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Chicago und Great Lakes
Irgendwie sieht es aus, daß wir mal im Sommer Urlaub machen können. Ich habs im Gefühl. Und richtig. Kurzfristig kann sich Erny 10 Tage frei nehmen. Wir wollten immer mal nach Chicago und den Großen Seen. Im Winter nicht wirklich ein Vergnügen. Die grobe Reiseroute ist auch schnell festgelegt (bei 10 Tagen nicht ganz das große Problem…).
Wir wollen in Chicago starten. Dort haben wir Freunde, die uns schon lange eingeladen haben. Wenn nicht jetzt wann dann ? Im Internet schauen wir nach Flügen, rufen im Reisebüro unseres Vertrauens an und lassen uns die Flüge buchen. Ebenso ein Auto (Equinox*) und ein Hotel in Toronto, von wo aus wir zurückfliegen wollen. Abflug ist in Frankurt, weil es pro Person 240,- € günstiger ist als von Paderborn. Es ist einfach zu kurzfristig. Also buche ich einen Parkplatz in Flughafennähe für 45,- €/10 Tage.
Ein Hotel in Toronto zu finden ist nicht einfach. Wie wir nachher feststellen ist irgendeine Wasser-Messe .Antje aus dem Reisebüro gelingt es trotzdem. Alles andere machen wir wie es uns gefällt und wir bleiben dort wo es uns gefällt.
Samstag, 16. Juni 2006
Um 10.00 Uhr machen wir uns auf die Socken gen Frankfurt. Unser Flug geht um 15.20 Uhr und wir brauchen uns nicht beeilen. Das Auto geben wir in Kelsterbach am Airport Hotel ab und sie bringen uns mit einem Shuttle zumFlughafen. *
 Wir warten in einer Schlange. Um die Zeit zu überbrücken fragt schon mal ein Sicherheitsbeamter den ganzen üblichen Quatsch. Haben Sie elektrische Geräte dabei ? Mist, ich habe meinen Fön vergessen. Haben sie Ihre Koffer selbst gepackt ? Na, wer denn sonst ? Die Heinzelmännchen ? Aus welchem Grund fliegen sie in die USA ? Haben Sie dort eine feste Adresse ? Hat Ihnen jemand was zugesteckt ? Fragen über Fragen, aber wir haben ja sonst nichts zu tun. Ich habe ein wenig ein schlechtes Gewissen. Für unsere Freunde habe ich Schwarzwälder Schinken und eine Salami im Koffer. Verrate ich ihm aber nicht.
Beim Einchecken fragt Erny nach Plätze am Notausgang. Er plustert sich noch ein wenig auf, um noch größer zu erscheinen. Leider nichts mehr frei, aber wir sollen nochmal fragen, bevor wir ins Flugzeug steigen. Nur so am Rande… neben uns steht am Schalter ein Mann, der Wein im Handgepäck hat. Er fragt, ob er das mitnehmen kann. Informieren sich solche Leute nicht vorher ? Er mußte ihn stehen lassen. Klar, den Schinken und die Salami durfte ich auch nicht mitnehmen, aber das binde ich denen nicht auf die Nase. Wenn wir erwischt worden wären, hätte ich gesagt, das ist Ernys Koffer….
Bei den Kontrollen wie immer das gleiche Spiel. Schuhe aus, Gürtel ab, mein Hab und Gut liegt in einer Box. Ob die wirklich alles ordnungsgemäß kontrollieren ? Die Mädels an dem Röntgengerät unterhalten sich angeregt. So wirklich schaut niemand auf den Bildschirm.

Wir können uns wieder anziehen und verspüren ein leichtes Hungergefühl. Ist ja mittlerweile auch schon Mittagszeit. Wir essen was und begeben uns anschließend zu unserem Flugsteig. Erny fragt die reizende Dame am Schalter nochmal nach Notausgang Plätzen. Sie fängt unverhofft an mit uns in englisch zu reden. Obwohl unvorbereitet kontern wir gekonnt. Sollte meine jahrelanger VHS-Englischkurs Früchte tragen ? Jau, wir haben die Plätze bekommen.
Es ist doch eine angenehme Art zu reisen, wenn man die Beine ausstrecken kann. Jetzt nicht unbedingt mein großes Problem, aber für Erny wars eine Wohltat. Wir fliegen übrigens mit NWA in einer Boeing 757 *.

In so einem kleinen Ding sind wir noch nie über den großen Teich geflogen. Aber… super gut und zu empfehlen. Die Mitarbeiter sind sehr nett und auch der Sitzabstand bei Otto-Normalverbraucher wirkt größer. Bestätigt mir nachher auch mein Sitznachbar. Selbst mein Pasta-Gericht (nach der obliagtorischen Chicken- or Pasta-Frage) schmeckt. Mir wird jedenfalls nicht schlecht davon…
 Um 18.40 Uhr Ortszeit landen wir in Detroit.
Den Emigranten-Zettel

haben wir ordnungsgemäß ausgefüllt.Gehören Sie einer terroristischen Vereinigung an ? Haben Sie Waffen dabei ? Hatten Sie ein Verhältnis mit Bill Clinton ? Als erste Adresse geben wir Martinas in Homewood an. Wie immer gehen wir zusammen durch Kontrolle. Der Beamte fragt, ob wir verwandt sind. Nein, weder verwandt noch verschwägert. Also muß Erny an einen anderen Schalter. Das hatten wir noch nie. Ich muß meine Fingerprints da lassen und meine wunderschönen blauen Augen werden gescannt. Derweil durchlöchert mich der Beamte mit Fragen. Ob er den Schinken wittert… ? Er fragt mich genau über die Familie aus, die wir besuchen. Woher ich sie kenne und so. Das ist eine lange Geschichte. Habe ich natürlich nicht gesagt, sonst stände ich da immer noch. Ich erkläre ihm, daß wir dort nur 3 Nächte bleiben und dann weiter fahren. Wohin und womit ? Zum Schluß fragt er, ob ich wüßte, daß wir in 10 Tagen mehr sehen werden als mancher Amerikaner sein ganzes Leben lang. Da tut er mir fast ein bisschen leid.Und Erny ? Paß vorzeigen, Fingerabdrücke, Irisscann und weg. Keine endlos langen Fragen.
Der Flughafen in Detroit ist schön gemacht. Waren wir schon mal, aber ich kann mich nicht mehr erinnern wie das war. Was tut man, wenn man warten muß ?Essen. Es gibt neben etlichen Geschäften und Restaurants (alles was man sich denken kann) auch einen Fastfood-Bereich. Da versorgen wir uns mit Sandwiches. Und weil wir meine Aktien ein wenig zum Steigen bringen wollen, genehmigen wir uns bei Starbucks unseren ersten Frappuccino in diesem Urlaub.

Es ist kurz vor 21.00 Uhr als es weiter geht nach Chicago.
Nach einer Stunde sind wir da Ruck zuck sind wir raus und auf der Suche nach unserem Gepäckband. Das ist außer Betrieb, unsere Koffer sind bei Air Canada.Die Koffer kommen, aber von Paul und Martina, die uns abholen wollen, ist nichts zu sehen. Erny bewacht das Gepäck, ich laufe nochmal zu dem kaputten Gepäckband. In Chicago, wo ich auch zwischengelandet als ich im Oktober nach Las Vegas geflogen bin, hat quasi jeder von draußen freien Zugang zu den Koffern. Der Bereich ist groß und das Gewusel dort noch größer. Plötzlich sehe ich Paul an der Treppe stehen, wo jeder her muß, der zu den Koffern will. Ich bin froh ihn zu sehen Das Hallo ist groß. Wir hatten Verspätung und mittlerweile ist es fast 22.00 Uhr. Wir finden auch sein Auto wieder und machen uns auf den Weg nach Homewood. Dachten wir. Der Tollway, den wir benutzen wollen, ist in Richtung Süden nicht ausgeschildert und Paul irrt umher. Er ist aus Los Angeles und nicht oft am Flughafen. Und schon gar nicht im Dunkeln. Telefonisch bekommt er Anweisungen von Martina und mit Hilfer meiner Karte finden wir den richtigen Weg. Also, wenn mal jemand etwas über die Mannheim Road am O’Hare wissen will, fragt uns. Wir kennen sie von oben bis unten. Und die ist lang…

Martina und Tochter Mia warten schon auf uns. Es ist mitten in der Nacht und immer noch drückend warm. Martina zeigt uns unser Schafgemach. Ein riesiger Kellerraum mit Fitnessabteilung, einem großen Billard-Tisch, Breitbildfernseher und Schlafecke. Super. Wir fallen auch sofort müde ins Bett.
Sonntag, 17. Juni 2007
Wir werden von Kaffeeduft geweckt…. Ich habe mies geschlafen. Bin immer wieder wach geworden. Habe ich immer am Anfang des Urlaubs.
Es ist Sonntag und es gibt American Breakfast. Rührei, Speck, Toast, Pfannkuchen, Kaffee ohne lästige Fragen vorher welches Toast oder wie ich meine Eier essen möchten. Martinas Vater kommt kurz vorbei. Er ist gerade aus New York wieder da und will hallo sagen. Er war mit seiner Freundin im letzten Jahr zu Besuch bei meinen Eltern und sie waren auch bei uns. Martina ist mit ihren Eltern nach USA ausgewandert als sie noch klein war. Ihr Vater hat ein Jobangebot bei Ford bekommen. Paul, ihr Mann, ist aus Los Angeles zu Martina gezogen.

 Wir machen uns fertig und wollen mit Martina und Mia mit dem Zug nach Chicago.
 Paul muß zuhause bleiben und an der neuen Terasse arbeiten. Draußen trifft uns fast der Schlag. Es ist heiß und schwül. Und die Zirkaden sind auch noch da. 17 Jahre sitzen sie in ihren Erdlöchern und kommen ausgerechnet raus, wenn wir da sind. Die sind ganz schön groß, machen einen Höllenlärm und fressen die Bäume kaputt.

Im Zug das andere Extrem. Wir werden von 30° auf gefühlte 15° runtergekühlt. Der Regionalzug braucht gute 45 Minuten bis zur Millenium Station. Eiskalt freue ich mich auf die Hitze. Auf dem Weg zum Navy Pier, einem Vergnügungspark, kommen wir am Wrigley’s Building und dem Tribune Tower vorbei. Erny braucht, wie in jedem Urlaub, eine neue Sonnenbrille, weil er seine vergessen hat oder nicht mehr finden kann.Martina setzt uns am Navy Pier ins Riesenrad, damit wir uns einen Überblick verschaffen können. Was wir sehen gefällt uns: die Skyline von Chiacgo. Mia fährt noch eine Runde Kettenkarussel, dann haben wir Hunger. Wir suchen uns etwas wo wir draußen sitzen können. Mexikanisch klingt gut, ist es auch Bloß nicht irgendwo rein. Ich sitze ja auch zuhause nicht in einem Kühlschrank.



Gut gesättigt, ich wollte nur eine Kleinigkeit, man will ja vernünftig sein, bekommen aber eine Reisenportion, fahren wir mit dem Taxi zum Millenium Park.


 Das ist ein weitläufiger Park mit schönen Gärten, einem großen Freilichttheater wo gerade ein Chor singt (es gibt dort regelmäßig Konzerte - umsonst und draußen), der Skulptur „Cloud Gate“, auch die Bohne genannt, die uns gut gefällt und einer Gelegenheit für Kinder sich im Wasser zu vergnügen.


 Was Mia auch tut. Sie steht in ihrem neuen Kleid mitten im Wasser. Sie hat soviel Spaß dabei, daß es Martina auch egal ist. Es ist ja warm. Draußen. Wir kaufen dem klatschnassen Kind ein Sweatshirt im nächsten Laden. Sie trocknet schnell.



Erny möchte als alter Al-Bundy-Fan den Brunnen sehen, der im Vorspann gezeigt wird. Der heiß Buckingham Fountain und ob er vielleicht eine heimliche Pilgerstätte ist, weiß ich nicht. In echt ist er noch schöner und Erny hat vor Rührung Tränen in den Augen. Er kauft uns Mädels ein Eis und ist glücklich.

 So langsam machen wir uns auf den Rückweg zur Bahnstation. Natürlich nicht, ohne daß Martina für Erny ein original Chicago Hot Dog kreiert. Er kann sowieso an keinem Hot Dog Stand vorbeigehen… Wir haben noch etwas Zeit und genießen nochmal den Millenium Park. Es tut gut einfach nur in der Sonne zu sitzen und die Füße zu entlasten…

 Am Bahnhof machen wir noch kurz halt in einem Popcorn-Laden. Martina läßt uns Popcorn mit Cheese und Caramel probieren. Caramel und Käse zusammen… uahhhh…. Nix für uns.
Im Tiefkühlwagen fahren wir zurück nach Homewood. Zuhause angekommen grillt Paul für uns Hamburger. Schweinelecker ! Mit seiner Terrasse ist er nicht weit gekommen. Als Californier macht ihm die hohe Luftfeuchtigkeit ganz schön zu schaffen. Auch sein geliebter Pick Up fängt in Illinois erbarmungslos an zu rosten. Er hat sich zusätzlich einen Ford Jelly Bean angeschafft. Warum Jelly Bean ? Weil alle neuen Autos gleich aussehen, nur einen andere Farbe haben. Eben wie Jelly Beans.
Wir sitzen noch eine Weile zusammen, unterhalten uns und beobachten durch die großen Terrassenfenster die Eichhörnchen (nicht so schön wie unsere) und Kaninchen, die bis ans Haus kommen. Mir fallen die Augen zu und wir gehen schlafen.
Montag, 18. Juni 2007
Heute Nacht habe ich schon besser geschlafen. Wir haben heute Continental Breakfast. Der Plan ist, daß Erny und ich alleine nach Chicago fahren. Ernys Spruch des Tages: Zieh Dich wärme an, heute wird’s kälter. Nur 28°. Im Laufe des Tages wird es aber schon noch wärmer.
Martina fährt uns zum Bahnhof. Wieder steigen wir in den Kühlwagen. In Chicago merkt man nicht viel von der „Windy City“. Die Luft steht.

 Wir wollen heute als erstes auf den Sears Tower. Auf dem Weg liegt die Börse. Interessiert uns und wir suchen eine Möglichkeit rein zu kommen. Ohne Verabredung ist das aber nicht möglich. Schade, das hätte ich gerne mal gesehen. Also weiter zum Sears Tower. Wir fahren mit dem Aufzug nach oben. Jahrelang war das Gebäude mit seinen 430 m Höhe das höchste der Welt. Die Aussicht ist grandios. Als wir Frostbeulen und Halsschmerzen bekommen, verlassen wir schnellsten den Tower, um uns draussen aufzuwärmen. Ich weiß gar nicht, warum sie die Klimaanlagen so aufdrehen. Diese Extreme sind mir nie aufgefallen. Wir fahren ja auch meist auch im Winter.



Erny muß unbedingt mit der Loop, einer Hochbahn, die die Innenstadt eingrenzt, fahren.

 Wir fahren bis in die Nähe des Wrigley’s Building und suchen dort ein nettes Restaurant, in dem man draussen sitzen kann. Wir werden fündig bei „Emerald Loop“, ich esse ein Sandwich, Erny einen Hamburger. Von dort aus kommt man bequem zu den Bootsanlegern. Wir wollen eine Architecture River Cruise machen. Wir entscheiden uns für eine Kombi-Tour mit Architektur und Lake Michigan. Zusammen mit einer großen Gruppe Rentner aus der ganzen USA (sie tragen Namenschilder mit Name und Herkunft) stechen wir in See. Sie sind alle nett und wir kommen schnell ins Gespräch. Die Tour wird von einer Frau kommentiert. Was wir verstehen ist interessant und kurzweilig. Leider verstehen wir nicht jede Anekdote,lachen aber höflich mit.


 Mittlerweile haben sich ganz schön Wolken gebildet und es zieht sich zu. Wir laufen die Michigan Avenue runter (unterwegs kurzer Stop bei Starbucks zum Frappuccino kaufen) zum Hancock Center. Eigentlich wollten wir da auch noch hoch, aber es fängt an zu regnen und wir würde da oben nicht weit schauen können. Also lassen wir das und stellen uns unter. Obwohl der Regen nicht unangenehm ist bei der Hitze. Ganz im Gegenteil. Als es weniger wird entscheiden wir, zurück zu fahren. Wir schauen uns noch kurz den Historic Water Tower an, der beim großen Feuer von 1871 widerstanden hat.


 Ich bin jetzt naß und überlege mir ein Sweat-Shirt zu kaufen. Wenn ich so in der kalten Bahn fahre bin ich morgen krank. Wir kommen nur noch an Andenkenläden vorbei und ich ziehe eine Erkältung den bleuen, rose oder hellgelb-farbenden Sweats vor… Überraschend ist es dann auch warm im Zug.
Wir rufen Martina an, damit sie uns am Bahnhof abholt. Wir haben für heute Abend unsere Gastfamilie in ein Italienisches Restaurant eingeladen. Wir bestellen eine Riesen-Pizza für eine Großfamilie. Überraschenderweise haben wir doch alles aufgegessen.

 Wieder zuhause sitzen wir noch zusammen. Wir tauschen Reiseerfahrungen aus und Paul erzählt von seinen Erfahrungen beim Reisen durchs Amiland. Wir lachen Tränen. Da denkt man, nur uns deutschen Touris passieren die dollsten Dinger…. Irgendwann müssen wir ins Bett. Paul muß morgens früh raus.
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