet Mall ist nur eine Dreiviertelstunde Fahrt entfernt. Hatte ich zwar erst gegen Ende der Reise auf dem Plan, aber was soll’s, sind ja alles keine wirklichen Entfernungen hier im Nordosten.
Nach einem kleinen Frühstück bei Starbucks gegenüber machen wir uns mitten in der Rushhour an Downtown Providence vorbei auf Richtung Massachusetts. Und irgendwie sind wir dann natürlich viel zu früh am Einkaufs-Tempel. Also vertreiben wir uns die Zeit bis zur Ladenöffnung mit einem zweiten Frühstück. Bei Cracker Barrel umfasst allein das Breakfast-Menu drei Seiten. Hammer! Nach reichlich Eiern, Toast, Speck und Hashbrown sind wir bestens gestärkt für den Shopping-Marathon.
Die Mall ist unbedingt zu empfehlen. Über 150 Läden der üblichen Verdächtigen. Kein Wunder: Wrentham gehört zum Chelsea Outlet-Imperium, also dem Betreiber der z.B. aus Gilroy oder Las Vegas bekannten Outlets. Vor allem bei Nike und Hilfiger ist unsere Ausbeute sehr zufrieden stellend. Und: bei Klamotten fällt in Rhode Island keine Sales Tax an.

Irgendwann habe speziell ich dann aber genug und dränge darauf, nach Downtown Providence zu fahren, um ein bisschen Sight-Seeing zu betreiben. Und was machen wir dort als erstes? Richtig: einkaufen. Unser Auto parken wir in der Providence Place Mall – schlappe 200 Läden hat es hier. Für uns am wichtigsten: Abercrombie & Fitch. Die unmöglichen Schnitte torpedieren zwar das in einem ersten Impuls aufkommende Gefühl, man könnte hier einfach alles kaufen, aber einige Klamotten gehen dann doch mit.

Anschließend decken wir uns an der Visitor Information mit Material zum Erkunden der Stadt ein. Leider ist der Sonnenschein von heute Morgen nun aber hinter grauen Wolken verschwunden, so dass wir nur eine kurze Runde drehen. Der erste Eindruck ist aber durchaus vielversprechend, denn von historisch über heruntergekommen bis nagelneu hat die Hauptstadt von Rhode Island einige interessante Ecken zu bieten. Wir beschließen, noch mal bei schönerem Wetter die Stadt zu erkunden und fahren zurück ins Hotel.
 
Zum Abendessen lassen wir uns von TomTom zu Olive Garden führen. Der liegt mitten in Warwick, das nur aus Einkaufszentren zu bestehen scheint. Vom gigantischen Barnes & Noble Buchladen bis zum Target Supermarkt ist hier alles am Start. Beim Olive Garden und den benachbarten Restaurants sind allerdings schon die Parkplätze überfüllt und riesige Schlangen vor der Tür. So machen wir auf der Stelle kehrt und landen doch wieder direkt neben unserem Hotel. Bei Bartucci’s gibt es Pizza aus dem Holzofen. Superlecker!
Gefahrene Meilen: 80
Sa 04.10. Warwick -Newport – Cape Cod
In der kleinen Bäckerei „My Favorite Bagel & Muffin“ versorgen wir uns nach dem Auschecken aus dem Hotel mit Frühstück. Lustig: da ich der Bedienung partout nicht glauben mag, dass das Gebäck „Bacon Cheese Bone“ tatsächlich für Vierbeiner gedacht ist, probiere ich Hundeknochen für 2$ das Stück. Die Amis: backen für ihre Wauwaus...


Gegen halb zehn sind wir in Newport und parken am Visitor Center. Das Wetter ist grandios: die Sonne strahlt von einem polfilterblauen Himmel. Wir machen uns auf zum Cliff Walk, der rund um die Halbinsel an den berühmten „Mansions“ vorbeiführt, den Schlössern der Vanderbilts, Astors und anderer Neureicher des späten 19. Jahrhunderts, die hier für ihre Sommerfrische einen Palast an den anderen klotzten. Dazwischen ein paar sehr hübsche viktorianische Villen, aber auch ganz normale Einfamilien-Häuser – nur eben mit sagenhaftem Blick auf die Bucht.





Von innen schauen wir uns die Mansions nicht an. Zum einen erscheint uns der Eintritt recht happig (bis zu 25$ pro Hütte), zum anderen werden gleich busweise Reisegruppen zur Besichtigung ausgeladen. Wir fühlen uns auf den Klippen ganz wohl – wenn man auch oft nur durch Zäune oder zwischen Hecken einen Blick auf die Traumhäuser am Meer erhaschen kann.


Nach zwei Stunden sind wir zurück an der trubeligen Bannister Wharf. Nach einem Blick in die kleine Halle des Fischmarkts, in der die Hummer zu Dutzenden auf die Weiterreise Richtung Kochtopf warten, bekommen wir einen schönen sonnigen Platz auf der Terrasse eines kleinen Restaurants am Hafen. Es hätte ein schöner Lunch werden können – doch die Bedienung hat nur ein wiederholtes „I’ll be right with you“ für uns übrig. Nach 20 Minuten, in denen sie so ziemlich jeden anderen Gast versorgt hat, reicht es uns und wir machen uns unverrichteter Dinge wieder davon. Dann halt keine Clam Chowder.


Wir statten noch dem historischen Washington Square mit dem Old State House (Rhode Island war die erste Kolonie, die sich für unabhängig erklärte) einen Besuch ab und zahlen dann 14$ Lösegeld für unser Auto. Für Newporter Verhältnisse übrigens ein Schnäppchenpreis, mitunter zahlt man hier 5$ für 30 Minuten Parken...


Dann fahren wir zum Fort Adams State Park, von dem aus man einen schönen Blick über die Bucht auf die Stadt und unzählige Segelboote hat. Auch ein riesiges Kreuzfahrtschiff hat im Hafen festgemacht und überhaupt spielt sich das Leben der Newporter anscheinend vor allem auf dem Wasser ab. In Sachen Lebensqualität hat die 30.000 Einwohner-Stadt wirklich einiges zu bieten. Davon können wir uns auch auf dem Scenic Ocean Drive überzeugen, auf dem wir wiederum an einigen traumhaften Immobilien vorbeikommen. Nicht wenige stehen übrigens zum Verkauf. Immobilienkrise und so...

Bei schönstem Sonnenschein fahren wir dann Richtung Cape Cod, wo wir gegen 16.30 Uhr bei unserem gebuchten Bed & Breakfast „Blueberry Manor“ in Yarmouth ankommen. Der rüstige Besitzer Jerry führt uns herum und wir beziehen unser wunderschönes Zimmer in einem Anbau des Haupthauses.

Auf Jerrys Empfehlung hin entscheiden wir uns zum Abendessen wiederum für italieinisch und fahren zum wenige Minuten entfernten Restaurant Ardeo. Nebenan im Liquor Store versorgen wir uns vorher noch schnell mit Samuel Adam’s und einigen Flaschen Wein aus der Region. Alkohol gibt es in Massachusetts nicht im Supermarkt, dafür ist die Auswahl in den Alk-Läden der Wahnsinn!
Das Essen bei Ardeo ist dann nicht nur sehr lecker, sondern auch mehr als reichlich. Die Muscheln als Appetizer hätte ich mir besser gespart, so habe ich keine Chance gegen die Pizza. Aber knapp war’s, gaaanz knapp.

Zurück im B&B freuen wir uns über kostenloses W-Lan, einen wärmenden Karmin und einige Gläser Wein, bei denen wir die heute geschossenen Bilder sortieren. Morgen bekommen wir hoffentlich Wale vor die Linse...
Gefahrene Meilen: 126 Übernachtung: B&B Blueberry Manor $200
So 05.10. Yarmouth – Provincetown: Whale Watching
Mitten in der Nacht weckt mich ein knackendes Geräuch und ich denke erst, es brennt. Ist aber nur der Kamin. Bei dem springen die Gasflammen an, wenn die Raumtemperatur zu niedrig wird.

Ziemlich gut ausgeschlafen sitzen wir dann um 8.30 Uhr in Jerrys Wohnzimmer am Frühstückstisch. Mit uns sind zwei Paare aus Dänemark im Blueberry Manor und wir unterhalten uns über allerlei USA-Erlebnisse, während Jerry in mehreren Gängen das sehr gute Frühstück aufträgt. Danach hat er noch jede Menge Tipps für die Gestaltung des Tages. Für uns reserviert er zwei Plätze auf einem der Whale Watching Boote der Dolphin Fleet in Provincetown. Wir ziehen uns dick an, denn von dem traumhaften Spätsommer-Wetter von gestern ist leider nichts mehr zu erahnen, und machen uns auf zur Spitze der Halbinsel.
Auf der 6A, dem „Old King’s Highway“ kommen wir an Städtchen wie Dennis und Brewster vorbei. Die würden alle einen zweiten Blick lohnen, aber da es tröpfelt und wir ja pünktlich in Provincetown sein wollen, lassen wir sie rechts und links liegen. Der Weg ist auch so das Ziel, man hat das Gefühl durch einen Park zu fahren, so akkurat gepflegt sind die Vorgärten mit den alten Bäumen. Von den sonst in Amerika üblichen Fast Food-Restaurants und Franchise-Ketten ist hier nichts zu sehen, stattdessen kommt man an hübschen kleinen Läden, Inns und Restaurants vorbei.



Etwas touristischer wird die Infrastruktur dann, wo die alte 6A mit der aktuellen 6 fusioniert und nach Norden Richtung Provincetown verläuft. Hier gibt es zahlreiche Motels und statt Laubbäumen säumen vor allem Kiefern die Straße. Was anderes wächst in dem nun sandigen Boden wahrscheinlich auch nicht, die Landschaft wird von Dünen geprägt. Kurz statten wir einigen Stränden der von John F. Kennedy vor 45 Jahren unter Schutz gestellten National Seashore ab. Nichts los dort bei dem Wetter. Aber traumhaft schön.

Auch das Highland Lighthouse besuchen wir. Der Leuchtturm wurde 1996 auf Schienen gesetzt und von der erodierenden Steilküste gut 50 Meter ins Landesinnere verschoben. Hier bei der Gemeinde Truro wird übrigens auch Wein angebaut. Kaum zu glauben, aber zu kaufen in den Liquor Stores von Cape Cod. Schmeckt teilweise gar nicht mal schlecht.



In Provincetown angekommen parken wir unser Auto für 6$ „flat“, da kann man nicht meckern, und holen unsere Tickets für die Walfahrt ab. Wir bummeln ein wenig die schrille Commercial Street entlang (dass Provincetown als DAS Zentrum schwulen Lebens an der Ostküste gilt, ist nicht übertrieben) und ich gönne mir noch eine Clam Chowder bevor es aufs Boot geht.

Um 13.30 Uhr legt die „Portuguese Princess“ ab und wir fahren raus aus dem natürlichen Hafen zur Stellwagen Bank, einer Art „Unterwasser-Nationalpark“. Hier haben allerlei Wale ihr Revier, wobei einige nur im Sommer zum Fressen vorbeikommen und nun im Herbst schon wieder Richtung Karibik unterwegs sind, um zu kalben.

So eine Whale Watching Cruise verläuft nach einfachen Regeln: Ist der Hafen erstmal einigermaßen außer Sicht, wird angestrengt auf den Horizont gestarrt. Der erste dunkle Buckel könnte noch leicht als Welle durchgehen...

... der aufsteigende Nebel beseitigt dann die Zweifel: da atmet ein Wal. Oder zwei.

Dann freut man sich, eindeutig eine Schwanzflosse zu sehen und die majestätischen Tiere überhaupt entdeckt zu haben.

Und dann, mit viel Glück, kommt einer ganz nah ans Boot geschwommen....

... dreht sich für die Kameras in Position...

... und taucht nach einem Wink der Flosse wieder ab – nur um das Spiel gleich wieder von vorne zu beginnen. So geschehen bei uns mit einem sehr neugierigen Buckelwal-Kalb. So war die Tour ein voller Erfolg und ein unvergessliches Erlebnis für uns.

Dass weitere sechs oder sieben Wale in verschiedenen Formationen zu beobachten waren, ging fast unter, so begeistert waren alle von dem jungen Tier, das man fast hätte streicheln können.


Noch ein letzter Wink einer Schwanzflosse, dann bringt das Boot seine völlig durchgefrorenen aber glücklichen Gäste zurück in den Hafen.


Wir beschließen den Ausflug nach Provincetown mit frittiertem Meeresgetier im Lobster Pot und fahren zurück nach Yarmouth. Dieser Tag hat sich trotz trüben Wetters mehr als gelohnt.
Gefahrene Meilen: 94
Mo 06.10. Cape Cod – Plymouth – Andover
Der Start in den Tag ist dank Jerrys fantastischem Frühstück wieder ein guter. Wobei: fast wäre er heute an seinem alten Ofen gescheitert. Schließlich gelang es ihm aber doch noch, neben einem frischen Obstsalat und (großartigem!) selbstgemachtem Müsli auch noch eine Art Pfannkuchen mit Blueberrys zu servieren. Yamm, yamm!

Außer den schon bekannten Dänen sitzt heute ein frisch verheiratetes amerikanisches Paar am Tisch. Klar, dass das Gespräch bald auf die anstehende Wahl kommt – wie man überhaupt sagen muss, dass man in kein Restaurant gehen kann, ohne dass nicht an mindestens einem der Nachbartische über Obama, McCain und vor allem Palin gesprochen wird. In New England ist man sich ziemlich einig, dass letztere eine Witzfigur ist. Auch bei uns am Frühstückstisch. Wobei man sagen muss, dass die beiden eher untypische Amerikaner sind: gehen demnächst für das Peace Corps nach Übersee. Respekt! Jedenfalls spürt man, dass es für den Teil der Amerikaner, der die Demokraten unterstützt, eine absolute Katastrophe wäre, wenn tatsächlich McCain/Palin am 4. November gewählt würden...

Schließlich verabschieden wir uns vom Blueberry Manor (unbedingt empfehlenswert!) und fahren den Old King’s Highway Richtung Westen. Im Örtchen Sandwich, dem ältesten auf Cape Cod und seit 1637 bewohnt, legen wir einen kurzen Stopp ein und freuen uns, dass der Wetterbericht total daneben lag: die Sonne kommt immer mehr durch die Wolken und es sollte noch ein traumhafter Herbsttag werden.


So beschließen wir, dem Freilichtmuseum Plimoth Plantation einen Besuch abzustatten. Hier leben Freiwillige das Leben der Pilgerväter im Jahr 1627 nach. Sie leben also in strohgedeckten Holzhütten, reden in einem mittelenglischen Dialekt und versuchen auch sonst alles sehr authentisch Pilgrim-mäßig wirken zu lassen. Auch ein Lager der zu jener Zeit in der Gegend siedelnden Wampanoag Indianer gibt es zu bestaunen – hier kann man auch einige Nachkommen der echten Ureinwohner treffen. Die meisten überlebten das Eintreffen der Engländer ja nur für wenige Jahre.


Obwohl Plimoth Plantation wirklich toll gemacht ist, begeistert uns das Museum nicht besonders. Die 24$ Eintritt muss man nicht unbedingt anlegen. Noch kostspieliger wird der Ausflug in die Anfänge New Englands, wenn man den Nachbau der Mayflower im Hafen von Plymouth besuchen will. Das sparen wir uns – ein altes Segelschiff von innen können wir uns auch ohne Besuch fast noch besser vorstellen als alte Holzhütten.



Plymouth ist aber insgesamt durchaus ganz hübsch. Neben der Mayflower ist der Plymouth Rock am Hafen beliebtes Besuchsobjekt – angeblich die Stelle, wo die Pilgrims zuerst an Land gingen. Ist natürlich nullkommanull belegbar und so hat der Felsen denn auch eher eine symbolische Bedeutung. Trotzdem ist ein kleiner Tempel drum herum gebaut und die Rentnergruppen werden gleich busweise davor abgeladen.


Wir genießen im schönsten Sonnenschein ein Lunch mit der unvermeidlichen Clam Chowder, Hot Dog und Clamp Strips Roll, das ich gegen die Möwen verteidige. Noch kurz für 10$ einen Sweater im Schlussverkauf im Souvenirladen erstanden, dann schlendern wir zurück zum Auto – für heute reicht es uns mit Besichtigungen.



Entlang des Highways gibt es schon jede Menge leuchtend rote Bäume zu bestaunen, wirklich toll die Farben hier. Je näher wir Boston kommen, desto mehr muss ich mich aber auf den Verkehr konzentrieren, denn der ist schon sehr dicht. Unser Ziel ist Andover, nordwestlich von Boston. Hier habe ich gestern bei Priceline ein Zimmer im Marriott Courtyard gebucht. Vorher hatte ich noch nie von der Existenz eines Ortes namens Andover gehört.


Das Hotel entpuppt sich als gute Wahl. Alles superneu, großes Zimmer mit Kühlschrank und Balkon – nur für den Internetzugang benötigt man ein Ethernet-Kabel, das wir nicht dabei haben. Da Conny eh Hunger hat und ein paar Mittelchen gegen ihre Erkältung benötigt, machen wir uns auf durch die Einkaufszentren der Region. Davon gibt es einige im Umkreis und dank TomTom sind die auch ruckzuck gefunden. Bei Wal-Mart finden wir das passende Kabel, bei McD nebenan ein billiges Abendessen – passt.
Überraschung beim Tanken: der von mir für ausgestorben gehaltene Beruf des Tankwarts feiert fröhliche Urstände. So muss man nicht mal aus dem Auto aussteigen beim Tanken. Komisch.
Ein paar Sam Adam’s und Monday Night Football beschließen den Tag. Morgen geht es wieder an die Küste Richtung Maine. Priceline hat uns das Eastland Park Hotel in Downtown Portland für die nächsten beiden Nächte zugeteilt. Wir sind gespannt...
Übernachtung: Marriott Courtyard Andover, 73$ via Priceline Gefahrene Meilen: 116
Di 07.10. Andover – Cape Ann – Kittery – Portland
Beim Zusammenpacken unserer Sachen am Morgen entdecke ich das vom Hotel gestellte Ethernet-Kabel. Aber mal ehrlich: wer würde im KLEIDERSCHRANK danach suchen?

Zum Frühstück lassen wir uns zum nächsten Cracker Barrel lotsen. Hat uns beim letzten Mal gut gefallen und auch diesmal sind Pancakes, French Toast und Scrambled Eggs nach unserem Geschmack. Allerdings stellen wir mal wieder fest, dass wir nicht dreist genug sind: der Typ am Nachbartisch vertilgt erst sein halbes Steak samt aller Beilagen, beschwert sich dann, dass das Fleisch zu blutig wäre, und bekommt darauf noch mal eine komplett neue Portion hingestellt. Sauber!
Eigentlich hatte ich es aus Zeitgründen schon von der Agenda gestrichen. Weil aber sieben Sonnen scheinen und das Wetter einfach danach schreit, so viel wie möglich von der wunderschönen Küste mitzunehmen, fahren wir nach dem Frühstück Richtung Gloucester, um uns auf Cape Ann umzuschauen. Dazu müssen wir Boston nördlich umfahren und stehen prompt im Stau. Die Ursache ist allerdings nur eine kurze Sperrung des linken Fahrstreifens, wo Dreck aus den Gullis gebaggert wird, und so fließt der Verkehr bald wieder. Kurios: bei jeder Baustelle auf der Autobahn steht mindestens ein Polizeiauto. Was die da bewachen, wird uns nicht ganz klar.



Kurz vor halb elf parken wir an der Uferpromenade von Gloucester und schauen uns die Memorials an, die an die Tausenden seit Bestehen des Örtchens (und das sind immerhin 385 Jahre) auf dem Meer gebliebenen Fischer erinnern. Heute ist die See so ruhig wie ein Goldfischteich. Die Ruhe wird nur durch die Möwen unterbrochen, die sich um Muscheln und Krabben streiten. In welcher Geschwindigkeit die Viecher die Schalentiere knacken und verschlingen...



Weiter geht es auf der 1A durch Bilderbuch-New England nach Rockport. Das ist so hübsch, dass es schon fast weh tut. Die Touristendichte auf der Landzunge Bearskin Neck, dem idyllischsten Teil Rockports, ist erträglich und so bummeln wir in aller Ruhe an den zahlreichen Galerien, Cafés und kleinen Restaurants in den uralten Holzhäuschen vorbei.



Bearskin Neck hat seinen Namen übrigens von einem Bären, der dort angeblich von der Flut überrascht wurde und ums Leben kam. Im Kirchturm von Rockport soll noch eine Kanonenkugel der Engländer stecken und eine rote Fischerhütte auf einem Pier ist angeblich das meistfotografierte und –gemalte Gebäude der USA. Viele Geschichten gibt es also in dem kleinen Ort zu entdecken – auch wenn ich die letzte nicht glaube.




Nicht weit von Rockport liegt der Halibut Point State Park, ein felsiger Küstenabschnitt, wo kurze Spazierwege durch Blaubeerbüsche und über Granitfelsen zu schönen Aussichtspunkten führen. Der Granit wurde früher hier abgebaut. Ein riesiges wassergefülltes Loch mitten im State Park zeugt von der Vergangenheit als Steinbruch.

Der Abstecher nach Cape Ann hat sich auf jeden Fall gelohnt. Jetzt sehen wir zu, dass wir möglichst rasch nach Norden kommen und fahren auf der Interstate 95 durch immer bunter werdende Wälder über zwei Staatsgrenzen – zuerst von Massachusetts nach New Hampshire, dann nach Maine. Hier verlassen wir die Autobahn, um in den Outlet Malls von Kittery ein paar Dollars zu investieren.

Zuerst stärken wir uns aber an einer sehr originellen Seafood-Shack, dann schlagen wir bei Gap und Nike zu. Ich muss zugeben, dass ich in diesem Urlaub bisher sehr erfolgreich bin beim Shopping – was bei Conny für ein bisschen Neid sorgt.


Ab Kittery bleiben wir einfach auf der Route 1. Wir schauen uns kurz in der mit allerlei historischen Gebäuden gesäumten Ortsmitte von York um, fahren am schönen Strand entlang bis zum Cape Neddick, wo das Nubble Lighthouse ein tolles Fotomotiv abgibt, und genießen die warme Nachmittag-Sonne.

Durch Ogunquit und Kennebunk geht es weiter auf der 1. Vor allem in Ogunquit gibt es zahlreiche sehr gepflegt aussehende Motels an der Route. Wäre gar kein Problem gewesen, hier ein Zimmer zu finden. Aber wir haben in Portland gebucht, was auch ganz gut ist, denn sonst wären wir hier garantiert irgendwo auf dem Weg hängengeblieben.


Eine sehr kuriose Begegnung haben wir in Wells, wo ein liebestolles Elchpärchen direkt vor uns die Straße überquert. Wir haben noch nie Elche in freier Wildbahn gesehen und hätten die nicht unbedingt in den Vorgärten direkt an der viel befahrenen Straße erwartet. Lustig.

Gegen 18 Uhr fahren wir am Eastland Park Hotel in Portland vor. Portland ist mit 65.000 Einwohnern die größte Stadt Maines und dank ihrer Kunstszene, der Universität und zahlreicher Unternehmenssitze wohl seit ein paar Jahren sehr angesagt. Wir staunen jedenfalls über die lebendige Downtown, in der sich das Hotel befindet. Das Eastland Park ist ein wunderbar altmodisches Hotel (natürlich mit renovierten Zimmern) aus den 20er Jahren. Wir finden ja, dass diese alten Hotels ein ganz eigenes Flair haben. Eine nette Abwechslung ist das hier allemal und der Priceline-Tarif von 50$ ein Super-Schnäppchen.

Ein großer Berg Wäsche wartet darauf gewaschen zu werden. Dem nehmen wir uns jetzt an und außer der Obama/McCain-Debatte in der Glotze steht heute nichts mehr an.
Mi 08.10. Portland – Freeport
Ein neuer Tag – und über Portland geht die Sonne auf. Herrlich.Was in diesem Urlaub bisher viiieeel zu kurz gekommen ist: Shopping. Na ja, nicht wirklich. Aber Freeport ist in der Nähe und da locken wieder allerlei Outlet-Shops. Allen voran L.L. Bean. So begnügen wir uns mit einem kleinen Frühstück bei Starbucks und fahren die paar Meilen nach Norden.

Der Laden für alles, was auch nur entfernt mit Outdoor zu tun hat, ist tatsächlich rund um die Uhr geöffnet. Die anderen Shops in Freeport machen aber erst um 10 Uhr auf und so hält sich der Rummel morgens noch in Grenzen. Wir erschrecken erstmal bei Betreten von L.L. Bean: fürs Jagen und Angeln brauchen wir eigentlich nichts. Hochsitz? Nö. Gewehre? Auch nicht. Puh, nebenan gibt es auch „normale“ Sachen...

Um es gleich zu sagen: L.L. Bean überfordert uns. Riesige Auswahl, wobei sich die Mode eher an der gesetzteren Zielgruppe orientiert. Sprich: an unseren Eltern. Qualitativ ist das ja alles top, aber auch nicht ganz billig. Nebenan im Outlet-Bereich finden wir dann aber doch einiges Gepäck, das wir gebrauchen können: u.a. gehen eine Reisetasche und ein neues Zuhause für das Läppi mit, damit es nicht noch mehr Beulen abkriegt.
Wir klappern noch ein paar Läden ab, wobei Conny erfolgreicher ist als ich. Noch nie gesehen; ein Abercrombie Outlet. Allerdings wirklich mit Restwaren. Man wird halt auch gierig, wenn man ein Outlet nach dem anderen besucht: „35$ für den Pulli? Zu teuer!“ – „Aber das sind nur 25 EUR.“ – „Egal. In New Hampshire gibt es den ohne Tax.“ Alles eine Frage der Perspektive.

Gegen Mittag fahren wir zurück nach Portland. Zuerst geht es zum Two Lights State Park, wo man – wie der Name erahnen lässt – Blick auf zwei Leuchttürme hat. Eine noch größere Attraktion ist aber die Lobster Shack, vor der schon eine riesige Schlange steht. Unser Hunger ist größer als die Ungeduld und so ordere ich die übliche Clam Chowder (nicht so gut wie in Provincetown), eine Lobster Roll (nicht so gut wie in Kittery) und Hot Dog für Conny (nicht so gut wie in Brooklyn). Die in jedem Reiseführer angestimmten Lobeshymnen auf diesen Imbiss kann ich nicht ganz bestätigen, dafür sitzt man direkt am Meer.

Einen noch schöneren Leuchtturm gibt es am Fort Williams Park – das Portland Head Light. Wirklich sehr schön anzusehen. Interessant auch die Forts hier an der Küste: die wurden nämlich zur Verteidigung gegen die, genau, Deutschen im Zweiten Weltkrieg angelegt. Nur wenige Meilen vor Portland versenkten deutsche U-Boote amerikanische Schiffe. Kaum vorstellbar.

Dann fahren wir zurück ins Hotel und erschrecken das Zimmermädchen, das noch nicht bei uns war und nun überrascht ist, jemanden anzutreffen. Ich sage ihr, dass wir in 10 Minuten wieder weg sind und sie dann gerne das Zimmer machen kann. Nützt aber nichts, sie ward nicht mehr gesehen. Egal.

Ich gehe in das Portland Museum of Art gleich gegenüber unseres Hotels. Ein tolles Kunstmuseum mit vielen Werken europäischer und amerikanischer Impressionisten, aber auch Picasso oder Warhol, und einem Schwerpunkt auf Kunst aus New England. Wie die ganzen Galerien vermuten lassen, ist die Gegend nicht erst seit neuestem bevorzugter Platz von allerlei Malern.

Conny hat für Kunstmuseen nichts übrig und unternimmt einen Stadtbummel. Danach machen wir uns gemeinsam auf durch Downtown Richtung Hafen. Jede Menge kleiner Läden, Cafés und Restaurants hat Portland zu bieten, wirklich eine schöne Stadt. In einem Pub am Hafen bestellen wir Burger und Rib-Eye Steak zum Bier. Meine Bestellung „medium rare“ wird als „außen dunkel, innen roh“ interpretiert, erst im 2. Versuch gelingt das Steak. Na ja. Ach ja, ein Wort noch zum Bier: zwei Sorten Ale probiere ich. Das erste hat einen seltsamen Zimt-Geschmack, das zweite schmeckt irgendwie nach verbranntem Brot. Aber interessant.
Ziemlich satt spazieren wir zum Hotel zurück und machen uns ans Packen. Morgen geht es nach Bar Harbor.
P.S. Aus der Kategorie Auch-wenn-man-alles-schon-gesehen-zu-haben-meint-fällt-den-Amerikanern-noch-etwas-ein: auf einem Parkplatz beobachten wir, wie im Heck eines SUV ein kleiner Jungs auf einer mobilen Kloschüssel sein Geschäft verrichtet. Irre!
Gefahrene Meilen: 53
 
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